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Plattentaufe von Roofer: Im kreativen Kampf mit der Musik

Er lebt in Kriens und gehört zu den profundesten Bassisten der Schweizer Jazzszene: Mit seiner Band Roofer hat Luca Sisera ein neues Album veröffentlicht, das persönliche Geschichten spiegelt.
Pirmin Bossart
Luca Sisera (Mitte) mit seiner Band Roofer: Die Kompositionen lassen auch Raum für die Entfaltung jedes Einzelnen. (Bild: Weina Venetz-Zhang/PD)

Luca Sisera (Mitte) mit seiner Band Roofer: Die Kompositionen lassen auch Raum für die Entfaltung jedes Einzelnen. (Bild: Weina Venetz-Zhang/PD)

Roofer sind moderne Abenteurer, die ohne Sicherung auf hohe Bauwerke klettern und sich gekonnt über Klippen und Abgründe von urbanen Dach- und Fassadenlandschaften bewegen. Der Bassist und Komponist Luca Sisera ist kein Extremsportler, aber ein extrem agiler und ambitionierter Musiker mit einem hohen Anspruch an Qualität. Jedes Jahr spielt er über 100 Konzerte europaweit und ist auf über 30 CD-Einspielungen zu hören.

Was die Roofer auszeichnet, trifft musikalisch auch auf den Bandleader sowie seine hochkarätigen Kollegen Michael Jaeger (ts), Maurus Twerenbold (trb), Yves Theiler (p) und Michi Stulz (dr) zu: Mut zum Risiko, ausgereifte Technik und die Fähigkeit, auch in komplexen Situationen souverän und leicht zu bleiben.

Vaterschaft wird zu innerem «Drama»

Die Kompositionen für das erste Roofer-Album «Prospect» (2015) hatte Sisera auf dem Schiff unterwegs nach New York geschrieben, wo er dann ein paar Monate arbeitete und sich von der dortigen Jazzszene beflügeln liess. Die neuen Stücke für «Starlex Complex» entstanden 2018 bei einem Atelieraufenthalt in Nairs GR. Gleich vor dem Fenster rauschte der Inn vorbei, was Sisera am Anfang eher zermürbte als inspirierte. Kaum hatte er sich in Nairs etwas eingelebt, schickte ihm seine Partnerin ein Foto mit dem positiven Schwangerschaftstest.

Seine Stimmung schwankte zwischen Freude und Ungewissheit. Er steckte mitten im kreativen Fight mit seiner Musik. «Ich wusste, das würde alles auf den Kopf stellen.» Die Botschaft beeinflusste sein Komponieren. «Längere Zeit kam nichts mehr. Also beschränkte ich mich auf fünf Töne und arbeitete mit diesen.» Daraus entstand «Struggle Bubble», ein tänzerisches Stück mit einem Basssolo, in dem Sisera in packender Emotionalität sein inneres «Drama» austrägt.

Andere Stücke gehen von Dreiklängen aus, verschränkten Bläserlinien oder einem kryptisch stolpernden Groove. Und eines ist eine dreiteilige Suite von 14 Minuten Länge, die sich von eher sinnierenden Momenten und feierlicher Melodik in nahezu swingende Erzählweisen verwandelt (Gastsängerin Isa Wiss). Ein auffallendes Stück ist «Nairs», bei dem sich aus dem Rauschen und Schlingern des Saxofons eine choralartige Melodielinie schält, die immer stärker und hymnischer wird.

Schnittstellen zwischen Struktur und Freiheit

Mit präzisem Handwerk und von vielfältigsten musikalischen Vorlieben geprägter Intuition zieht es Sisera an die Schnittstellen von Komposition und Improvisation. Das scheinbare Paradoxpaar «Struktur und Freiheit»verleiht seiner Musik die nötige Reibung, die zum Flow wird. Eine ausgefuchste Rhythmik und Kontraste halten die Tracks spannend. Bei aller Dynamik im Zusammenspiel kann sich jedes Bandmitglied auch solistisch zeigen.

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Material ist Vor­aussetzung für Siseras Musik. So wurden die Tracks von «Starlex Complex» intensiv geprobt und auf der Bühne gespielt, bevor das Album aufgenommen wurde. «Die Musik muss fliessen, egal wie komplex oder einfach sie gestrickt ist», sagt Sisera. «Wir wollen die Kompositionen mit Leichtigkeit aus dem Bauch heraus spielen. So können wir die Geschichten unverkrampft erzählen und die geschriebene Musik improvisatorisch weiterentwickeln.»

«Starlex Complex» ist für Sisera aus persönlichen Gründen ein besonderes Album. Die Arbeit an der Musik traf zusammen mit dem Übertritt in einen neuen Lebensabschnitt. Hinter präzisen Strukturen brodelt die Emotion. «Die Platte ist eine Art Soundtrack zu meinem Leben. Und das Leben ist komplex, hat nun mal seine Ecken und Kanten.»

Luca Sisera/Roofer: Starlex Complex (nWog Records). Plattentaufe: 17. Mai, 20 Uhr, Südpol Luzern.

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