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Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg - Im Mercedes an die Front

In seinem Roman «Spanische Erde» lässt Autor Urs Hardegger vier junge Schweizer nach Spanien fahren, um gegen Franco zu kämpfen, der gegen die Republik putschte.
Christoph Bopp
Edi Gmür in der Uniform der Milizsoldaten. (Bild: Bundesarchiv Bern)

Edi Gmür in der Uniform der Milizsoldaten. (Bild: Bundesarchiv Bern)

«Wir wollten das Leben spüren, wollten Teil der grossen Geschichte werden, wollten uns dem Bösen in dieser Welt entgegensetzen.» Das lässt Urs Hardegger den damals 26-jährigen «Jak» Jakob Aeppli im Juli 1937 am Strand von Barcelona sagen. Bei ihm sind der Zürcher Gemüsehändler Edi Gmür (30) und Zita Gmür-Schulz (20). Sie haben im Juni 1937 in Spanien zivilrechtlich geheiratet. Gmür hat zwar in Zürich eine Frau und einen Sohn, aber die Beziehung zu Zita dauert schon länger.

Keine Illusionen mehr - Wer den Krieg gewinnt, ist absehbar

Alle drei sind desillusioniert. Der Spanische Bürgerkrieg tobt nun schon ein gutes Jahr, und es ist absehbar, wer ihn gewinnen wird. Auch wenn Francos Truppen einen schnellen Sieg gar nicht anstreben und die republikanischen Kräfte sich immer besser wehren. Für die schlechte Stimmung ist vor allem die Uneinigkeit auf der republikanischen Seite verantwortlich. Gemässigte Republikaner, Sozialdemokraten und Sozialisten, linke Anarchisten und Kommunisten haben ausser einem ausgeprägten Antifaschismus nicht viel gemeinsam. Der war immerhin stark genug, um den Krieg bis 1939 zu verlängern. Mit unglaublichen Gräueltaten beider Seiten, die auch in Ernest Hemingways «Wem die Stunde schlägt» zur Sprache kommen.

Ein Mercedes-Cabrio gemietet

Zwischen die linken Fronten gefallen waren aber vor allem die sogenannten «Spanienkämpfer». Meist junge Linke aus allen europäischen Ländern – wahrscheinlich über 30000 – waren nach Spanien geeilt, um die Republik gegen den Faschismus zu verteidigen. Die Komintern organisierte sie zu «Internationalen Brigaden». Miserabel ausgerüstet, schlecht ausgebildet und geführt – bei den vielen Sprachen, die gesprochen wurden, war das kaum anders möglich.

In diesen Hexenkessel lässt Hardegger in seinem Roman, der auf Tagebucheinträgen, Briefen, Gerichtsakten und Zeitungsberichten basiert, den gescheiterten Gemüsehändler Edi Gmür fallen. Er ist eine – mindestens – schillernde Figur, der man den überzeugten Republikaner und Antifaschisten nicht immer abnimmt. Er schlägt gern Freiheitstöne an, aber es sind mindestens gleichstarke private Motive, die ihn nach Spanien treiben. Und die Art und Weise, wie er und drei Kollegen dann nach Süden aufbrechen, ist spektakulär genug. Gmür mietet bei einem Zürcher Taxiunternehmen ein luxuriöses Mercedes-Cabrio: Spritzfahrt mit Imponiergehabe – an die Front.

In der Heimat vor Gericht

Gmür und die Kollegen erleben einiges, vieles auch, was sie lieber nicht erlebt hätten. «Ich hatte ehrenwerte Gründe, nach Spanien zu fahren», sagt Gmür nach seiner Rückkehr im Prozess, der ihm gemacht wird. Die Spanienkämpfer erhielten Gefängnisstrafen von einigen Monaten für «unerlaubten Eintritt in fremden Militärdienst». Vor Gericht ist es schwierig, die Motivlage so darzustellen, dass die Strafe nicht zu hoch ausfällt. «Abenteuerlust» kann es nicht gewesen sein, «kommunistische Überzeugungen» sind auch nicht so geeignet, und wer «private Gründe» angibt, läuft Gefahr, der Lächerlichkeit preisgegeben oder gar wegen «liederlichen Lebenswandels» noch schärfer bestraft zu werden.

Gmür ist immerhin 30 und sieben Jahre verheiratet, die Kollegen sind jünger. Zwei werden in Spanien umkommen, zwei zurückkommen. Sie werden – so wird angedeutet – «den Weg zurück in ein normales bürgerliches Leben» nicht finden. Auch wenn sie dies im Gefängnis und in dunklen Stunden in Spanien sehnlichst wünschen.

Urs Hardegger Spanische Erde. Vier Schweizer gegen Franco. Th. Gut Verlag, 288 S., Fr. 40.–

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