In schreiberischer Atmosphäre

Mein Lieblingsmöbel Michela Mosca wusste bereits als Kind, dass ihre Bestimmung das Schreiben ist. Als Symbol dafür steht in ihrer Schreibecke eine prachtvolle Schreibmaschine – die allerdings nur der Zierde dient.

Kathrin Reimann
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Michela Mosca in ihrer Schreibecke in Wil. Hier ist ihr erster Roman entstanden, der zweite ist bereits in Arbeit. (Bild: Luca Linder)

Michela Mosca in ihrer Schreibecke in Wil. Hier ist ihr erster Roman entstanden, der zweite ist bereits in Arbeit. (Bild: Luca Linder)

In einem hundertjährigen rosaroten Haus in Wil lebt Michela Mosca mit ihrem Freund. Den untersten Stock nutzt dieser als Kung-Fu-Schule, im ersten Stock leben die beiden und der oberste Stock dient als Sitzungs- und Kung-Fu-Büro. Eine kleine schmale Stiege führt von dort in den obersten Winkel des Hauses. Dort – umgeben von Balken und direkt unter dem Dach – hat sich die 28-Jährige ihre Schreibecke eingerichtet – einen aufs Wesentliche reduzierten, kleinen Arbeitsbereich.

«Als ich ihn einrichtete, war ich gerade von einer Reise durch China und Thailand zurückgekehrt und hatte überhaupt kein Geld», begründet die zierliche Frau. Aber der Arbeitsplatz entspreche auch ihrem Stil, den sie als sec, aufgeräumt und puristisch beschreibt. Allerdings mit Ausnahmen. «Mein Lieblingsmöbel ist diese prachtvolle Underwood-Schreibmaschine, ich habe sie für 20 Franken auf eBay ersteigert.» Allerdings glaubt Mosca, dass der Besitzer ihren wahren Wert nicht kannte. «Dieses Gerät galt einst als die Schreibmaschine schlechthin.» Damit schreiben tut sie allerdings nicht, vielmehr symbolisiert sie Michela Moscas grösste Leidenschaft. Bereits als 10-Jährige verfasste sie nämlich ihre erste Geschichte. «Damals schaute ich mir immer <Mord ist ihr Hobby> an und wollte wie die Hauptdarstellerin Fälle an einer Schreibmaschine in der Küche lösen.»

«Das Bootshaus» ist fertig

Auch wenn sich in Michela Moscas Haus nichts ansammelt, diese erste Geschichte hat sie natürlich aufbewahrt und zeigt stolz ihr vierseitiges, mit Fülli verfasstes erstes Werk. Damals setzte sich das Mädchen das Ziel, dass noch vor ihrem 30. Geburtstag ihr erster Roman in den Buchläden stehen soll. Ein Ziel, das sie fast erreicht hat. «Am 15. November ist die Vernissage meines ersten Romans <Das Boothaus>.» Was genau für ein Roman es ist, kann sie nicht in Worte fassen. Trotz der Inhaltsangabe «Junge Frau nimmt sich eine Auszeit, trifft auf charismatischen Mann, welcher tief in ihre Gefühlswelt eindringt, Sehnsüchte weckt und die Frau sexuell erweckt», will sie sich nicht in eine «Fifty Shades of Grey»-Ecke drängen lassen. «<Das Bootshaus> ist nämlich definitiv kein Erotik-Roman!»

Für immer von Wil aus

Und noch bevor ihr erstes Buch überhaupt in den Läden steht, schreibt Mosca bereits am zweiten. «Mein erster Roman war eine leichte Geschichte, der Zweite wird umfangreicher, grösser.» Einen Fantasy-Roman soll es geben, soviel verrät sie. Die Idee dazu ist allerdings nicht neu. «Ich habe die Geschichte geschrieben, als ich 14 Jahre alt war und während drei Tagen mit 39 Grad Fieber im Bett lag.»

Ihr Ziel ist es, dass sie einmal vom Schreiben leben kann und ihre Schreibecke zu ihrem einzigen Arbeitsort wird. Und selbst wenn sie mit ihren Werken einen riesen Coup landen und Hollywood an ihre Türe klopfen würde, will Mosca weiterhin von ihrer kleinen feinen Schreibecke in Wil aus schreiben.

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