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Neue CD der St.Galler Bach-Stiftung:
Immer wieder dieses «ängstliche Vergnügen»

Der St.Galler Dirigent Rudolf Lutz legt eine eindrucksvoll ausbalancierte Aufnahme von Bachs «Johannespassion» vor, auch als Frucht seiner immenser Erfahrung.
Martin Preisser
Bach-Dirigent Rudolf Lutz. Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 7. 8. 2014)

Bach-Dirigent Rudolf Lutz. Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 7. 8. 2014)

Zwischen heilstiftendem Drama und komponierter Herzensprüfung bewege sich die Johannespassion, schreibt der Musikwissenschafter Anselm Hartinger. Gelingt es, diese Polarität interpretatorisch wirklich genau und durchgängig auszuloten, dann bekommt man eine neue Aufnahme dieses Werks, das einen in jeder der vierzig Nummern packt, aufrüttelt, mitnimmt.

Flüssig, unmittelbar, mit feinen Farben, plastisch, aber stets elegant steigt Dirigent Rudolf Lutz in diese Passion ein. Seit 1977 kennt er sie. Und seit vielen Jahren dirigiert er in Trogen jeden Monat eine Bach-Kantate auf höchstem Niveau: Das ist ein Erfahrungsschatz, den er für seine Interpretation der Johannespassion ausgiebig nutzt. Das zweistündige Werk hat keinerlei erzählerische Längen, es strömt nur so von organischer Attitüde.

Lutz findet stets die Balance zwischen kühnen Aufschwüngen und lyrischer Natürlichkeit. Eher narrativ, mit intimer Dramatik geht Bach bis zur Kreuzigung Christi. Dann folgt (in dieser Aufnahme) der vielleicht schönste Teil. Hier gibt es keine Handlung mehr, hier ist alles spirituelle Reflexion. Und die lotet Rudolf Lutz ungemein intensiv aus, die Musik bekommt hier einen im wahrsten Sinne des Wortes erhebenden Charakter.

Zwischen Aufschwung und Demut

Für den Dirigenten der St. Galler Bach-Stiftung ist Bach nie nur Musiker, sondern immer auch Theologe. Diese Verknüpfung kommt auf der neuen CD, die in Koproduktion mit Radio SRF2 Kultur entstanden ist, zur Geltung. Wunderbar hierbei der Schlusschor, wo die Stimmen nochmals zwischen freudig hoffnungsvollem Aufschwung und Demut angesichts der letzten Fragen changieren.

Den flüssigen roten Faden durch dieses Opus magnum garantiert vor allem auch ein überragender Evangelist. Selten hört man dieses erzählerische Element so lebendig, so nah, so Aufmerksamkeit erzeugend wie von Daniel Johannsen. Narrativ klar und doch immer von feinster Diktion. Aber auch in den anderen Partien kann sich dieser Bach auf exzellente Sänger verlassen: Alex Potter mit schwebendem Altus sowie die bravourösen Ariensänger Johannes Kaleschke und Matthias Helm. Peter Harvey singt den Jesus, kräftig und selbstbewusst. Ihm gelingen zusammen mit dem wunderbar sonoren Pilatus (wieder Matthias Helm) gerade im Dialog überraschend neue Akzente.

Arien, Chöre, Rezitative, das kommt in vielen Interpretationen doch oft nebeneinander, manchmal sogar etwas blockartig daher. Gerade hier liegt eine der ganz grossen Stärken dieser Aufnahme, dass sie die verschiedenen Elemente und Stimmungen ohne Brechungen oder Einschnitte verzahnt, eben alles organisch aufbaut, so beispielhaft etwa schon in den Folgen ab den Nummern 8 oder 12 .

Julia Doyle benutzt ihren grossartigen Sopran, die Arie «Zerfliesse mein Herz» zur erschütternden Perle werden zu lassen. Freude und Trauer, Musik und Theologie, eben dieses «ängstliche Vergnügen», wie es das Arioso (Nr. 19) besingt: In diesem Feld bewegen sich auch Chor wie Orchester der St.Galler Bach-Stiftung traumwandlerisch. Eine exzellente CD!

Martin Preisser

Hinweis:

CD bei: bachstiftung.ch

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