Im St.Galler Kunstraum Nextex gibt es ein paar letzte Drinks in der Bar zur toten Katze

Die St.Galler Künstler Barbara Signer und Michael Bodenmann haben die Bar «El Gato Muerto» eingerichtet – ein Gesamtkunstwerk auf Zeit.

Christina Genova
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Michael Bodenmann und Barbara Signer in der temporären Bar El Gato Muerto.

Michael Bodenmann und Barbara Signer in der temporären Bar El Gato Muerto.

(Bild: Ralph Ribi)

«El Gato Muerto» – die tote Katze. So heisst die Bar, die Barbara Signer und Michael Bodenmann im St.Galler Kunstraum Nextex eingerichtet haben. Der fensterlose, kleine Raum ist bestens ausgestattet mit Alkoholika und gleichzeitig ein Gesamtkunstwerk, vollgestopft mit Souvenirs und Kunst.

Kaum vorstellbar, dass der urgemütliche Ort nur während der Dauer der Ausstellung existiert: Er wirkt so, als sei er schon immer da gewesen. Doch sind seine Tage ebenso gezählt wie jene des ganzen Kulturkonsulats, wo sich der Nextex befindet. Bis Ende Juni muss das zwischengenutzte Gebäude geräumt werden.

In der Bar «El Gato Muerto» haben Barbara Signer und Michael Bodenmann allerhand Souvenirs und Erinnerungsstücke zusammengetragen. Viele davon stammen aus Japan.

In der Bar «El Gato Muerto» haben Barbara Signer und Michael Bodenmann allerhand Souvenirs und Erinnerungsstücke zusammengetragen. Viele davon stammen aus Japan.

(Bild: Ralph Ribi)

Die Bar «El Gato Muerto» bringt die Stimmung kurz vor dem Auszug perfekt auf den Punkt: Sie schwankt zwischen Nostalgie, der Melancholie des Abschieds und der Lust, nochmals so richtig zu feiern, bevor es zu Ende geht. Der Name «El Gato Muerto» stand über einem leerstehenden Ladenlokal in Buenos Aires geschrieben. Michael Bodenmann übernahm das Logo und fertigte daraus eine Leuchttafel. Sie prangt nun als Wahrzeichen über der Bar.

Vier farbige Leuchtkästen von Bodenmann gibt es auch im grossen Ausstellungsraum, wo im Gegensatz zur Fülle der Bar die Werke nur sparsam gesetzt sind. Auf den Leuchtkästen sind schemenhaft ein paar Souvenirs zu sehen, so flüchtig und trügerisch wie unsere Erinnerungen. Die Bar selbst ist eine Hommage an die zahlreichen kleinen Bars in Tokio, die für viele Japaner ein zweites Zuhause sind.

Sprung ins Ungewisse

Im grossen Ausstellungsraum sind Leuchtkästen von Michael Bodenmann und die treppenartige Skulptur «Towards the Unknown» von Barbara Signer zu sehen.

Im grossen Ausstellungsraum sind Leuchtkästen von Michael Bodenmann und die treppenartige Skulptur «Towards the Unknown» von Barbara Signer zu sehen.

(Bild: Ralph Ribi)

Diese werden meist von älteren Frauen geführt, sogenannten Mamasan, die für alle ein offenes Ohr haben: «Viele Japaner sind einsam und allein,» sagt Barbara Signer. Die 37-jährige gebürtige St.Gallerin kennt die japanischen Verhältnisse: Mit 17 Jahren verbrachte sie ein Austauschjahr in Japan. Seither spricht sie fliessend Japanisch und kehrt immer wieder dorthin zurück, auch mit Michael Bodenmann, mit welchem sie eine langjährige Beziehung führte.

In der Bar finden sich zahlreiche Erinnerungsstücke, die sie auf gemeinsamen Reisen zusammengetragen haben. Zu jedem Objekt in der Bar liesse sich eine Geschichte erzählen: Es gibt Fotos von japanischen Geisterhäusern, die Signer und Bodenmann für ein Kunstprojekt aufsuchten. Und Michael Bodenmann gibt Einblick in seine Sammlung japanischer Zigarettenschachteln mit so klingenden Namen wie «Hope» oder «Highlight». Passend dazu hängt das Filmplakat von «Smoke» an der Wand.

Von «Hope» bis «Highlight»: Michael Bodenmanns Sammlung an japanischen Zigarettenschachteln.

Von «Hope» bis «Highlight»: Michael Bodenmanns Sammlung an japanischen Zigarettenschachteln.

(Bild: Ralph Ribi)

Die Ausstellung mit dem Titel «Work Life Balance» schaut aber nicht nur zurück, sondern wagt auch einen Blick ins Ungewisse. Dafür steht Barbara Signers treppenartige Skulptur «Towards the Unknown»: «Springt man, oder springt man nicht? Vor dieser Situation stehen wir häufig als Kunstschaffende.»

Bis 2.4., Frongartenstrasse 9, St.Gallen. Der Kunstraum bleibt vorläufig trotz Corona offen.