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Internationale Tage für improvisierte Musik und Poesie in St. Gallen: In Klang tauchen, auf Text surfen

Viermal im November gibt es im St.Galler Theater 111 poetische Performancekunst ohne Etikett.
Bettina Kugler
Sie laden Lyriker ein zu Klangreisen auf deren Texten: Christian Berger, Gallus Frei. Bild: Urs Bucher

Sie laden Lyriker ein zu Klangreisen auf deren Texten: Christian Berger, Gallus Frei. Bild: Urs Bucher

Wie soll man es nennen, was sich die ersten «Internationalen Tage für improvisierte Musik und Poesie» in St.Gallen vorgenommen haben? Es entzieht sich klaren Kategorien, lässt sich nicht einfach abspulen, nicht einmal konkret vorhersehen, im inneren Ohr abrufen. Es ist, was es ist. Es wird sein, was der Augenblick eingibt. Eine Herausforderung für alle, die gern wohlsortiert denken, sagt Gallus Frei, in Sparten und Schubladen wie Text, Musik, Lesung, Konzert. Ein Abenteuer mit überraschenden Wendungen, sagt Christian Berger: eine Einladung an offene, neugierige Hörer, zusammen mit einer Lyrikerin oder einem Lyriker und zwei Musikern ins kalte Wasser zu springen – in Klang einzutauchen, auf den Wogen eines rezitierten Textes zu surfen.

Ein offenes Format sucht nach Publikum

Im Trio mit dem Perkussionisten Dominic Doppler haben Frei und Berger das Konzept der Veranstaltungsreihe im Theater 111 entwickelt. Das Label «L111» steht zum einen für den Ort des Geschehens, zum anderen für L wie Lyrik. Nach zwei Durchgängen mit erzählenden Texten unter dem bisherigen Motto «Wortklang/Klangwort» ist nun die Poesie im Fokus: als Ausgangspunkt und Inspiration zu einer Reise durch unbekannte, unberührte Klanglandschaften.

«Wir stiften Verwirrung», ist sich Gallus Frei bewusst; «das Publikum reagiert verunsichert auf das Format.» Statt wie erhofft zwei getrennte «Segmente» vereinen zu können, die an Literatur Interessierten und die Freunde improvisierter Musik, müssen sie bislang engagiert werben für die Grundidee, Korrespondenzen in Gang zu setzen, Text und Musik miteinander in Wechselwirkung zu bringen. Der Raum eigne sich gut dazu, finden sie: eine Experimentierbühne; ein kleiner ehemaliger Kinosaal. Drei der vier Performances werden Matineen sein – und «sicher sanfter», während der Abend nach «mehr Groove» ruft. «Die Autoren schicken uns eine Textauswahl von etwa 40 Minuten», sagt Christian Berger, «manche reizen das nahezu aus, andere lassen uns Musikern von vornher­ein mehr Raum.»

Mit Dominic Doppler liest Berger die Texte vorab, dann loten und probieren sie gemeinsam aus, welches Set an Instrumenten sie brauchen, welche Sounds sich kreieren lassen; ein rudimentäres «Drehbuch» entsteht. Schliesslich gibt es eine «Hauptprobe» – in der nicht der Autor, die Autorin, sondern Gallus Frei als «sprachlicher Agitator» im Einsatz ist. So bleibt der Live-Act frisch, improvisiert, für alle Beteiligten überraschend. Manchmal schlägt er eine ganz neue Richtung ein.

«Lyriker haben ein gutes Gespür für Sounds»

Im November werden zwei Männer und zwei Frauen zu Gast sein, die mit der knappen, verdichteten Form spielen: der Vorarlberger Wolfgang Hermann, die in Basel lebende Michelle Steinbeck, die Textperformerin Ariane von Graffenried und der in Dresden geborene Wahlzürcher Thilo Krause. «Entscheidend ist allein schon, wie sich der jeweilige Dichter auf der Bühne bewegt», sagt Gallus Frei. «Im Gegensatz zur klassischen Lesung sitzt er oder sie bei uns nicht an einem Tisch, sondern steht, hat ein Headset – und ist viel exponierter.»

Für manche Schreibenden ist diese Erfahrung neu; andere treten öfter mit Spoken-Word- Texten ins Rampenlicht. «Lyriker haben meist ein besonders gutes Gespür dafür, dass es sehr auf den Vortrag ankommt», weiss Frei. Ihre Texte dem Augenblick anzuvertrauen und den Ideen der Musiker, setze die Bereitschaft voraus, zeitweise die Kontrolle abzugeben. Auch beim Publikum. «Man muss nicht immer alles verstehen», finden Frei und Berger. Vielleicht entdeckt man ja auch, dass Musik den Worten einen verborgenen Sinn entlockt.

10.11., 11 Uhr: Wolfgang Hermann, 17.11., 11 Uhr: Michelle Steinbeck, 21.11., 20 Uhr: Ariane von Graffenried, 24.11., 11 Uhr: Thilo Krause. Theater 111, St. Gallen

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