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CD-Tipp:
Er lässt Bach sprühen und rocken

Friedrich Gulda war ein ganz hervorragender Bach-Spieler. Das beweisen neue historische Aufnahmen. Der exzentrische Pianist hat sich dafür vor fast vierzig Jahren nicht an den Flügel, sondern ans Clavichord gesetzt.
Martin Preisser
Friedrich Gulda (1930 – 2000): Seine Musik klingt auch heute taufrisch. (Bild: EPA)

Friedrich Gulda (1930 – 2000): Seine Musik klingt auch heute taufrisch. (Bild: EPA)

Er hat sein Glück auch im Jazz versucht. Aber wirklich geliebt hat man Friedrich Gulda wegen seines Beethoven-Spiels und wegen seiner Mozart-Interpretationen. Glasklarer Anschlag, perfekter Überblick, ein unheimlich bewusst gesteuerter Drive, ein traumwandlerischer Umgang mit musikalischer Energie: Es ist schwer die Faszination von Guldas Spiel in Worte zu fassen.

Besser man hört in eine CD-Neuerscheinung hinein, die private Aufnahmen von Guldas Spiel nicht auf dem Flügel, sondern auf dem Clavichord präsentiert. Mit Werken von Johann Sebastian Bach. Gulda war immer neugierig, hat experimentiert und Bach auch im Konzert auf dem Lieblingsinstrument des Barockmeisters präsentiert. Durch den Klang des Clavichords, einem Vorläufer des Klaviers, liess er sich auch für sein Klavierspiel inspirieren.

Die CD, für die Aufnahmen Guldas in einem aufwendigen Verfahren digitalisiert wurden, ist nicht so sehr geeignet, Bachs Musik ganz neu zu entdecken. Es ist eine CD für Kenner und Liebhaber, für solche, die Bach schon kennen, aber nicht Guldas Sicht. Der Clavichord-Klang ist, auch wegen der schlechten Qualität der Ausgangs-Tapes, gewöhnungsbedürftig. Aber das legt sich nach ein paar Takten, und man ist mitten drin in Guldas intimer Bach-Werkstatt.

Ohne Pedal und ohne moderne Klaviertechnik stürzt sich der österreichische Pianist, der gar nicht so lange vor seinem wirklichen Tod (im Jahr 2000) eine fingierte Todesanzeige in den Zeitungen aufgab, in die Bachsche Kontrapunktik ausgewählter Präludien und Fugen aus dem weniger bekannten zweiten Band des «Wohltemperierten Klaviers». Da ist alles scharf konturiert, extrem transparent, genau und fliessend frisch. So als könne man mit Guldas Clavichord-Spiel jetzt hinter das Geheimnis seines brillant-präzisen Klavierklangs kommen.

Wenn Bach wie moderner Free Jazz klingt

Unter Guldas Händen hört man dann die «Chromatische Fantasie und Fuge». Man versteht den Bau, die Architektur, aber auch die Freiheit dieser Musik. Plötzlich wähnt man sich im experimentellen Raum, ja in modernstem Free Jazz. Mit der neuen CD hat man eine Stunde Bach auf dem Clavichord mit einem begeistert Suchenden und Findenden: In der zweiten «Englischen Suite» lässt es Friedrich Gulda richtig sprühen und rocken. Nichts von braven barocken Tänzen, sondern Energie pur.

Wer Bach liebt und eine neue, die energetische, jazzige Seite entdecken will, dem sei diese CD ans Herz gelegt. Es ist kein Tonträger zum behaglichen Zurücklehnen, sondern ein Hörabenteuer. Und die Bach Mono Tapes zeigen, was Gulda an seinen eigenen Jazzambitionen gereizt haben mag: Es ist der Drive, die Freiheit, die er bei Bach entdeckt hat und die wir vor allem mit seinem Beethoven- und Mozart-Spiel immer wieder verbinden werden.

Hinweis

CD: Bach - Gulda - Clavichord: The Mono Tapes; Berlin Classics 0301063 BC

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