In ihrem neuen Künstlerbuch haben die Arboner Zwillinge Markus und Reto Huber alles auf den Kopf gestellt

Die 44-jährigen Künstler, die unter dem Namen huber.huber arbeiten, wurden ausserdem kürzlich mit einem Förderbeitrag des Kantons Thurgau ausgezeichnet.

Christina Genova
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Markus und Reto Huber arbeiten als Künstlerduo huber.huber.

Markus und Reto Huber arbeiten als Künstlerduo huber.huber.

PD

Das Titelbild befindet sich auf dem Rückendeckel, Index und Impressum auf den ersten statt auf den letzten Seiten. Und nach einem kunsthistorischen Essay oder einem Werkverzeichnis sucht man vergeblich. «Widersprüchliche Bewegungsreize», das neue Künstlerbuch von Markus und Reto Huber, untergräbt so einige Erwartungen an die Gattung.

Eines von 224 Bildern aus dem kuriosen Kosmos von huber.huber.

Eines von 224 Bildern aus dem kuriosen Kosmos von huber.huber.

Bild: huber.huber

Die 44-jährigen Künstlerzwillinge, welche ihre ersten Lebensjahre in Arbon verbrachten und heute in Zürich als Künstlerduo huber.huber tätig sind, vereinen in ihrem Buch ausgewählte Werke und vor allem Fotografien aus den letzten zehn Jahren ihres Schaffens. «Die Fotos gehören zu unserer Arbeit, aber wir haben sie fast noch nie ausgestellt. Sie zeigen unseren Kosmos», sagt Markus Huber am Telefon. Im Archiv von huber.huber befinden sich Hunderttausende Fotografien. Dank eines Förderbeitrags von 25000 Franken, den sie kürzlich vom Kanton Thurgau erhalten haben, bekommen sie die Möglichkeit, sich vertieft damit auseinanderzusetzen: «Das Geld ist jetzt in Coronazeiten hochwillkommen», sagt Markus Huber.

Schwindel erregende Bilderreise

Drei Bilder findet man im alphabetischen Index unter dem Stichwort «Auto», darunter diese Aufnahme.

Drei Bilder findet man im alphabetischen Index unter dem Stichwort «Auto», darunter diese Aufnahme.

huber.huber

Was huber.huber interessiert, zeigt sich bereits im alphabetischen Index des Künstlerbuches: Besonders viele Seitenverweise stehen bei den Stichworten Collage, Fotografie, Kristall, Pflanze, Schmetterling, Stein und Vogel. Die Gegensätze und Berührungspunkte zwischen Natur und Kultur sind für Reto und Markus Huber ein wiederkehrendes Thema ihrer künstlerischen Auseinandersetzung.

Diese Bild ist im Buchindex sowohl unter dem Stichwort «Collage» als auch unter «Amethist» verzeichnet.

Diese Bild ist im Buchindex sowohl unter dem Stichwort «Collage» als auch unter «Amethist» verzeichnet.

huber.huber

Der Titel des Buches bezieht sich auf die schwindelerregende Bilderreise, auf die man sich beim Durchblättern begibt. «Widersprüchliche Bewegungsreize» lösen Reiseübelkeit aus. Tatsächlich sind viele Fotografien aus dem Fundus der Künstler auf Reisen in aller Welt entstanden. Kurze Texteinträge in sieben Sprachen von Hindi über Thai bis Russisch geben Aufschluss über die Länder, die sie bereist haben. Die Texteinträge beziehen sich häufig auf die Bilder: So steht neben einem mit schillerndem Autolack bemalten Stein «Bunte Fische zu essen ist eigenartig».

Die Fotografien und Werke sind nicht chronologisch geordnet, ihre Abfolge gehorcht formalen, farblichen oder assoziativen Kriterien: Da erinnert ein zerpflückter Orangenschnitz an den Schmetterlingsflügel auf der vorangehenden Seite, oder ein Glas mit Goldfischen ist zwei Delfinen gegenübergestellt.

huber.huber: Widersprüchliche Bewegungsreize. Edition Patrick Frey, 321 S., Fr. 68.–

Alle Schönheit ist vergänglich

Die Künstlerzwillinge Reto und Markus Huber zeigen in der Kunsthalle Arbon ihre gelungene Gesamtinstallation «versprochen ist versprochen». Sie erzählt in einer minimalistischen Sprache von der Vergänglichkeit alles Irdischen.
Christina Genova