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INDIE-FOLK: Auf leisen Sohlen

Mit zwei Alben voll von himmlischen Chorgesängen wurden Fleet Foxes zu Stars. Dann tauchte Sänger Robin Pecknold überfordert ab. Nach sechs Jahren sind die leisen Amerikaner wieder da.
Hanspeter Künzler
Fleet Foxes haben Erfolg, gerade weil sie sich nicht den Stildiktaten der Trends unterwerfen. (Bild: Shawn Brackbill)

Fleet Foxes haben Erfolg, gerade weil sie sich nicht den Stildiktaten der Trends unterwerfen. (Bild: Shawn Brackbill)

Hanspeter Künzler

focus@tagblatt.ch

Robin Pecknold ist die Stimme der Fleet Foxes, dazu ihr federführender Komponist. Er wirkt locker, als er sich aus dem tiefen Hotelsofa hievt, um zur Begrüssung die Hand zu schütteln. Schnell aber zeigt es sich im Gespräch, dass er das Leben keineswegs auf die leichte Schulter nimmt. Eigentlich hätte man ja gewarnt sein müssen. «Crack-Up» heisst sein neues Album – ungefähr gleichbedeutend mit «Durchdrehen». Die Arbeit am letzten Album habe ihn die Gesundheit und die Liebesbeziehung gekostet, hat Pecknold einmal gesagt. Ein Titel wie «Crack-Up» lässt Ungutes vermuten. «Zumindest auf die Aufnahmen trifft die Vermutung nicht mehr zu», erklärt Pecknold lachend, «sie machten sehr viel Spass.» Als Inspiration für den Titel diente die gleichnamige Essay-Sammlung von F. Scott Fitzgerald, dem Autor von «The Great Gatsby». «Er ist präzis, es steckt viel Energie darin und er verspricht Drama. Ich wusste, dass mein nächstes Album ‹Crack-Up› heissen würde, lang, bevor ich das erste Lied dafür schrieb.»

Die Fleet Foxes sind ein feines Beispiel dafür, wie im Musikgeschäft oft gerade die Künstler zum Erfolg gelangen, die sich am wenigsten um das Stildiktat der Trends kümmern. Während sich die restliche Welt mit Techno, R & B, Hip-Hop und der Hipster-Szene von Brooklyn befasste, hörten die beiden Teenager Robin Pecknold und Skyler Skjelset in Seattle Bob Dylan, Neil Young, Beach Boys und Byrds. Als Kinder des Internetzeitalters war für sie Musik kein Schauplatz mehr für die Austragung von Generationenkonflikten. «Ich liebte es, im Internet den Fragmenten vom legendären, unveröffentlichten Beach-Boys-Album nachzuspüren», erinnert sich Pecknold. Das Surfen spülte ihn auch in die britische Folk-Szene.

Der Weg zum Erfolg führte über das Ausland

Die Kunde von den weltfremden, filigran gestrickten Gesangsharmonien sprach sich erstaunlich rasch herum. Im Sommer 2007 wurden die ersten Songs, die diskret auf My-Space-Seite aufgeladen worden waren, innert zwei Monaten eine Viertelmillion Mal angeklickt. Ausgerechnet das Grunge-Label SubPop nahm Fleet Foxes unter Vertrag und veröffentlichte das Débutalbum im Juni 2008. Wie es seit Jimi Hendrix amerikanischen Musikern immer wieder passiert ist, führte auch hier der Weg zum Erfolg über das Ausland. Insbesondere in Grossbritannien fand das Album ein begeistertes Publikum und verkaufte sich in Platinmengen. Mit dem Erfolg kam der Druck –, der indes vor allem aus den Reihen der Band selber kam: man wollte sich nicht wiederholen, suchte nach neuen Wegen, ohne aber zu wissen, wie genau das spontane Début zustande gekommen war. Nach langem Grübeln, verworfenen Aufnahmen und kaputten Beziehungen erschien drei Jahre später endlich der zweite Wurf, «Helplessness Blues». Und siehe da, jetzt war man auch in den USA auf den Geschmack gekommen.

Das Album war noch erfolgreicher als das erste, der Druck damit noch grösser. Da klinkte sich Pecknold aus und trat ein Literaturstudium an: «Ich habe die langen Haare abgeschnitten und den Schädel rasiert. Ich zog von Seattle nach New York, eine völlig andere Umgebung. Und ich ging an die Uni, von der ich bis dahin angenommen hatte, dies sei bloss für Menschen mit Businessambitionen.»

Nach dem Studienabschluss war er bereit, zur Musik und zur Band zurückzukehren. Die Einflüsse des neuen Albums seien breiter gestreut, sagt er: «Es gibt ein bisschen mehr Jazz, ein bisschen mehr Psychedelik, aber auch äthiopische Musik oder Musik aus Nordafrika.» Geblieben sind die ungewöhnlichen Song- titel. Ein Lied heisst «Mearc- stapa». Es sei dies ein altenglisches Wort, das in der Beowulf-Sage auftauche. Es bedeute «Grenzwanderer», erklärt Pecknold. «Ich glaube, das Wort trifft auf mich gut zu. Ich reise viel. Und oft habe ich das Gefühl, nicht ganz in eine bestimmte Umgebung zu passen.»

Fleet Foxes: «Crack-Up», Nonesuch/Warners, ab heute erhältlich

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