Im Spannungsfeld von Therapie und Kunst

WARTH. «Kunst oder was?» – Der Titel der neuen Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau bezieht sich auf eine riesige Bilderwelt, die noch nie gezeigt worden ist. Entstanden ist sie nicht in Künstlerateliers, sondern in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen.

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Farbexplosion, 1997. (Bild: pd/Mirjam Wanner)

Farbexplosion, 1997. (Bild: pd/Mirjam Wanner)

WARTH. «Kunst oder was?» – Der Titel der neuen Ausstellung im Kunstmuseum Thurgau bezieht sich auf eine riesige Bilderwelt, die noch nie gezeigt worden ist. Entstanden ist sie nicht in Künstlerateliers, sondern in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen.

Tausende von Zeichnungen, Bildern und Objekten liegen im Archivraum der Klinik. Die ältesten Arbeiten stammen aus der Kreuzlinger Privatklinik Bellevue, die 1980 geschlossen wurde. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der Werke und fragt, wo die Grenze zwischen Kunstwerk und therapeutischem Material liegt.

Was gemeinhin Kunsttherapie genannt wird, ist ein breites Feld verschiedener Möglichkeiten, bildnerische Mittel in Therapien einzusetzen, vom einfachen Malen und Zeichnen bis zur umfassenden Gestaltungstherapie mit Musik und Theater – stets mit dem Ziel, Menschen zu helfen.

Ist «art brut» Kunst?

Aussenstehende entdecken in diesen unkonventionellen Bildfindungen oft besondere Ursprünglichkeit und Direktheit. Der Künstler Jean Dubuffet radikalisierte die Vorstellung so weit, dass er meinte, dass nur in den psychiatrischen Kliniken überhaupt noch echte Kunst entstehen könne: «art brut». Die Ausstellung «Kunst oder was?» fragt anhand der gezeigten Bilder und Objekte, ob die besondere Emotionalität, die Menschen in der Psychiatrie oft bestimmt, ausreicht, um aus einer Zeichnung ein Kunstwerk zu machen. Und sie zeigt, wie sich die Kunsttherapie seit den Zeiten der Klinik Bellevue entwickelt hat.

Das Kunstmuseum Thurgau ist mit seiner Sammlung von Werken von Adolf Dietrich, André Bauchant, Josef Wittlich oder Hans Krüsi europaweit ein wichtiges Kompetenzzentrum für Aussenseiterkunst. (dl)

Vernissage: So, 13.9., 11.30 Uhr, Kartause Ittingen; bis 16.5.2016