Indiana Jones und Harry Potter mit falschen Tönen: Hollywood-Konzert sorgt in Genf für rote Köpfe - bald auch in St. Gallen?

In Genf trat das Hollywood Symphony Orchestra auf - doch nicht das originale aus den USA. Zahlreiche Kunden fühlen sich getäuscht. Das hält die unbekannten Musiker aber nicht davon ab, in St. Gallen aufzutreten.

Benjamin Weinmann, Genf
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Die Helden-Fanfare von «Indiana Jones» (Harrison Ford) wird vom umstrittenen «Hollywood Symphony Orchestra» ebenfalls vorgetragen.

Die Helden-Fanfare von «Indiana Jones» (Harrison Ford) wird vom umstrittenen «Hollywood Symphony Orchestra» ebenfalls vorgetragen. 

Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Kino um einen Film zu sehen, über den es heisst, Brad Pitt und Julia Roberts spielen mit. Im Film treten dann auch ein Brad Pitt und eine Julia Roberts auf, doch es sind bloss Namensvetter der berühmten Hollywood-Stars.

Etwa so erging es dem Publikum im Genfer Théâtre du Léman am vergangenen Mittwoch. Sie bezahlten bis zu 99 Franken für ein Ticket, um das «Hollywood Symphony Orchestra» zu hören. Auf dem Programm standen die Hits des berühmten Filmkomponisten John Williams, die Themen aus «Indiana Jones», «Jurassic Park», «E.T.», «Harry Potter» oder «Schindlers Liste».

Was beim Eintritt und vor allem dann während des Konzerts sehr rasch klar wurde: Das ist nicht das renommierte Hollywood Symphony Orchestra aus den USA. «Es war viel kleiner, es gab keine Filmszenen-Einspielungen auf Grossleinwand, so wie ich das vom echten Hollywood Symphony Orchestra erwartet hätte», sagt eine Zuschauerin im Gespräch. «Und vor allem war die Qualität schlecht. Man brauchte kein geschultes Ohr, um die zahlreichen falschen Töne zu hören.» Sie fühle sich getäuscht und betrogen. «Dieses Konzert war einfach nur peinlich.»

Nur 80 Minuten lang gespielt

Zudem spielte das Orchester gerade mal 80 Minuten lang. Angekündigte Melodien wurden nicht gespielt Mit dieser Einschätzung ist die Zuschauerin nicht alleine. Bei der «Tribune de Genève» meldeten sich nach dem Konzertabend mehrere verärgerte Kunden, die sich geprellt fühlten. Auch weil zahlreiche Melodien, die angekündigt waren, wie zum Beispiel «Home Alone» oder «Born on the 4th of July» gar nicht gespielt wurden.

Verwundert waren viele Zuschauer zudem, dass es über die Orchestermitglieder oder den Dirigenten absolut keine Informationen gab. Der Direktor des «Théâtre du Léman», das sich im Untergeschoss des 5-Sterne-Hotels Kempinski am Genfersee befindet, kann auch nicht sagen, um wen es sich dabei handelte.

Klar ist: Es war nicht das international angesehene «Hollywood Symphony Orchestra» aus Los Angeles, Kalifornien, mit dem derzeitigen Dirigenten John Beal. Dieses bringt jeweils bis zu 140 Musiker und Sänger auf die Bühne. In Genf waren es laut Zuschauer-Schätzungen etwa halb so viele. Der Billettverkäufer Ticketcorner wäscht seine Hände in Unschuld. Man sei nur für den Ticketverkauf und den reibungslosen Einlass verantwortlich, sagt ein Sprecher. «Der Inhalt eines Events ist alleinige Sache des Veranstalters.» Zum Event in Genf habe man bisher keine Reklamationen erhalten.

Das originale Orchester aus den USA warnt auf Facebook

Beim Veranstalter handelt es sich um die Firma Euroconcerts, die auf ihrer Website nichts über sich preisgibt. Sie organisiert in erster Linie so genannte Tribute-Konzerte mit Cover-Songs berühmter Bands wie den Bee Gees oder Dire Straits. CH Media hat die Firma mit der Kritik konfrontiert. Eine Mitarbeiterin schreibt, dass man den Namen «Hollywood Symphony Orchestra» in der EU korrekt registriert habe. Das amerikanische «Hollywood Symphony Orchestra» dürfe mit diesem Namen in der EU nicht auftreten – und umgekehrt. Für Kritik sei man offen, man habe aber bisher keine negativen Rückmeldungen erhalten. Um wen es sich bei den Orchestermitgliedern handelt, sagt sie nicht.

Das originale Orchester aus den USA ist derweil «not amused». Auf seiner Facebook-Seite hat es Anfang Jahr einen Beitrag publiziert mit Verweis auf Euroconcerts: «Warnung: Diese Gruppe in Europa ist nicht das echte Hollywood Symphony Orchester aus den Vereinigten Staaten.» Am Donnerstag hat das umstrittene Ensemble seinen nächsten Auftritt in der Tonhalle St. Gallen. Und am 22. Januar tritt es erneut in Genf auf. Dann mit Musik des Filmkomponisten Hans Zimmer, der für «Der König der Löwen» einst einen Oscar erhielt. Von einer Auszeichnung dieser Kategorie kann dieses Orchester nur träumen.

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