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In memoriam Taburettli

Über achtzig Werke ermöglichen eine Wiederbegegnung mit dem St. Galler Künstler David Bürkler (1936–2016). Die Ausstellung in der Galerie Bleisch macht Bürklers speziellen Stil genauso deutlich wie die Wege dorthin.
Martin Preisser
Überraschendes hinter Alltäglichem – ein roter Faden in der Kunst David Bürklers. (Bild: Martin Preisser)

Überraschendes hinter Alltäglichem – ein roter Faden in der Kunst David Bürklers. (Bild: Martin Preisser)

ARBON. Der St. Galler Künstler David Bürkler hätte sich gefreut über die grosszügige Retrospektive zum Achtzigsten, aber auch darüber, dass Galerist Adrian Bleisch seit Samstag eine weitere Etage mit einem zweiten St. Galler Künstler bespielt, mit Diogo Graf, der 1966 gestorben ist: Zwei Freunde – Bürkler für kurze Zeit Schüler von Graf – wieder vereint in einer gelungenen Ausstellung.

David Bürkler, der im Januar 79jährig gestorben ist, hat bis kurz vor seinem Tod Kunst gemacht. Drei Tage nach seinem Ableben hat der Spengler zwei neue Blecharbeiten des Künstlers angeliefert. Bürkler, der wache, aufmerksame Geist, bis zuletzt auch am jungen Kunstschaffen interessiert, gut orientiert, mit kritischer Offenheit: Die Wiederbegegnung mit seinen Taburettli, Kartons, Tischen und Paletten ist spannend.

Reduzierte Formensprache

Einen Pappkarton bildet Bürkler nicht einfach nur in Blech nach, plötzlich bekommt ein banaler Gegenstand, billiges Material, eine plastische Spannung, ja etwas Geheimnisvolles in der Ausstrahlung. Bürklers Kunst schärft den Blick für das Überraschende hinter dem Alltäglichen, für das Ästhetische hinter dem nur Nützlichen, für die Formschönheit hinter scheinbar Bekanntem. Es ist das Reduzierte, das Minimalistische seiner Kunst, die einfache Grundformen und Ideen plötzlich auflädt und aufwertet.

Werke von 1957 bis 2016 zeigt die Retrospektive, die nicht nur den Grundnenner von Bürklers Kunst unterstreicht, sondern auch den Weg zum speziellen Stil des Künstlers nachvollziehbar macht. Vom Plastiker David Bürkler sind auch viele frühe Bilder zu sehen, Malerei, die sich mit Vorbildern auseinandersetzt und Bürklers Blick immer mehr geschärft zu haben scheint.

Wie der Weg zum reifen Bürkler verlaufen sein mag, möchte man an einer frühen Collage demonstrieren, in der neben vielen Materialien Silberpapier aufscheint. Ein späteres Werk zeigt nur noch ein kleines Silberpapier, in das ein Munzli eingewickelt war. Mit kleinen farbigen Vierecken an der Seite, fein säuberlich eingerahmt, fast ein exemplarisch genaues, konkretes Kunstwerk.

Ein sorgfältiger Künstler

Tische, mit drei Holz- und einem Wellpappebein – Symbole für stete Instabilität im Stabilen; Stühle, die ihre bekannte Funktion seltsam zu verlieren scheinen, oft eingepackt in einen Metallbehälter; und dann immer wieder David Bürklers Objects trouvés, die auch bei Vorgefundenem wie einem Fahrradsattel den sensiblen, sorgfältigen Umgang des Künstlers mit seinem Material verraten, seine Liebe zum Detail und zur genauen Ausführung.

«Er hätte wichtiger sein können mit seinen Werken», sagt Kunsthistorikerin Corinne Schatz, die ein aktuelles Buch über Bürkler realisiert hat (siehe Kasten). «David Bürkler war immer am Puls der Zeit, aber nie epigonal. Sein Werk ist sicher oft unterschätzt worden», sagt auch Galerist Adrian Bleisch.

Bis 16.7.; Mi–Fr 14–18, Sa 11–16 Uhr, Galerie Bleisch, Schlossgasse 4; www.galeriebleisch.ch

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