In der Midlife-Krise

Shrek hat eine tolle Frau, muntere Drillinge, doch nun sehnt er sich nach seinem Single-Leben zurück.

André Wesche
Drucken
Teilen

Neun Jahre sind ins Land gezogen, seit sich ein grünes Sumpfmonster anschickte, weltweit die Herzen kleiner und grosser Kindsköpfe zu erobern. Der computeranimierte Film «Shrek – Der tollkühne Held» war völlig anders als die üblichen Trickabenteuer. Respektlos wilderte der Rockstar unter den Phantasiefiguren in der harmonischen Welt der Märchenwesen. Damit traf er den Nerv der Zeit, zwei Fortsetzungen folgten.

Während man über «Shrek», den ersten noch in fünfzig Jahren lachen wird, kann man sich an die Handlung der beiden Nachfolger schon heute kaum mehr erinnern. Man sah förmlich vor sich, wie die Filmemacher den Erfolg generalstabsmässig zu planen versuchten. Der Film «Für immer Shrek» hat endlich wieder jene Mischung aus Anarchismus und Warmherzigkeit, für die man die schrulligen Figuren so lieb gewann.

Ein bewegtes Leben

Ein Rückblick: In «Shrek» unterjochte Lord Farquaad die Fabelwesen des Märchenlandes DuLoc. Der allseits gefürchtete Oger Shrek handelte mit dem Tyrannen einen Deal aus. Wenn er die Prinzessin Fiona aus ihrem Turm befreien und an den Lord übergeben würde, dürfe Shrek seinen Sumpf weiterhin mit Methangas anreichern. Die Folgen sind bekannt: Farquaad wurde abserviert, Shrek wurde mit Fiona glücklich, und für seinen treuen Freund, den Esel, fiel ein sexy Drachen ab.

Im zweiten Teil waren Flitterwochen angesagt, allerdings passte der Schwiegersohn Fionas Eltern, die den nervigen Prinz Charming als Thronfolger im Auge hatten, gar nicht. Der als Auftragskiller eingesetzte gestiefelte Kater avancierte rasch zum besten Freund von Shrek und Co. – am Ende wurde alles gut, aber Charming gab noch nicht auf.

Endlich: Shrek ist wieder kauzig

Im dritten Teil wollte der intrigante Prinz den Thron von «Weit Weit Weg» erobern, der Shrek zustand. Der Oger wiederum konnte einem Leben als Promi nichts abgewinnen. Er suchte nach Cousin Artus, um ihm die Amtsgeschäfte zu übergeben. Trotz aller Verwicklungen blieb Zeit für Romantik. Am Ende wurden der Esel und der Oger stolze Väter einer ansehnlichen Kinderschar. «Für immer Shrek» zeigt, wie die Geschichte weitergeht.

Menschen nennen es Midlife-Krise: Shrek hat eine tolle Frau, lebendige Drillinge und das Haus voller Freunde. Und doch ist er unglücklich. Er sehnt sich nach jenen Tagen zurück, in denen er ein unbeschwertes Single-Dasein führte und von aller Welt gefürchtet wurde. Der Zuschauer wurde bereits Zeuge, wie das intrigante Rumpelstilzchen Fionas königliche Eltern mit einem unlauteren Vertrag übervorteilen wollte: Shrek tappt in dieselbe Falle.

Ohne das Kleingedruckte zu lesen, unterzeichnet er ein Dokument, das ihn zurück ins wilde Leben versetzt. Am Anfang scheinen alle Blütenträume zu reifen. Aber schnell wird deutlich, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Rumpelstilzchen hat die Macht übernommen und das Königreich Weit Weit Weg in Tod und Verderben gestürzt.

Hollywoods Rezept für Fortsetzungen lässt sich mit einem simplen Wort zusammenfassen: Mehr. Mehr Klon-Krieger für «Star Wars», mehr Mr. Smith für «Matrix» und nun mehr Oger im vierten Shrek-Spektakel. Die Rechnung geht diesmal auf. Die Handlung ist einfach, aber überzeugend, die beliebtesten Charaktere bekommen ein grosses Podium und erscheinen in ganz neuem Licht, die neu etablierten Figuren fügen sich perfekt ins grüne Universum ein. Am wichtigsten aber ist: Die warme Kauzigkeit ist zurück, die man zuletzt so vermisste.

Auch wenn es ein klein wenig düsterer zugeht als bisher, stimmt die Lacher-Quote. Und erstmals erstrahlt Shreks volle Schönheit abendfüllend in 3D, was in temporeichen Szenen ein zusätzlicher Reiz ist.

Die Kino-Zukunft ist grün

Sascha Hehn leiht dem Oger die deutsche Stimme. Als Dr. Udo Brinkmann in der «Schwarzwaldklinik» und als Chefsteward Viktor in «Das Traumschiff» avancierte der Schauspieler in den 80er-Jahren zu einer Ikone deutschen Fernsehschaffens.

An die Ankündigung, dass das vierte Abenteuer Shreks das letzte sein soll, mag auch Hehn nicht glauben: «Ich denke, Shrek wird eine <neverending story> sein. Der Oger wird in regelmässigen Abständen wieder auftauchen und seine Geschichten erzählen. Weil wir eine Figur wie Shrek brauchen, um uns unseren Problemen zu stellen und Werte zu vermitteln.» Die Zukunft könnte durchaus grün sein.

Aktuelle Nachrichten