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Neu im Kino: In Sibirien schaut man zusammen, dass der Karren läuft

Karriere oder Familie? Olga Delane denkt, dass ihr die Familie in Sibirien in dieser Frage weiterhelfen kann. «Liebe auf ­Sibirisch» vermag dank der Nähe der Filmemacherin zu ihren Protagonisten hinter die Fassade markiger Sprüche zu blicken.
Regina Grüter
Olga Delane (zuvorderst rechts in brauner Jacke) und ihre sibirische Familie. (Bild: PD)

Olga Delane (zuvorderst rechts in brauner Jacke) und ihre sibirische Familie. (Bild: PD)

Drei Strampler hängen dicht beieinander an der Wäscheleine und baumeln leise im Wind. Hier im Dorf Onon-Borzja im südöstlichen Sibirien ist Kinderkriegen das Natürlichste der Welt. Die Frau ist dazu geboren, Leben zu schenken; der Mann dazu da, die Familie zu ernähren. Was für ein antiquiertes Weltbild, muss sich da eine junge emanzipierte Frau aus dem Westen sagen.

In Filmemacherin Olga Delanes Brust schlagen zwei Herzen. Sie stammt selber aus dieser weitläufigen, hügeligen Gegend, wo die Leute grossmehrheitlich von der Landwirtschaft leben. Mit 16 Jahren wanderte sie, 1977 in Krasnokamensk geboren, mit ihrer Familie nach Berlin aus. Mit Mitte dreissig reist Olga Delane mit einer Kamera bestückt für ihren Dokumentarfilm «Liebe auf Sibirisch» zu ihren Verwandten nach Sibirien. Fragen um den Stellenwert von Familie und Tradition treiben sie um. Bisher war ihr ihre Arbeit als Fotografin, Cutterin und Regisseurin und die Zeit mit Freunden immer genug. Doch machen Unabhängigkeit und die Freiheit zur Selbstverwirklichung auf Dauer glücklich?

«Für die hat Glück eine andere Bedeutung», sagt die Regisseurin auf der Reise zu Onkel Sascha, Tante Galja, Onkel Oleg und Onkel Nikolai. Für ihre Verwandten im fernen Sibirien ist Olga die Grossstädterin, die zu lange Röcke trägt und (deshalb) immer noch keinen Mann hat. «Wenn du den Rock übers Knie hebst, wirst du als Frau sofort glücklicher», rät ihr etwa Onkel Sascha, der im Dorf das meiste Land besitzt und mit Frau Ira und Tochter Ljuba ein arbeitsames, aber gutes Leben führt. Erst das Muttersein mache eine Frau vollkommen, und ein Leben ohne Familie sei ein schlechtes Leben, darin sind sich alle einig.

Man mag sie, ­ ihre sibirische Familie

Über einen Zeitraum von vier Jahren hat Olga Delane in Onon-Borzja gedreht, in der Weite der Landschaft und in den beengten Küchen und Stuben. Als Nichte und Regisseurin ist sie stets präsent, wenn sie sibirische Familie über Glück und Liebe befragt, hält sich aber bewusst im Hintergrund. Jene vertrauen ihr und scheinen die Kamera zu vergessen, wenn sie ihrem harten Arbeitsalltag nachgehen. Gewalt in der Familie oder Alkoholismus sind keine Tabuthemen.

Doch eigentlich ist «Liebe auf Sibirisch» eine Tragikomödie. Einfältige Sprüche sorgen genauso für Lacher wie das herzhafte Wesen der Protagonisten. Delane gibt Widersprüchen Raum, beobachtet aber geduldig genug, damit man nicht einfache Schlüsse zieht. Und manchmal tun genau die etwas ausserhalb der Norm, von denen man es am wenigsten erwartet hätte. Zusammen schauen, dass der Karren läuft, das ist Glück – und Liebe.

«Liebe auf Sibirisch» läuft im Stattkino (Luzern).

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