Im Schatten des Todes

«Das Schicksal ist ein mieser Verräter» erzählt die Liebesgeschichte zweier todkranker Jugendlicher und läuft ab Donnerstag im Kino.

Kathrin Reimann
Merken
Drucken
Teilen
Gus (Ansel Elgort) und Hazel (Shailene Woodley) kommen sich näher. (Bild: pd)

Gus (Ansel Elgort) und Hazel (Shailene Woodley) kommen sich näher. (Bild: pd)

Hazel (Shailene Woodley) ist ein fast normaler Teenager. Die 16-Jährige sieht sich gerne Reality-Shows im Fernsehen an, liest Jugendbücher und träumt von der ersten grossen Liebe. Doch wenn Hazel in den Spiegel blickt, rückt sie sich nicht nur die Haare, sondern auch den Schlauch in ihrer Nase zurecht. Dieser sorgt dafür, dass Hazel atmen und leben kann. Seit drei Jahren leidet sie an Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in der zerfressenen Lunge. Ein neues Medikament hält sie am Leben.

Ein Film voller Metaphern

So besteht Hazels Alltag aus Fernsehen, Lesen und Unmengen an Medikamenten schlucken. Da sie keine Freunde hat, schicken sie ihre Eltern in eine Selbsthilfegruppe für Krebspatienten, die von einem schrägen und übermotivierten Typ mit Hodenkrebs geleitet wird. Erst sträubt sie sich gegen die Gruppenbesuche, als sie dort aber Augustus «Gus» Waters (Ansel Elgort) kennenlernt, ändert sich ihr Leben. Gus bezeichnet sich als Cyborg, da ihm wegen eines Knochentumors ein Bein amputiert werden musste. Die beiden kommen sich näher, doch er erstickt bereits den ersten Annäherungsversuch, indem er sich eine Zigarette in den Mund steckt. «Ist das dein Ernst? Findest du das cool? Oh Gott, du hast gerade alles kaputt gemacht», zetert sie. Doch Gus erwidert: «Sie bringen einen nur um, wenn man sie anzündet, aber ich habe noch nie eine angezündet. Es ist eine Metapher, verstehst du: Du steckst dir das tödliche Ding zwischen die Zähne, aber du gibst ihm nicht die Kraft, dich zu töten.» Eine Metapher, die Gus durch den Film begleitet.

Doch auch Hazel hält eine bereit, beschreibt sich als Granate «Irgendwann werde ich hochgehen und die Leute um mich herum verletzt zurücklassen.» Das hält Gus aber nicht davon ab, sich in sie zu verlieben. Er wird zu ihrem ständigen Begleiter. Genauso wie Hazels Krankheit, ihre Sauerstoffmaschine und ihr Lieblingsbuch «Ein herrschaftliches Leiden» des berühmten holländischen Autors Peter Van Houten. Die Protagonistin dieses Buchs leidet ebenfalls an einer schweren Krankheit, und weil das Buch abrupt mitten in einem Satz endete, wird Hazel bewusst, wie schnell das Leben enden kann. Fasziniert vom Roman und als grosser Van-Houten-Fan mit drängenden Fragen schreibt sie ihm mehrere Briefe, die aber unbeantwortet bleiben.

Einladung nach Amsterdam

Doch Gus macht das Unmögliche möglich: Mit Hilfe von Van Houtens Assistentin kontaktiert er den Schriftsteller (Willem Dafoe) und das junge Paar wird nach Amsterdam eingeladen, um den Schriftsteller zu treffen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen für zwei Schwerkranke. Doch Gus und Hazel begeben sich auf eine unvergessliche Reise, die zwar magisch ist, aber alles andere als nach Plan abläuft. Und auch nach Amsterdam ist die Reise der beiden längst nicht vorbei, nur verläuft sie nicht so, wie man es einem jungen Paar wünschen würde.

Berührende Achterbahnfahrt

Der Film «The Fault in Our Stars», wie er im Original heisst, von Regisseur Josh Boone basiert auf der vielfach ausgezeichneten Jugendliteratur-Vorlage des Autors John Green. Dessen Buch wiederum auf seiner Freundschaft mit einer jungen Krebskranken beruht. Der Film ist tiefgründig, berührend und trotzdem frech; strotzt vor markigen Sprüchen und tiefschwarzem Galgenhumor. Die Tragikomödie ist liebevoll gemacht, mit starken Bildern, witzigen visuellen Effekten, wie etwa den sichtbaren WhatsApp-Nachrichten, und einem starken Soundtrack, mit Ed Sheeran, Grouplove oder Tom Odell. 127 Minuten lang schaut man gebannt auf die Leinwand, fährt emotional Achterbahn, heult wie ein Schlosshund um dann wieder heftigst zu lachen, über die Aussagen nachzudenken und zu staunen. Ein Film, dessen Inhalt den Zuschauer auch nach Filmende begleitet, Hoffnung gibt, zum Nachdenken anregt und absolut sehenswert ist. Nicht nur für Jugendliche.

Ab Donnerstag im Kino.