IMPFSTUDIE: Neuer Impfstoff gegen Hepatitis C

Rund 170 Millionen Menschen leiden weltweit an Hepatitis C. Das Kantonsspital St. Gallen konnte nun einen bedeutenden Forschungserfolg in einem von der EU finanzierten Projekt vorstellen: ein neuer Impfmechanismus gegen die Virus-Krankheit.

Bruno Knellwolf
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Katrin Braun und Eva Bachmann mit dem Plakat der Krimitage, das der St. Galler Illustrator Dario Forlin gestaltet hat. (Bild: Benjamin Manser)

Katrin Braun und Eva Bachmann mit dem Plakat der Krimitage, das der St. Galler Illustrator Dario Forlin gestaltet hat. (Bild: Benjamin Manser)

Bruno Knellwolf

Die Rede war vom «Affenvirus», der im Impfstoff Menschen vor Hepatitis C schützen soll. Die Aufmerksamkeit war den Forschern des Kantonsspitals St. Gallen damit gewiss, als sie vor gut zwei Jahren zusammen mit der Universität Oxford eine Impfstudie starteten, in der ein neues Impfkonzept getestet wurde.

Ein Impfstoff wäre hilfreich: Gestern hat die Weltgesundheitsorganisation WHO bekannt gegeben, dass rund 1,3 Millionen Menschen jedes Jahr an einer der Hepatitisformen sterben und rund 325 Millionen Menschen neu erkrankt seien. Die UNO hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 Virushepatitis weitgehend zu eliminieren. Davon sei man aber noch weit weg, wie der Präsident der Welt-Hepatitis-Allianz, Charles Gore, gestern sagte.

Da kommt der Erfolg mit der «Affenvirus»-Studie von Matthias Hoffmann an der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen, über den am Wochenende am Europäischen HIV-Kongress in Mailand berichtet wurde, gerade recht. In dieser Impfung werden Adenoviren eingesetzt, die Affen in sich tragen. Diese eignen sich als Verpackung und Transportmittel für einen Teil des Hepatitis-C-Virus, der im Impfstoff steckt und einen Schutz vor Hepatitis C ermöglichen soll.

Klinische Studie in St. Gallen und Dublin

Getestet wurde der Impfstoff am Kantonsspital St. Gallen und am St. James Hospital in Dublin an zwanzig HIV-positiven Personen: acht Männer aus St. Gallen, zwölf aus Dublin. HIV-Patienten sterben besonders häufig an Leberleiden, Zirrhose und Krebs, welche das Hepatits-C-Virus auslösen kann. «Von den HIV-Patienten sterben heute mit den guten HIV-Therapien mehr an Lebererkrankungen als an HIV», sagt Hoffmann.

Die zwanzig HIV-Patienten wurden in der klinischen Studie diesem neuartigen Impfkonzept ausgesetzt. Herkömmliche Impfungen bewirken, dass Antikörper gebildet werden, welche den gefährlichen Virus im Körper neutralisieren. Das funktioniert in den meisten Fällen. «Aber beim Hepatitis-C-Virus nicht», sagt Hoffmann. «80 Prozent der Hepatitis-C-Erkrankten entwickeln Antikörper, diese schützen jedoch nicht, und die Infektion verläuft als Folge chronisch.»

Deshalb hat man in dieser internationalen Studie einen anderen Impfmechanismus getestet. In diesem setzt man nicht auf Antikörper, sondern auf Abwehrzellen, sogenannte T-Zellen. Abwehrzellen sind die Körperpolizei mit einem Gedächtnis, welche verhindern sollen, dass die Virus-Erkrankung nach der Impfung einen chronischen Verlauf nimmt. Mit der Impfung löst man also eine Abwehrantwort aus und stärkt die inneren Kräfte des Patienten.

Zwei Impfungen innerhalb von acht Wochen

Der Impfstoff wurde in einem Abstand von acht Wochen an die zwanzig HIV-positiven Probanden abgegeben und auch an eine HIV-freie Versuchsgruppe. Dabei ging es nur darum, die Sicherheit der Impfmethode zu testen. «Die Hülle des eigentlichen Virus wird entfernt, transportiert wird nur noch die genetische Information, welche die Abwehrreaktion im Körper auslöst. Getestet wurde also kein Wirkstoff im herkömmlichen Sinn, sondern ein Virus-bestandteil, welcher den menschlichen Körper befähigt, die Abwehrreaktion auszulösen», erklärt Hoffmann.

Und die klinische, von der EU finanzierte Studie war ein Erfolg. Matthias Hoffmann spricht von einem Meilenstein in der Hepatitis-Impfforschung, an dem das Kantonsspital St. Gallen beteiligt sei. Die Studienresultate zeigten, dass der Impfmechanismus bei Menschen ohne HIV und vor allem auch bei der empfänglicheren Gruppe der HIV-positiven Patienten funktioniere. Dies ohne schwerwiegende und unerwartete Nebenwirkungen. «Eine Impfung muss eine Reaktion auslösen, wenn sie wirken soll. Genau das ist passiert. Die Geimpften konnten am nächsten Tag aber wieder normal zur Arbeit.»

Das Impfsystem zeigte also eine gute Reaktion bei den T-Zellen. Mit diesem System könnte auch gegen andere Krankheiten geimpft werden, sagt Hoffmann. Die Forschung sei allerdings immer noch am Anfang. Nachdem sie nun die Sicherheit der Impfung belegt hätten, werde die Wirksamkeit des Impfkonzepts in einer Studie in den USA geprüft. Bis allerdings die Hepatitis-C-Risikogruppen der homosexuellen Männer oder Drogenabhängigen einen Impfstoff zur Verfügung hätten, werde es noch dauern. Die weitere Entwicklung sei auch abhängig von finanziellen und kommerziellen Interessen an einem solchen Impfstoff. Gerade in der dritten Welt, wo Hepatitis ein noch grösseres Problem ist, wäre man froh darum.