Im Spot von «Nordklang»

Das «Spot»-Festival im dänischen Århus ist eine wichtige Adresse für das «Nordklang»-Festival. Innert drei Tagen sind 130 skandinavische Bands und Musiker zu erleben. Einige davon werden vielleicht mal in St. Gallen zu hören sein.

Andreas Stock
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Eröffnungskonzert mit Slaraffenklang im grossen Konzertsaal.

Eröffnungskonzert mit Slaraffenklang im grossen Konzertsaal.

st. gallen/Århus. Wie kommt das «Nordklang»-Festival zu seiner Musik? Seit fünf Jahren präsentiert es im Februar interessante neue Musik aus Skandinavien. Das bedingt freilich, solche Entdeckungen selber erst zu machen – und zwar bevor die Bands international bekanntgeworden sind, und das kleine St. Galler Festival für sie kaum mehr in Frage kommt.

Für die «Nordklang»-Crew bedeutet das, neue skandinavische Musik zu hören, Kontakte mit Vertrieben und Agenturen zu unterhalten sowie das eine oder andere Festival zu besuchen. Dem «Spot»-Festival in Århus kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

1000 Band-Bewerbungen

Ende Mai hat das 17. «Spot» stattgefunden. Århus, die zweitgrösste Stadt Dänemarks, ist während drei Tagen das Zentrum skandinavischer Musik.

Doch «Spot» ist kein gewöhnliches Festival; 16 unterschiedlich grosse Musikbühnen finden sich innert kurzer Fusswege verteilt in der Stadt, und zu hören sind «Showcase»-Konzerte. Kurzprogramme von jeweils 30 bis 50 Minuten, mit denen sich die Bands präsentieren können.

Zwischen ein Uhr mittags und ein Uhr nachts bietet das Clubfestival einen vielfältigen Einblick in das aktuelle Musikschaffen im hohen Norden, von Rock, Pop, Jazz, Folk und Hip-Hop bis zu Elektro.

130 Bands traten dieses Jahr am «Spot»-Festival auf – gut 100 davon waren erstmals in Århus dabei. Und einige waren bereits am «Nordklang»-Festival zu hören, wie Cody oder Surf in Stereo. Die 130 Musikformationen wurden von einer internationalen Jury aus rund 1000 Bewerbungen ausgewählt, wie der Musikjournalist und Presseverantwortliche des «Spot», Henrik Friis, erzählt.

Diese grosse Zahl an Bands unterstreicht, wie lebendig und kreativ sich die skandinavische Szene präsentiert.

Charmant, überschaubar

International besetzt ist die Auswahljury, weil sich das Festival als Tür zur Musikwelt versteht: Junge, qualitativ gute Bands sollen hier eine Plattform haben, um sich bei Labels und Konzertveranstaltern über Skandinavien hinaus empfehlen zu können.

«Nordklang» ist eines von mehreren Festivals, die diese Bühne beobachten; über 330 Profis der Musikbranche und Medienvertreter waren dieses Jahr akkreditiert, sagt Henrik Friis; das seien 80 mehr als im Jahr zuvor.

«Spot» habe allerdings keine Ambitionen, grösser zu werden, betont Friis. «Das würde viel verändern, was wir nicht wollen.» «Spot» präsentiert sich denn auch trotz der vielen Bands als überschaubares, familiäres Festival.

Und obwohl es ein Branchentreffen darstellt, ist es eben auch ein Publikumsfestival, wie die vielen jugendlichen Besucher beweisen.

Zum charmanten, angenehmen Charakter gehört übrigens, dass es keine reservierten VIP-Bereiche in den Konzertsälen gibt und das Festival nicht von aufdringlichen Sponsoren- und Marketingauftritten aller Art begleitet wird.

Das hat wohl damit zu tun, das hinter «Spot» die staatlich geförderten Organisationen «Rosa» und «Music Export Denmark» stehen (siehe Kasten).

Kein Vereinsausflug

Wenn «Nordklang»-Präsident Felix van den Berg – und wie dieses Jahr die Vorstandsmitglieder Daniela Schmid, Tobias Bolzern und Harry Preis – nach Århus reisen, dann wird das nicht ein «Vereinsausflug»: Jeder reist und plant sein «Spot» individuell und auf eigene Kosten.

