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Kabarettist Erich Furrer: «In Wien kennt man nur Emil»

Seit sechs Jahren lebt der St. Galler Schauspieler, Regisseur und Kabarettist Erich Furrer in Wien. Mit «Wer hat’s erfunden?» kommt er nun in die alte Heimat. Beim Kaffee erzählt er, wie er in Wien arbeitet.
Hansruedi Kugler/Wien
Klare Mimik, virtuose Sprache: Erich Furrer in seinem neuen Programm «Wer hat’s erfunden?». (Bild: Conny de Beauclair/beneschfurrer.com)

Klare Mimik, virtuose Sprache: Erich Furrer in seinem neuen Programm «Wer hat’s erfunden?». (Bild: Conny de Beauclair/beneschfurrer.com)

Eigentlich ist Erich Furrer ja ein Wiener. Das merkt man nicht nur am kleinen Einspänner, der vor ihm auf dem runden Tischchen im traditionsreichen Kaffeehaus Domayer steht, fünf Gehminuten vom Schloss Schönbrunn entfernt: ein Espresso mit einer grossen Portion Schlagrahm drauf – das Lieblingsgetränk der Fiakerkutscher, weil der Schlagrahm den Kaffee darunter warm hält. Furrer hat sich in den letzten sechs Jahren nicht nur an die Wiener Lebensart gewöhnt, er ist hier 1964 auch geboren. Und hier erklärt er im Comedy-Programm «Wer hat’s erfunden?» die Eigenheiten der Schweizer, nimmt die grossspurigen Nationen rund um die Schweiz aufs satirische Korn, lästert über die EU und schmeichelt den Wienern.

Die Idee lag auf der Hand: «Wenn Du sagst, Du kommst aus der Schweiz, sagen die Österreicher gleich ‹Wer hat’s erfunden?›», erzählt Furrer. Offenbar ist es der bekannteste Werbespruch aus der Schweiz. Erich Furrer kennt beide Mentalitäten, denn er ist ein Heimkehrer: Sein Vater nahm ihn als Fünfjährigen mit in die Schweiz, nach Rorschach, wo er acht Jahre in einem Kinderheim lebte. Fussballer blieb bloss Traumberuf, der Lehre als Fotolaborant folgten ein paar Berufsjahre, einige Statistenrollen, schliesslich die Schauspielschule in Bern. In der Ostschweiz hat er sich mit pfiffigen Shakespeare-Variationen, vor ­allem aber mit mehreren «Mammutjäger»-Programmen mit ­komödiantischer Evolutionsgeschichte einen Namen gemacht. Ein TV-Auftritt bei Aeschbacher, eine Einladung zum Humor-­Festival Arosa und die Kabarett-Auszeichnung «De goldig Biberflade» waren die Belohnung.

Wien ist eine Hochburg der Kabarettszene

Dass sich Erich Furrer vor sechs Jahren vornahm, in der Wiener Kabarettszene Fuss zu fassen, müsste man eigentlich als ­chancenlos belächeln. Denn: «In Wien kennt man von den Schweizer Kabarettisten immer noch nur Emil», sagt Furrer. Aber er hatte einen guten Grund und ­entscheidenden Vorteil: Seine Bühnen- und Lebenspartnerin Gabriela Benesch. Sie ist eine der bekanntesten Theater- und Fernseh-Schauspielerinnen Österreichs. Zusammengekommen sind sie, als Benesch einen Regisseur und Texter für ihr Soloprogramm «Cavewoman» suchte. «Aus der beruflichen wurde schnell eine private Beziehung», erzählt Furrer. Seither sind Benesch/Furrer fast permanent auch beruflich ein Duo. Was nach eigener Aussage sehr gut funktioniere: «Mit so einem Comedian zusammen zu sein, ist ein Geschenk», sagte Gabriela Benesch kürzlich dem ORF. Da sei immer was los und man trage das Leben mit Humor.

Sich in Wien als Künstler durchzusetzen, sei aber enorm schwierig, sagt Furrer: «Da gibt es so viele tolle Kabarettisten: Alfred Dorfer, Josef Hader, Gunkl, Josei Prokopetz, Michael Nievarani – nur wer ausdauernd und gut ist, hält sich auf dem Markt.» Die Ticketpreise sind tief und ausserhalb der grossen Häuser kämpft man um jeden Zuschauer:

«Eine fixe Gage wie in Schweizer Kleintheatern gibt es in Wien fast nirgends.»

Was für die Künstler bedeutet: «Wir sind gleichzeitig unsere Regisseure, Manager und Produzenten. Und wir machen unsere Programme auf eigenes Risiko», sagt Furrer.

Auch der Schweizer Botschafter lachte mit

Heimweh habe er aber nie, sagt Erich Furrer: «In dieser wunderschönen Weltstadt zu wohnen, ist einfach grossartig. Zudem spiele ich regelmässig in der Schweiz und habe viele Freunde dort.» Mit dem neuen Programm ist er Ende September nicht nur bei den Medien gut angekommen. Fünf Sterne gab ihm die «Wiener Zeitung», die ihn sogar mit Emil verglich. An der Premiere lachte auch ein offizieller Schweizer mit: Botschafter Walter Haffner. Ihn hatte Furrer bei einer Hodler-Ausstellung in Wien kennen gelernt.

Botschafter Walter Haffner mit Erich Furrer und Gabriela Benesch. (Bild: PD)

Botschafter Walter Haffner mit Erich Furrer und Gabriela Benesch. (Bild: PD)

In «Wer hat’s erfunden?» setzt Furrer neben wortakrobatischer Virtuosität auf kalauernde Völkerkunde. Das Publikum lacht zum Beispiel über: «Wenn ein Österreicher einen als Trottel bezeichnet, ist das ein Kosename – und Volltrottel eine Auszeichnung.» Bei aller Komik offenbart Furrer beim Kaffee seine spirituelle und politische Haltung und wird zum EU-Kritiker:

«Die EU ist aus geistiger Sicht eine schöne Idee. Aber dass die materielle Welt aus lauter Grenzen besteht, macht Sinn und ist ein Grundprinzip des Lebens.»

Er sagt: «Ohne Grenzen wird der Mensch schwach, mit deren Überwindung stärkt er sich.» Erich Furrer selbst ist biografisch ein doppelter Grenzüberwinder. Er ist nicht nur in seine Geburtsstadt Wien zurückgekehrt. Auch Fussball spielt er wieder: In einer Plauschmannschaft im 14. Bezirk.

«Wer hat’s erfunden?», 26. bis 28.10., Keller zur Rose, St.Gallen. Tickets: www.beneschfurrer.com

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