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Vater und Sohn Grässli - zwei Maler im Kontrast vereint

Minutiöser Pointillismus vom Vater, grossformatige, expressive Spraybilder vom Sohn: So verschieden ihre Stile auch sein mögen, in ihrer Doppelausstellung in Werdenberg ergänzen sich die Gemälde von Walter und Michael Grässli überraschend gut.
Hansruedi Kugler
Walter und Michael Grässli im Atelier. (Foto: Hanspeter Schiess)

Walter und Michael Grässli im Atelier. (Foto: Hanspeter Schiess)

Die Gegenüberstellung wirkt sofort: Hier der junge, urbane Wilde – dort der akribische Tüpflimaler. Denkt man jedenfalls sofort, wenn man die Galerie betritt. Hier die malerisch grosse Geste, luftig und dennoch kräftig, farblich auf Weiss, Grau, Schwarz reduziert – dort die extrem dichte, kontrastreiche Abstraktion, die noch das Figurative erahnen lässt. Zwei Generationen und zwei Temperamente treffen aufeinander. Man könnte auch sagen: der junge abstrakte Expressionist und der junggebliebene Pointillist.

Walter Grässli: Drei komplementäre Paare. (Bild: PD)

Walter Grässli: Drei komplementäre Paare. (Bild: PD)

Walter Grässli, gerade 75 Jahre alt geworden, ehemaliger Kantilehrer für Gestaltung in Wattwil, hat seinem Sohn Michael den radikalen Kunstwillen sozusagen vererbt. Beide haben oder hatten ihren Hauptverdienst als Lehrer, beide sind Familienmenschen und beide stecken seit der Kindheit ihre Köpfe in unendlich viele Kunstbücher und die Pinsel in Farbtöpfe. Ohne Kunst könnten sie nicht leben. Walter Grässli hat sich seit seiner Pensionierung vor zehn Jahren ganz dem Pointillismus verschrieben. Er, der jahrzehntelang das ausgeklügelte Nebeneinander von Farben studiert und gelehrt hat, ist ein Meister der Ausdauer geworden. Über viele Tage und Punkt für Punkt entstehen seine oft in textile Strukturen verwobenen Farbkompositionen. Für die aktuelle Ausstellung in Werdenberg hat er vorwiegend neuere, ab­strakte Gemälde ausgewählt.

Graffiti als Inspiration für malerische Spurensuche

Die passen denn auch gut zu den vermeintlich ungegenständlichen, grossformatigen Spraybildern seines Sohnes. Dass diese auf den ersten Blick wie Kritzeleien aussehen, mal aggressiv wie Stacheldraht, mal zart-harmonisch wie ein Notenbild oder ein Liebeswort, hat seinen Grund in der Inspiration für diese Gemälde.

Michael Grässli: Untitled 2018. (Foto: PD)

Michael Grässli: Untitled 2018. (Foto: PD)

Denn Michael Grässli geht in seinen Gemälden wie ein künstlerischer Archäologe von urbanen Signaturen aus, von Graffiti und anderen Ablagerungen und Spuren auf bröckelndem Mauerwerk. Solche anonymen Spuren nimmt der gelernte Theatermaler, der vor Jahren in Zürich mit Ausgesteuerten solche Wände gesäubert hat, als Inspiration für seine suggestiven, geheimnisvollen Gemälde, die, aus Bewegung und Schichtung aufgebaut, nie entzifferbar bleiben. Im Resultat erscheinen seine Bilder wie eine pointierte und aktuelle Fortschreibung des Action Painting oder der Lyrischen Abstraktion, die in den 1950er-Jahren in den USA entwickelt worden sind. Die Aktion verbindet ihn mit jenen Avantgardisten, denn wie diese legt Michael Grässli die Leinwände zum Malen auf den Boden.

Wie wenn Damien Hirst Walter Grässli kopiert

Nach vielen Einzelausstellungen haben die beiden Künstler vor drei Jahren zum ersten Mal gemeinsam ausgestellt. Die jetzige Ausstellung lebt vom Kontrast und der Ergänzung – und überzeugt dank der Beschränkung auf das Ab­strakte. Zwar feilen beide beharrlich an ihrem Stil. Das hindert den 75-jährigen Walter Grässli aber nicht, sich noch eine neue Technik beizubringen. Angeregt von den diesjährigen Schlossfestspielen, in denen Kuno Bont Verdis «La Traviata» inszeniert, hat er eine Bilderserie mit dem Titel «femme fatale» geschaffen. Gezeichnet hat er sie auf dem iPad mit dem Programm «Procreate», aber mit derselben pointilistischen Methode. «Ich habe genauso lange gebraucht wie für die anderen Gemälde», sagt er. Nur der Geruch der Temperafarben, die er jeweils selbst herstellt, habe gefehlt. Und augenzwinkernd zeigt Walter Grässli auf seinem iPad ein neues Video. Man sieht den berühmten britischen Künstler Damien Hirst auf Grossleinwand Pünktli malend – wie wenn er Walter Grässli kopieren würde.

Hinweis

Ausstellung in der Galerie L33, Staatsstrasse 3, Werdenberg, bis 31.8., Vernissage: 5.8., 10.30 Uhr.

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