Alle bezeichnen sie es aber als eine attraktive Möglichkeit, nordische Musik zu entdecken und Kontakte zu pflegen.

Daniela Schmid, die gute Beziehungen nach Island und zu den Färöer Inseln pflegt, hat in Århus einige Freunde und Bekannte getroffen. Und sie hat sich am «Spot» wie Tobias Bolzern den Auftritt von Pål Moddi Knutsen angehört.

Der begeisterte letzten Februar zwar im Pfalzkeller, doch während «Nordklang» hatten sie andere Verpflichtungen und keine Gelegenheit, Moddi zu erleben.

Wie für Daniela Schmid war es für Felix van den Berg bereits das fünfte «Spot»; dreimal war Tobias Bolzern bislang in Århus. Van den Berg hat die drei Tage in Dänemark ebenfalls genutzt, um diverse Gespräche zu führen und Leute kennenzulernen, mit denen er telefonisch und per Mail zu tun hat.

Als ihm Moddi Knutsen und Annika Aekjaer über den Weg laufen, wird er sehr herzlich begrüsst; beide erinnern sich gerne an ihre Auftritte in St. Gallen.

Nächstes in Reykjavik

Für die «Spot»-erfahrenen St. Galler war das 17. Festival musikalisch zwar nicht das beste Jahr. Dennoch haben sie interessante Bands gehört.

Auf der langen Liste mit Bands, die man gerne mal am «Nordklang» haben möchte oder deren Entwicklung man verfolgen wird, sind einige Namen dazugekommen.

Tobias Bolzern, der am «Spot» ebenfalls die speziellen Lokalitäten und den entspannten Charme des Festivals schätzt, hat demnächst Gelegenheit, die Liste allenfalls um weitere Entdeckungen zu ergänzen. Er wird Mitte Oktober noch ans Festival «Iceland Airwaves» nach Reykjavik reisen.

Während fünf Tagen sind dort neben einigen internationalen Bands auch sage und schreibe 150 isländische Musikgruppen zu hören. Wie «Spot» sei es ein charmantes, attraktives Clubfestival.

Inspirierende Workshops

Für «Nordklang»-Initiant Felix van den Berg war am «Spot» einmal mehr die Veranstaltung der «Nordic Co-Writers» ein Höhepunkt – ein Musikprojekt im übrigen, das er in einer angepassten Form gerne für St. Gallen adaptieren würde.

Eine Woche vor Beginn des Festivals ziehen sich jeweils einige junge, vielversprechende Musikerinnen und Musiker mit erfahrenen Singer-Songwritern zurück, um mit deren Unterstützung Songs zu erarbeiten. Das Resultat des Workshops wird jeweils mit einem Konzert präsentiert. Was die fünf Gastmusiker aus Austin/Texas mit den sieben jungen nordischen Talenten dieses Jahr präsentierten, war teils wirklich ein Ereignis.

Vorbereitungen 2011 in Gang

Vom Workshop-Konzert hat sich der «Nordklang»-Präsident zwei, drei Namen notiert, darunter jenen der isländischen Sängerin Lara Runarsdottir. Falls sie einem Produzenten oder Musiklabel ebenfalls aufgefallen ist, wird man ihrem Namen vielleicht mal im Program eines «Nordklang»-Festivals begegnen. So hatte van den Berg vor ein paar Jahren auch Pål Moddi Knutsen entdeckt.

Die Vorbereitungen für das fünfte «Nordklang» vom 19. Februar 2011 sind im übrigen bereits in vollem Gang. Unter anderem wird im Hintergrund an einem neuen Internetauftritt gearbeitet. Und auch ein Viertel der Bands stehe bereits fest, verrät Tobias Bolzern.

«Musikhuset»: Im Festivalcenter befinden sich drei Konzertsäle.

«Musikhuset»: Im Festivalcenter befinden sich drei Konzertsäle.

Wohin als nächstes? Das Programm ist dicht und vielfältig.

Wohin als nächstes? Das Programm ist dicht und vielfältig.

Flusspromenade von Århus, gesäumt von Strassencafés. (Bilder: Andreas Stock)

Flusspromenade von Århus, gesäumt von Strassencafés. (Bilder: Andreas Stock)

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