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ILLUSTRATION: Erleuchtung auf Papier

Ende Mai erhält der Künstler Wolf Erlbruch den wichtigsten internationalen Kinderbuchpreis. Mit seinem Zeichenstift stellt er die grossen Fragen – und solche, die zum Himmel stinken.
Bettina Kugler
Kindgerecht und surrealistisch sind Wolf Erlbruchs Bildcollagen, auch wenn er klassische Texte illustriert – wie hier Goethes «Hexeneinmaleins». (Bild: Wolf Erlbruch/Carl-Hanser-Verlag)

Kindgerecht und surrealistisch sind Wolf Erlbruchs Bildcollagen, auch wenn er klassische Texte illustriert – wie hier Goethes «Hexeneinmaleins». (Bild: Wolf Erlbruch/Carl-Hanser-Verlag)

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

Es soll ja Glück bringen, in einen Hundehaufen zu treten. Doch muss das Häuflein ausgerechnet auf dem Kopf landen? Der kleine samtschwarze Kerl, dem das Malheur in Werner Holzwarths Geschichte «Vom Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat» passiert, ärgert sich mächtig. Wolf Erlbruch aber, der ihn mit dem braunen Kopfputz auf seiner Fahndung nach dem Übeltäter so wunderbar gezeichnet hat, landete mit diesem Buch einen Welterfolg. Dabei sah Erlbruch, 1948 in Wuppertal geboren – wo er noch immer lebt und wirkt –, seine Bestimmung bis zu diesem Zeitpunkt nicht als Illustrator für Kinder. Zunächst war er Werbegrafiker; ein Zufall brachte ihn mit dem Autor Hermann Schulz zusammen, damals Leiter des Peter-Hammer-Verlags.

Sein Stil ist erkennbar und immer überraschend

Bald nach dem ersten von Erlbruch illustrierten Buch, «Der Adler, der nicht fliegen konnte», kam für beide, Verlag und Illustrator, der Glück bringende Tritt. «Der Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat» spielt dem Verlag seither genügend Geld für wagemutige Bilderbücher und ungewöhnliche Geschichten ein, darunter etliche Titel von Wolf Erlbruch. Jetzt hat der Künstler den wichtigsten und höchstdotierten Preis zugesprochen bekommen, den es weltweit für Kinder- und Jugendliteratur gibt: den Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis, Pendant zum Literaturnobelpreis. Mehr als fünf Millionen Kronen winken dem Preisträger; Wolf Erlbruch wird sie wohl für gute Zwecke einsetzen. Öffentliche Ehrungen waren ihm immer schon wenig angenehm. Das wird auch Ende Mai so sein, bei der Preisverleihung in Stockholm. Erlbruch steht nicht gern im Rampenlicht. Lieber stürzt er sich in Arbeit, taucht wochenlang weltvergessen ab in eines seiner Projekte.

Mit den Jahren hat er seinen Stil immer wieder verändert und weiterentwickelt. Besonders markant sind seine Collagen, für die er alte Papiere, Blätter aus Rechnungsbüchern und ähnliche Fundstücke verwendet: Erlbruch-Bilder sind nie niedlich, aber immer erstaunlich, überraschend und skurril. Sie sind erkennbar, nie jedoch restlos durchschaubar. Es bleibt etwas zurück, über das man sich wundern kann.

Kinder können damit oft mehr anfangen als eilige Erwachsene. Gleichwohl hat Wolf Erlbruch mitgewirkt an einem Trend der letzten zehn bis zwanzig Jahre: der Neuinterpretation klassischer Texte im Bilderbuch. Er illustrierte Goethes «Hexeneinmaleins», Texte von Gottfried Benn, Karl Philipp Moritz, James Joyce, für Kinder jeden Alters. Auch zu Texten des Schweizer Lyrikers und Erzählers Jürg Schubiger hat er kongeniale Bilder geschaffen. Kinder, so ist er überzeugt, verdienen Bücher, in denen sie ernstgenommen werden. «Kein Kind ist so infantil, wie oft die Dinge daherkommen, die Erwachsene ihm als kindgerecht andrehen wollen.» Dem Mainstream auf dem Bilderbuchmarkt steht der scheue, nachdenkliche Zeichner mit der runden Hornbrille nach wie vor skeptisch gegenüber, auch wenn er seit dem «Maulwurf» eine stattliche Anzahl von preisgekrönten Büchern herausgebracht und als Hochschullehrer stilbildend auf die jüngere Illustratorengeneration eingewirkt hat. Zu viel «Kinderkram» und «rosa Meerschweinchen» findet er da in den Regalen der Kinderecken.

Kindern kein falsches Glück vorgaukeln

«Neunzig Prozent der Produktion halte ich für entbehrlich», sagt er. «Ich glaube nicht, dass es unbedingt Bücher geben muss, die Kindern vorgaukeln, dass es ein paar todsichere Tricks für eine schöne Kindheit gibt.» Solche Verklärungen der eigenen Kindheit haben Wolf Erlbruch nie interessiert – stattdessen die grossen Fragen: Woher komme ich und wozu bin ich da? Was ist das Leben? Und was der Tod?

In Büchern wie «Ente, Tod und Tulpe», «Die grosse Frage» oder «Nachts» hat er sie selbst erzählend gestellt und auf seine unverwechselbare Art beleuchtet. Was «Illustration» im wörtlichen Sinne ja bedeutet.

In diese Folge passt auch sein neues Buch, soeben von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur als «Bilderbuch des Monats Mai 2017» ausgezeichnet: «Der Bär, der nicht da war», eine Geschichte von Oren Lavie. Rosa Meerschweinchen wird man in dieser skurril-philosophischen Waldwelt vergeblich suchen.

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