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Martin von Aesch schreibt «Kinderlieder für Erwachsene»

Kabarett wollte Martin von Aesch nie machen. Mit Kinderliedern und Jugendromanen wurde er bekannt. Nun tritt er doch noch in die Fussstapfen seines berühmten Vaters.
Katja Fischer De Santi
Martin von Aesch will mit seinen «Kinderliedern für Erwachsene» ein neues Genre erfinden. (Bild: PD)

Martin von Aesch will mit seinen «Kinderliedern für Erwachsene» ein neues Genre erfinden. (Bild: PD)

Wenn Martin von Aesch zu reden beginnt, dann ist es, als sässe da noch ein anderer auf seinem Stuhl: diese Stimme, dieser Schnauz, sie lassen keinen Zweifeln daran, dass einem der Sohn des legendären Cabaret-Rotstift-Gründers Werner von Aesch gegenübersitzt. Dieser Sohn, mittlerweile auch schon 67 Jahre alt, lehnt sich, auf den langen Schatten seines Vaters angesprochen, im Stuhl zurück: «Als ganz junger Mann hatte ich meine Kämpfe damit, wollte mich distanzieren, heute bin ich versöhnt.»

So sehr, dass er sich nun, zehn Jahre nach dem Tod Werner von Aeschs, zum ersten Mal mit einem kabarettistischen Erwachsenenprogramm auf die Bühne traut. Von Kabarett wollte er lange nichts wissen. Auf die Bühne zog es ihn aber trotzdem: mit Chansons, mit Jazz, mit dem Kinderchor D’Schlieremer Kind.

Der berühmteste Kinderchor der Schweiz

«Kinderlieder für Erwachsene», umschreibt von Aesch denn auch sein neues Programm. Gesungene und erzählte Geschichten aus seiner Kindheit, die ihn bis heute geprägt hätten. «Im Guten wie im Bösen», erklärt er. Etwa wie er sich als Fünfjähriger mit seinen geliebten Tigerfinkli, den kultigen, gepunkteten Pantöffelchen mit rotem Bömbel, in den Kindergarten aufmachte. Das Lachen seiner Kameraden über diesen Fauxpas verfolgt ihn bis in seine Träume – und bis heute. Denn die CD zum Programm, die es nur an den Aufführungen zu kaufen geben wird, heisst nun «Tigerfinkli».

Auf dem Cover geht es jedoch wild zu und her: Eine Horde Nackter in Tigerfinken verlustiert sich vor den Toren der Hölle. Eine Abschreckungsmassnahme für Kinder, die an den jazzigen Liedern durchaus Gefallen finden könnten? «Ja, ein bisschen schon», sagt von Aesch. Das neue Programm sei eine Befreiung für ihn, der sein ganzes künstlerisches Schaffen bisher auf Kinder ausgerichtet hat.

Der gelernte Primarlehrer hatte 1985 den berühmten Kinderchor D’Schlieremer Chind von seinem Vater Werner übernommen. Der Schülerchor ist seit seiner Gründung 1958 eine singende Schweizer Institution. Mehrere Hunderttausend Platten mit Weihnachts-, Kinder- und Lumpeliedern stehen noch heute in Schul- und Kinderzimmern. Das Album «Mir gönd in Zoo» verkauft sich bis heute.

Martin von Aesch verpasste dem Chor einen moderneren Sound. Schrieb zig Kinderliederhits und brachte mit dem Programm «Hallo, Frau Müller» Swing, Boogie und Freejazz in die Kinderliederwelt. Er komponierte Musicals, schrieb mit «Torgasse 12» eine fünfteilige erfolgreiche Kinderromanreihe. 1999 hängte er den Lehrerberuf an den Nagel und ist seither als freischaffender Musiker und Autor unterwegs.

Mit und für Kinder zu musizieren, empfindet er noch immer als etwas vom Grössten. Ob es je wieder zu einem Auftritt oder gar einem neuem Album der Schlieremer Chind kommt, lässt er offen. Sagt aber auch, dass sich heute CDs kaum mehr verkaufen, dass es schwierig sei, mit einer Schulklasse auf Konzerttournee zu gehen, dass die Konkurrenz im Kinderliedersektor riesig geworden sei, seit fast jeder Musiker noch ein paar Kinder­lieder schreibe.

Das kabarettistische Talent liegt in der Familie

Eigentlich wollte er ja auch ein paar weitere Kinderlieder schreiben, doch es wollte nicht mehr so richtig gelingen. Die Texte seien zu subversiv gewesen, der Inhalt für Kinder nicht verständlich. Zudem: «Welches Kind kennt denn heute noch Tigerfinkli?», fragt er. Also fasste von Aesch den Plan, Lieder über seine Kindheit für ­Erwachsene zu schreiben. Geschichten zum Erinnern, zum Schmunzeln. An den Konzerten wird von Aesch aber auch viel erzählen. «Die Lieder erschliessen sich erst im Kontext.» Und in diesen Passagen kommt dann auch das unüberseh- und hörbare kabarettistische Talent des «Rotstift»-Sohns zum Tragen.

Begleitet wird von Aesch von einem Sextett aus Profimusikern an Klavier, Gitarre, Alt- und Tenorsaxofon. Und weil der Schlieremer «der Liebe wegen» seit 15 Jahren immer wieder in St. Gallen weilt, wird die Premiere des Stücks im Osten gefeiert.

Premiere, Fr. 7.9.18, Kino Storchen, St. Gallen, und 13.9.18, Bernhard-Theater, Zürich. Weitere Auftritte: martinvonaesch.ch

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