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Immer mehr Galerien vor dem Aus

In St. Gallen schliesst eine Galerie nach der anderen. Eine Umfrage unter hiesigen Galeristen zeigt, dass diese Kunsträume eine wichtige kulturvermittelnde Funktion haben. Die Arbeit für die Kunst ist aber in den meisten Fällen rein idealistisch und kaum gewinnbringend.
Brigitte Schmid-Gugler/ martin Preisser
Festgefahrene Situation: Kunst von Hendrikje Kühne und Beat Klein (2010 in der Galerie Friebe). (Archivbild: Urs Bucher)

Festgefahrene Situation: Kunst von Hendrikje Kühne und Beat Klein (2010 in der Galerie Friebe). (Archivbild: Urs Bucher)

Die Galeristen, die ihre Kunsträume endgültig geschlossen haben oder schliessen müssen, sind teilweise recht frustriert und enttäuscht. Drei Jahre haben es Karin und Walter Friebe an der Unterstrasse mit qualitativ anspruchsvoller Kunst in St. Gallen versucht. Der fehlende Zuspruch, die mangelnde Neugier haben sie zum Aufgeben gezwungen.

Alexandra Oestvold (Galerie Werkart an der Teufener Strasse) denkt nach einer Pause jetzt ans definitive Aufhören. «Alle brauchen Bestätigung», sagt sie, «und die habe ich zu wenig erhalten. St. Gallen ist ein steiniger Boden.» Sie gehört zu den (seltenen) Galeristinnen, die eine staatliche Unterstützung der Galeriearbeit fordern. Seit 2008 habe Oestvold auch die Wirtschaftskrise gespürt.

Anders sieht die Situation für Martin Jedlitschka aus, der Ende Oktober die Pforten seiner Galerie Tartar an der Hinteren Poststrasse schloss. Nach zwei Jahren Vermittlertätigkeit zieht er zurück nach Zürich an seinen alten Standort an der Seefeldstrasse. Die Liegenschaft, in der sich seine Zürcher Galerie befand, musste einem Neubau weichen. Nun stellt ihm die Stiftung dort wieder ideale Räume zur Verfügung. Seine erste Ausstellung richtet er für den Ostschweizer Künstler Mark Staff Brandl aus. St. Gallen verlasse er mit einem lachenden und einem weinenden Auge, sagt Jedlitschka. Er sei nicht frustriert, obwohl er sich, was den Ostschweizer Standort betreffe, mehr interessierte Laufkundschaft und mehr Publikum aus dem weiträumigen Einzugsgebiet erhofft habe. Er habe aber viele Kontakte geknüpft. Die «kurzen Wege» in einer Kleinstadt hätten den Vorteil, dass ohne grosse Umstände mit Ämtern und Kulturinstitutionen verhandelt werden könne. Es sei hier alles viel persönlicher als in Zürich. Für ihn bleibe die Ostschweiz ein «interessantes Pflaster», was die Kunstszene betreffe. «Es entstehen neue Zonen, die künftig durchaus auch für Galerien spannend sein könnten.»

Gerade die zerklüftete Situation der städtischen Galerien bezeichnet Paul Hafner als einen der schwierigsten Punkte. Früher, als es in der Etage im Lagerhaus, wo sich seine Galerie befindet, gleich noch eine zweite gab (erst die von Susanna Kulli, dann von Christian Röllin), sei das Publikum zahlreicher erschienen. An Vernissagen komme praktisch nur noch, wer die jeweiligen Kunstschaffenden kenne. Es gebe in einer Stadt von der Grösse St. Gallens einfach zu wenig kunstinteressierte Menschen. Wirtschaftlich gesehen sei es «ganz schwierig» für ihn, seine Räume zu halten, zumal kommerziell ausgerichtete Kunstvermittlung von der öffentlichen Hand keine Unterstützung erhalte – egal, ob Bilder verkauft werden können oder nicht und obwohl Galerien oft eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Sammlern und Museen hätten.

Sehr frisch und innovativ sind die Auftritte der Guerilla Galerie mit einem festen Standort an der Jägerstrasse. Die beiden Kunstvermittlerinnen Nadia Veronese und Kathrin Dörig hatten das Glück, kurz nach dem Start für ihren unkonventionellen Stil belohnt zu werden. Sie wurden von der Stadt mit einem Förderungspreis geehrt. Wer von der Vermittlertätigkeit leben müsse, für den sei die Situation hier aussichtslos, findet Margrit Oertli. Ihre Galerie (am Mühlensteg) sei Herzenssache; sie stelle Künstler aus, von denen sie denke, sie hätten es wieder einmal verdient, und nicht, weil sie mit dem Verkauf von Bildern das grosse Geschäft erhoffe.

Dorothee Haarer, die im Auftrag des Migros-Kulturprozent den Ausstellungsraum im Bahnhof kuratiert, muss befürchten, dass dieser kommendes Jahr geschlossen wird. Sie bedauert «das untergehende Schiff», welches mit seinem niederschwelligen Angebot Menschen zu Kunst hinführe, die sonst kaum Zugang hätten.

Eine Galerie betreiben ist in St. Gallen an keinem Standort ein lukratives Geschäft. Sie bedeutet vorwiegend ideellen und ehrenamtlichen Einsatz und ist im besten Falle selbsttragend. Auch für Christian Röllin an der Talhofstrasse. Er engagiert sich seit zehn Jahren für seine Künstler und weiss, dass seine Arbeit mit «erheblichem wirtschaftlichem Risiko» verbunden ist. Der Wurm sei in der St. Galler Galerieszene aber nicht drin, sagt Röllin, der Wettbewerb sei einfach schärfer geworden. Er unterstreicht, wie wichtig die Unterscheidung von wirklicher Galeriearbeit und kommerziell ausgerichtetem Kunsthandel sei. Galerien seien unverzichtbarer Teil der kulturellen Infrastruktur, eine wichtige Schlüsselstelle zwischen Kunst und Öffentlichkeit. «Galerien sollten auch vermehrt Partner der staatlichen Kultur werden», wünscht er sich.

Francesco Bonanno kennt das Galeriensterben in St. Gallen. Der Macelleria d'Arte-Inhaber unterstreicht die Vermutung, dass St. Galler ihre Kunst vor allem in Zürich einkauften. 25 Jahre ist er im Geschäft, heute an exklusiver Lage am Roten Platz. Das funktioniert nur durch seinen Club «Amici d'Arte». Rund dreissig Mitglieder finanzieren seine Galerie mit und bekommen dafür immer wieder spezielle Kunst und Kunstevents. «Es ist ein Geben und Nehmen», sagt Bonanno. Gewinn werfe die Macelleria nicht ab. Der Bedarf für Kunst aus Galerien sei ja eigentlich da, findet der gebürtige Sizilianer und verweist auf den Bauboom in der Stadt und die vielen neuen Räume, die mit Kunst bespielt werden könnten.

Eveline Florian war viele Jahre Präsidentin der Galerie vor der Klostermauer. Auch hier ist die Zukunft unsicher. Der Vorstand ist auf der Suche nach neuen Konzepten und neuen Leuten, die sich in dieser als Verein organisierten Galerie engagieren wollen.

In St. Gallen fehle der Schwung und die Dynamik, die etwa in Zürich spürbar seien. Laut denkt Eveline Florian darüber nach, ob die traditionelle Galerie in einem Umfeld wie St. Gallen nicht ein Auslaufmodell sei. «Wir müssen vielleicht über neue, innovative Formen der Kunstvermittlung nachdenken, mit interessanten, anders gearteten Plattformen für die Präsentation von Kunst.»

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