Im Roulette-Business

Rückkehr Die schottische Band Travis meldet sich mit ihrem siebten Album «Where You Stand» zurück. Ganze fünf Jahre hatten sich die Musiker eine schöpferische Pause gegönnt.

Reinhold Hönle
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Travis: Drummer Neil Primose, Bassist Dougie Payne, Sänger Fran Healy und Gitarrist Andy Dunlop (von links). (Bild: Anna Isola Crolla)

Travis: Drummer Neil Primose, Bassist Dougie Payne, Sänger Fran Healy und Gitarrist Andy Dunlop (von links). (Bild: Anna Isola Crolla)

Fünf Jahre Pause ist lange, wie weit haben Sie sich von der Band von damals entfernt?

Fran Healy: Das sind Meilen. Heute sind wir fast wieder dort, wo wir vor 17 Jahren begannen. Damals sind wir mit grossen Ambitionen nach London gezogen. Dazwischen war es wie in einer Ehe: Wenn man sich zu jemand hingezogen fühlt und dauernd zusammen ist, beeinflusst man sich gegenseitig und nähert sich an.

Die meisten Künstler produzieren ihre Hits in der ersten Dekade ihrer Karriere. Haben Sie sich und anderen beweisen wollen, was eine «volljährige Band» noch kann?

Dougie Payne: Nein, wir spürten keinen Druck. Das Einzige, woran wir uns messen, ist die Qualität der Songs. Wobei diese nicht einfach zu beurteilen ist. Wenn dir ein Lied am nächsten Morgen immer noch im Kopf herumschwirrt, kannst du davon ausgehen, dass es gut ist. Wenn du dich an Zahlen orientierst, hast du schon längst verloren.

Weshalb verloren?

Payne: Das Musikbusiness funktioniert wie ein Roulette-Tisch. Alle stehen drum herum und jeder setzt Geld auf jemanden, aber nur wenige gewinnen. 1999 waren wir mit dem Album «The Man Who» unter den Gewinnern. Wir schrieben «anständige Lieder» und hatten Glück.

Wie viel von Ihrer Jugendfreundschaft hat den Erfolg überdauert?

Healy: In den Anfängen haben wir bis vier Uhr nachts geraucht, sind dann an den See gefahren und haben am Lagerfeuer gesessen. Wir waren die ganze Zeit zusammen, die Band war fast nebensächlich. Das hat sich geändert, heute prägt Respekt unser Verhältnis. Zugleich ist Travis meine zweite Familie.

Die Bandmitglieder leben inzwischen auf der ganzen Welt verstreut. War das kein Problem?

Healy: Nein, wir haben uns jeweils für eine Woche in London, Berlin und New York getroffen. Das Album haben wir dann während drei Wochen eingespielt.

Fran Healy, Sie leben mit Ihrer Frau seit fünf Jahren in Berlin. Wie steht es um Ihr Deutsch?

Healy: (mit schottischem Akzent) Mein Deutsch ist Scheisse! (Lacht und wechselt ins Englisch.) Da ich, anders als mein sechsjähriger Sohn, nicht in diese Kultur hinein geboren wurde, werde ich es wohl nie geniessen können, Deutsch zu sprechen.

Travis: «Where You Stand» (Red Telephone Box / Kobalt Label Services)