Im Thurgau

LESBAR SCHWEIZ

Beda Hanimann
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Bild: Beda Hanimann

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LESBAR SCHWEIZ

Die Entstehung des Begriffs Mostindien ist genau datierbar. Er wurde dem Thurgau 1853 vom humoristischen Wochenblatt «Postheiri» verpasst. Der Obstanbau aber reicht viel weiter zurück. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Johannes Stumpf in seiner Schweizer Chronik Most als typisches Produkt der Region bezeichnet – die als reicher Landstrich mit wunderschönen Frauen dargestellt wird (wobei damals auch Appenzell, die Städte Winterthur und St. Gallen sowie die Grafschaften Toggenburg und Kyburg zum Thurgau gezählt wurden, einen Kanton dieses Namens gab es ja noch nicht). Die Reminiszenz findet sich im zweiten Band einer vom Kanton herausgegebenen Reihe über den Thurgau im Spätmittelalter. In grosser Detailtreue und historischer Präzision geht das Autorenteam den Machtspielen in der im 15. Jahrhundert stark umkämpften Region nach. Viel Raum wird aber auch dem Alltagsleben und der Entwicklung von Landwirtschaft, Wirtschaft und Handel gegeben. So entsteht ein schillerndes, lebensnahes Bild einer Region, reich illustriert und in einer lobenswert eingängigen Sprache geschrieben.

Silvia Volkart (Hrsg.): Vom Bodensee nach Bischofszell, Verlag NZZ 2015, 259 S., Fr. 42.90

Im Hölloch

Wer als Erster das Höhlensystem des Höllochs im Muotatal erkundet hat, ist nicht bekannt. Der Legende nach hat der Geissbub Alois Ulrich 1875 bemerkt, dass aus der Höllschlucht zeitweise sehr grosse Wassermassen flossen, die Schlucht selber aber überwiegend trocken war. Ulrich ging dem Phänomen nach und entdeckte den Eingang zu einem Höhlensystem, das mit 200 Kilometern Länge als eines der grössten der Welt gilt. Die systematische Erforschung begann zu Ende des 19. Jahrhunderts. Der Erkundung der verborgenen Welt geht ein Buch nach, bis zur Gegenwart – in der noch immer nicht alle Rätsel gelöst sind. Doch Textbeiträge, Zeitungsausschnitte sowie historische und aktuelle Schwarzweissfotos bringen viel Licht ins Dunkel. Ein Anhang mit Publikationshinweisen, Höhlenplan und einem ausführlichen Glossar schliesst das attraktive Buch ab.

Kaj Lehmann, Angela Meier (Hrsg.): Im Hölloch, Hier und jetzt 2015, 268 S., Fr. 72.–

Bild: Beda Hanimann

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