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In der St.Galler Tanzkompanie hat jeder schnell seinen Platz gefunden

12 von 16 Mitgliedern der Tanzkompanie sind neu am Theater St.Gallen. Zum Kennenlernen gab es vor Saisonbeginn schon Hausaufgaben.
Bettina Kugler
Tänzer, Metallkuben und Kinsun Chan. (Bild: Hanspeter Schiess)

Tänzer, Metallkuben und Kinsun Chan. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sie kennen sich noch nicht einmal sechs Wochen und doch schon sehr vertraut im Umgang, wie Freunde oder Geschwister. Was sicher auch damit zu tun hat, dass Tänzer einander körperlich nahe sind bei ihrer Arbeit. Gerade kommen sie von der Nachmittagsprobe in der Lokremise, nicht sonderlich verschwitzt. In der letzten Stunde ist es vor allem um Abläufe gegangen, um das Raumgefühl und die Balance. Buchstäblich: Denn Choreograf Kinsun Chan, ihr neuer Chef, hat für das Tanzstück «Rain» sechs unterschiedlich grosse Kuben entworfen, die sie jeweils zu viert im Raum bewegen. Ein Balanceakt auf Distanz, mit einem sperrigen Körper, der sie als Formation zugleich trennt und verbindet.

«Diese Metallkuben sind schwerer, als man zunächst denkt», sagt Stefanie Fischer, «und es ist gar nicht so einfach, sie im Raum zu manövrieren.» Dass sie mit 31 Jahren die älteste Tänzerin der neu formierten Kompanie ist, sieht man ihr nicht an. Zierlich und mädchenhaft wirkt sie, mit ihrem Kurzhaarschnitt fast kindlich. Dabei hat sie zusammen mit den drei anderen Kollegen, die aus Beate Vollacks Kompanie am Theater St.Gallen geblieben sind, eine Art Mutterrolle in der Gruppe übernommen. «Das heisst aber auch, den Neuen Zeit zum Ankommen zu geben.»

Neu sind fast alle Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie. Aus zehn Nationen stammen die insgesamt 16 Mitglieder; aus dem fernen Osten, Europa, Südamerika. Untereinander sprechen sie meist Englisch, auch während der Proben ist Englisch ihre Arbeitssprache. Der Ton untereinander sei von Respekt geprägt, versichern sie. «In sehr kurzer Zeit hat bereits jeder seinen Platz gefunden», sagt Stefanie Fischer. Es gebe die Stillen, Introvertierten, Selbstsichere und Schüchterne, sehr Ernsthafte, Gründliche – und andere, die gerne Spass machen und lachen. Für Tanzchef Kinsun Chan eine interessante Mischung aus sehr verschiedenen Persönlichkeiten. Das soll in ihrem ersten Stück sichtbar werden.

Das eigene Leben tanzen: im Glück, im Leiden

«Es ist ganz wunderbar, eine so erfahrene Kollegin wie Stefanie zu haben», schwärmt Florent Operto. Der junge Tänzer kommt aus Frankreich, hat in München studiert und in Tschechien, Rumänien und Deutschland gearbeitet. Entsprechend gut ist sein Deutsch. Er hört aufmerksam zu, gibt reflektierte Antworten: Diese Haltung hat er auch während der Proben am liebsten. «Florent ist ein sehr Eleganter», sagt Stefanie Fischer. Auch Guang-Xuan Chen aus Taiwan beobachtet gern, wartet ab, was gemeinsam entsteht. «Du bietest aber auch viel an», findet Stefanie.

Dass Kinsun Chan den Tänzern vor Probenbeginn eine Aufgabe gestellt hat, war neu für Florent. Jeder sollte, ähnlich wie im Gedicht von Henry Longfellow, welches dem Stück «Rain» zugrunde liegt, einen Höhe- und einen Tiefpunkt seines bisherigen Lebens beschreiben und auf einem Video tänzerisch umsetzen. Eine Herausforderung. Naiara Silva de Matos hat bereits in Bern ähnlich gearbeitet. Sie bringt gern eigene Ideen ein, ist offen und kommunikativ. «Ich frage immer nach, gerne auch für andere, die weniger direkt sind», sagt sie.

Stadtspaziergang statt Seelenstriptease

Die «Hausaufgaben» aber waren lediglich ein kreativer Anstoss für den Choreografen. Zum Glück, finden die Tänzer: Es hätte leicht zu einem Seelenstriptease werden können, die Beiträge als Kompanie gemeinsam zu diskutieren. Stattdessen haben sie am ersten Arbeitstag Ende August einen Stadtspaziergang zu ihren Spielstätten gemacht: vom Theater über die Kathedrale bis zur Lokremise. «Süss» sei die Stadt, sauber, überschaubar. Und anders als ihr erstes Tanzstück: Sonnig.

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