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Im Sog der grossen Gefühle

Mit einem reinen Verdi-Programm präsentierten sich die Sopranistin Diana Damrau und der Bassbariton Nicolas Testé im KKL – eine Operngala, die ans Herz der Zuhörer ging.
Stefan Degen
Gelöste Stimmung beim Schlussapplaus: die Sopranistin Diana Damrau und ihr Ehemann, der Bassbariton Nicolas Testé; rechts Ivan Repušiċ, der Dirigent des Münchner Rundfunkorchesters. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 10. Juni 2018))

Gelöste Stimmung beim Schlussapplaus: die Sopranistin Diana Damrau und ihr Ehemann, der Bassbariton Nicolas Testé; rechts Ivan Repušiċ, der Dirigent des Münchner Rundfunkorchesters. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 10. Juni 2018))

Giuseppe Verdi (1813–1901) ist noch immer der erklärte Liebling vieler Opernfreunde. Entsprechend gerne werden seine Werke im Theater gespielt oder auch konzertant aufgeführt. Für die Operngala vom Sonntagabend im KKL unter dem Titel «Verdissimo» wählten die Solisten selber die Stücke aus – angereichert mit Ouvertüren und Vorspielen aus weiteren Opern des Meisters. Das ergab ein Potpourri aus zehn Werken des Meisters.

Im Klassikbetrieb gibt es immer wieder Künstlerehepaare, die gemeinsame Auftritte lieben.

So auch im Fall von Diana Damrau und Nicolas Testé. Die deutsche Sopranistin und der französische Bassbariton bestritten die Operngala im Rahmen einer grösseren Tournee gemeinsam als gleichwertige Partner – zumindest gemessen an der Anzahl vorgetragener Arien.

Unglaubliche Palette an Farben

Diana Damrau stieg ins Konzert ein mit der Arie «Tu del mio Carlo al seno» aus der Oper «I Masnadieri» (nach Schillers «Räuber»). Die 47-jährige Sopranistin aus dem bayerisch-schwäbischen Günzburg besticht auf Anhieb mit schöner, runder Stimme und feinen Verzierungen der Gesangslinie. In der Cabaletta «Carlo vive?» ist die Freude der Figur in der Mimik der Sängerin kongruent abgebildet. Im anschliessenden Duett aus dem selben Werk harmonieren die beiden Stimmen vorzüglich.

Höhepunkt im ersten Programmteil ist die Arie der Violetta aus «La Traviata»(È strano! ... Ah fors’è lui»). Die Sopranistin gestaltet hier mit einer unglaublichen Palette an Farben und Ausdrucksmitteln. Sie lebt die Rolle – auch auf dem Konzertpodium – in allen Emotionen aus. Jeder einzelne Ton ist ausgeschaffen, immer eingebettet in eine grosse Linie mit reinem Legato. Kein Wunder, dass ihre Violetta weltweit immer wieder gefeiert wird.

Desdemona ein Versprechen für die Zukunft

Im zweiten Teil des Abends gestaltete Diana Damrau die grosse Szene der Desdemona aus «Otello», eine Partie, die sie auf der Bühne bisher noch nicht verkörpert hat, die sie aber für die Zukunft reizt, wie sie in einem Interview mit unserer Zeitung ausführte (Ausgabe vom 7. Juni). Die Sopranistin fesselte als Desdemona mit wunderbarer Phrasierungskunst, perfektem Singen auf dem Atem und dramatischen Akzenten (beim Forte-Ausbruch «Emilia, addìo!»). Das «Ave Maria» gelang ihr ebenso schlicht wie elegisch-schön. Das Publikum war zu Recht hellauf begeistert, die Szene ging zu Herzen.

Den Schlusspunkt unter das Konzert setzte das Duett Luisa – Wurm «Il padre tuo ... Tu puniscimi ... A brani» aus «Luisa Miller». Damraus Sopran strömt auch hier frei und rund, ohne jede Anstrengung, eindringlich sekundiert von ihrem «Bösewicht-Ehemann» als Wurm.

Nicolas Testé (Jahrgang 1970) trug den Abend zu gleichen Teilen mit wie seine Ehefrau. Sein Bassbariton tönt mitunter etwas monochrom, dennoch gelingt es dem Sänger, sich nachhaltig in Szene zu setzen. So als Fiesco («Il lacerato spirito» aus «Simon Boccanegra») und als Ferrando («Il Trovatore»). Besonders eindringlich gestaltete er Bancos Arie «Come dal ciel precipita» aus «Macbeth» und die grosse Szene des Filippo aus «Don Carlo». Nicolas Testé wirkte in den dargestellten Figuren leider etwas statisch – ganz im Gegensatz zu seiner Partnerin.

Orchester als solides Rückgrat

Das Rückgrat des Konzertes bildete das Münchner Rundfunkorchester unter der impulsiven Leitung von Ivan Repušić. Die einleitende Ouvertüre zu «Nabucco» erklang rhythmisch scharf akzentuiert, sehr laut, aber mit wenig Melos. Weitaus schöner später die Ouvertüren zu «Giovanna d’Arco» und «Luisa Miller». Fein ausziseliert auch das Vorspiel zum 3. Akt von «La Traviata». Die Begleitung der Solisten erwies sich insgesamt als sehr solid und einfühlsam.

Das Publikum im KKL zeigte sich mit Fortgang des Konzerts zunehmend begeisterungsfähig. Es gab zwei Standing Ovations. Die Solisten des Abends bedankten sich dafür mit zwei Zugaben. Nicolas Testé sang eine Arie des Massimiliano aus «I Masnadieri», Diana Damrau gab den bekannten Bolero «Mercè, dilette amiche» aus «I Vespri Siciliani» als hinreissendes «Schmankerl» zum Besten. Noch einmal wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer in den Sog grosser Gefühle gerissen, die diesen Verdissimo-Abend prägten.

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