Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Immer das Ziel vor Augen: Annina Euling gewinnt an Solothurner Filmtagen Darstellerpreis

Für ihre Rolle im Drama «Wegrennen geht nicht» erhält die 27-jährige Schauspielerin Annina Euling den Schweizer Fernsehfilmpreis. Nun blickt sie zuversichtlich für ihre Karriere nach Deutschland.
Lory Roebuck
Im Spielfilm «Weglaufen geht nicht» verkörpert Annina Euling eine junge Frau, die nach einem Unfall gelähmt ist. (Bild: Pascal Mora/SRF)

Im Spielfilm «Weglaufen geht nicht» verkörpert Annina Euling eine junge Frau, die nach einem Unfall gelähmt ist. (Bild: Pascal Mora/SRF)

Wer ist so verrückt und geht bereits um 9.15 Uhr ins Kino? Nun, ziemlich viele an diesem Samstagmorgen in Solothurn. Auf dem Programm steht der Fernsehfilm «Weglaufen geht nicht», der im Landhaus gezeigt wird. «Ich war überrascht, wie voll der Saal war», sagt Annina Euling, die Hauptdarstellerin des Films, später beim Interview. Wir sind nicht überrascht. Schliesslich ist die 27-jährige Solothurnerin an den Filmtagen eine Lokalmatadorin. Und für ihren aufsehenerregenden Filmauftritt als querschnittsgelähmte Rollstuhlsportlerin wird sie hier auch gleich noch mit dem Schweizer Fernsehfilmpreis 2019 ausgezeichnet.

Schauspiel in die Wiege gelegt

«Der Preis bedeutet mir sehr viel, weil die Rolle in ‹Weglaufen geht nicht› eine grosse schauspielerische Herausforderung war und weil mir das Thema des Films sehr am Herzen liegt», sagt Annina Euling. Und dass sie ihn an den Filmtagen erhält, die sie seit ihrer Kindheit besucht, «macht ihn doppelt so schön». Die Schauspielerei wurde Annina Euling quasi in die Wiege gelegt. Ihre Mutter ist die Schweizer Schauspielerin und Regisseurin Barbara Grimm, bekannt aus Kinofilmen wie «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» Annina Euling sagt: «Ich fand es als Kind cool, wie sich mein Mami immer verwandelt hat. Sie konnte sein, wer sie wollte. Das hat auf mich abgefärbt, ich wollte das auch.»

Schon mit fünf Jahren auf der Bühne

Eigene Geschichten schrieb Annina Euling schon mit fünf Jahren. Mit den Nachbarskindern führte sie diese dann auf. Im selben Alter stand sie auch zum ersten Mal auf der Theaterbühne. Und mit 13 folgte ihre erste Filmrolle, im Fernsehfilm «Schönes Wochenende» von Petra Volpe. Inzwischen hat Euling in über einem Dutzend Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. «Schauspielerei ist für mich etwas ganz Natürliches», sagt sie, «wenn ich vor der Kamera stehe, dann bin ich in meinem Element.» Kamen auf diesem vorgezeichneten Weg nie Zweifel auf? «Doch», sagt Euling, «als ich in der Schauspielschule anfing, wusste ich zunächst nicht, worauf ich mich eingelassen hatte. Ich musste lernen, über meinen Schatten zu springen und eine gewisse Scham zuzulassen. Das war sehr tough, nach dem ersten halben Jahr wollte ich aufgeben.» Ihre Mutter habe sie aber ermutigt, weiterzumachen. «Sie sagte mir: Vielleicht musst du da einfach durch.» Euling nahm sich den Ratschlag zu Herzen und ging nach den Semesterferien zurück in den Unterricht. Und prompt war alles anders, besser, der Schalter war umgelegt. «Ich konnte mich besser einfinden, weil ich jetzt die nötige Bereitschaft dazu hatte», sagt sie.

Enorme emotionale Spannbreite

Ähnliches macht ihre Filmfigur in «Weglaufen geht nicht» durch, aber vor einem weitaus tragischeren Hintergrund: Die sportliche Elodie ist nach einem Autounfall hüftabwärts gelähmt. Erst als sie mit der Teilnahme an Rollstuhlsportwettkämpfen ein neues Ziel vor Augen hat, fasst sie neuen Lebensmut. «Rückschläge einstecken, Ziel im Auge behalten und wieder aufrappeln» heisst ihr Motto im Film. Euling hat sich akribisch auf die schwierige Rolle vorbereitet. «Ich konnte viele sehr offene Gespräche mit Menschen im Schweizer Paraplegikerzentrum Nottwil führen und habe mir ausführliche Notizen gemacht.» Doch sobald die Kamera lief, versetzte sich die Darstellerin ganz in ihre Filmfigur hinein. «Ich bin eigentlich keine Schauspielerin, die auf Knopfdruck weinen kann. Doch im Krankenhausbett kamen die Emotionen von alleine.»

Sie hat sich fest vorgenommen, im deutschen Film Fuss zu fassen

Annina Euling spielt die Spannbreite zwischen purer Verzweiflung und eiserner Zielstrebigkeit mit einer inneren Kraft und Würde, die sie für höhere Aufgaben empfiehlt. Ihr Kinofilm «Der Läufer» lief seit vergangenen Herbst an mehreren internationalen Festivals. Und der Fernsehfilmpreis in Solothurn verleiht der Schauspielerin nun zusätzlich Aufmerksamkeit. «Ich freue mich darüber und hoffe, auf dieser Welle noch ein bisschen weitersurfen zu können», sagt sie. Ihr nächster Filmauftritt ist noch offen. Doch Euling, die bei einer deutschen Schauspielagentur unter Vertrag steht, hat sich vorgenommen, nun auch im deutschen Film Fuss zu fassen. Das Talent dazu hat sie.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.