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«Im Japanischen sieht man Redundanz weniger kritisch»

Nachgefragt

Die Frankfurterin Ursula Gräfe (61) übersetzt seit vielen Jahren japanische Romane ins Deutsche, vor allem auch diejenigen von Haruki Murakami.

Ursula Gräfe, im neuen Roman von Murakami fallen eine gewisse Weitschweifigkeit und der Hang zu Wiederholungen auf. Hat dies auch mit Besonderheiten der japanischen Sprache zu tun?

Ich teile Ihre Beobachtung, dass Haruki Murakami sich in diesem Roman seinem Thema besonders ausführlich nähert. Es gehört grundsätzlich zu seinem Stil, gewisse Ereignisse oder Höhepunkte gleichsam einzukreisen. Wobei die japanische Sprache dazu beiträgt: Redundanzen werden weniger kritisch beachtet, Wortwiederholungen oder überhaupt Wiederholungen fallen den Lesern weniger auf.

Murakami verwendet Redundanz aber ganz bewusst.

Ja, er hat einmal geschrieben, er sei der Meinung, ein Autor müsse dem Leser immer wieder Pausen verschaffen, in denen dieser das im Roman «Erlebte» gedanklich verdauen könne. Demnach wäre das Weitschweifige eine Art «Entschleunigung».

Wo liegt für Sie persönlich die Faszination von Murakami?

In seiner Fähigkeit, das Untergründige oder Abgründige in einem Menschen (oder einer menschlichen Existenz) in konkreten unterirdischen Schauplätzen wie Höhlen, Gängen, Gruben, Brunnen Ausdruck zu verleihen, an denen dann das oberirdische Ich mit seinen inneren Dämonen ringt. Und tatsächlich braucht man als Leser etwas Zeit, um die verschiedenen Schichten zu durchdringen. (are)

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