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Manor-Kunstpreisträgerin Kyra Tabea Balderer kommt mit Einzelausstellung ins Kunstmuseum Luzern

Kyra Tabea Balderer schafft Fotografien, die wie Grafiken oder Malereien aussehen. Besucher ihrer Ausstellungen stehen oft verwirrt vor ihren Werken. Das Kunstmuseum Luzern zeigt ab diesen Samstag neue Arbeiten von ihr.
Julia Stephan
Die Künstlerin Kyra Tabea Balderer vor ihren Werken im Pilatussaal des Kunstmuseums Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 12. Oktober 2018))

Die Künstlerin Kyra Tabea Balderer vor ihren Werken im Pilatussaal des Kunstmuseums Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 12. Oktober 2018))

Anfangs Jahr wurde der in Luzern aufgewachsenen und in Berlin arbeitenden Künstlerin Kyra Tabea Balderer (* 1984) der Manor-Kunstpreis Zentralschweiz verliehen, einer der bedeutendsten Nachwuchsförderpreise der Schweiz. Balderer reiht sich ein in eine Liste klingender Künstlernamen wie Luciano Castelli, Rolf Winnewisser oder Christoph Rütimann und durfte nun im Kunstmuseum Luzern eine Ausstellung mit Publikation ausrichten.

Kulisse, die gar nicht erst vorgibt, etwas anderes als Kulisse zu sein, das ist die von Eveline Suter kuratierte Ausstellung «Szenario» im Kunstmuseum Luzern. Und sie passt vorzüglich zu Balderers schwerpunktmässig streng inszenierter Fotografie.

Ein Konstrukt, das nicht vorgibt, keines zu sein

Genauso wie von einem abfotografierten Kartonobjekt Balderers auch mal ein um das Objekt gewickelter Faden in Signalgelb dem Betrachter signalisiert, dass das fotografierte Objekt eben doch ein Konstrukt ist, dem lange Tüfteleien im Atelier vorausgegangen sind, wird im ganzen Raum die Illusion immer wieder durchbrochen: Die farbigen Stellwände aus Holz, an denen Fotografien angebracht sind, zeigen auf der Rückseite offen und unverhohlen ihre sperrhölzerne Antischokoladenseite.

Und selbst an dieser Rückseite trifft man dann überrascht wieder auf ein Werk. Uniformität bei der Hängung sucht man im ganzen Pilatussaal vergeblich. Fotografien sind mal gerahmt, mal hinter Glas, lehnen an Stellwänden. Manchmal stehen die an die Wand genagelten Fotodrucke bauchig von der Ausstellungswand ab.

Dieses bewusste Spiel mit der Inszenierung beeinflusst die Bildwirkung enorm – die Fotografien wirken nackt an der Wand wie grafische Drucke oder hinter Glas wie kubistische Malereien. Das soll manchen Betrachter schon so verwirrt haben, dass er die Werke anzufassen suchte.

Genau diese Macht der Inszenierung und Repräsentation, grosse Themen der Malerei, stehen in Balderers Arbeit im Fokus. Bewusst hat die während ihrer Ausbildung in der Fotografie geschulte Künstlerin sich bei der Szenografie der Ausstellung an bestehenden Raumordnungen orientiert. Etwa an der Apsis einer Kirche – um ihr dann eine völlig neue Funktion zu geben.

Mit Plexisglas, Karton und Fundstücken aus dem Brocki Objekte bauen

Die nackte Rückwand der Stellwände gleicht also gewissermassen der Ateliersituation, in der Balderer ihre Objekte erschafft – um sie nach dem Foto-Shooting wieder zu zerstören, denn es ist das Abbild, das sie interessiert. Mit Plexiglas, Karton, Fundstücken aus dem Brockenhaus baut sie ihre Objekte, die selbst Abbilder der im Alltag gewonnenen Inspirationen sind. Sie bemalt sie, dekonstruiert sie, setzt sie in Szene. Karton, ein «dankbares Material», schätzt Balderer darum, weil er beim Ausschneiden Negative hinterlässt. «Die verwende ich gerne weiter», sagt sie. Ein ewiger Kreislauf.

Analog und ausschnittsweise werden die Objekte dann mit einer Grossformatkamera fotografiert und sehen wegen ihrer (fast) perfekten Oberfläche Digitalprints verblüffend ähnlich.

Bloss nicht zu glatt!

Doch der Schein trügt. Photoshop lehnt Balderer vehement ab. Kreativität entsteht bei ihr in der Beschränkung. Bloss nicht zu glatt sollen die Fotografien wirken. «Illusion zu erzeugen, hängt für mich auch damit zusammen, dass man diese Illusion bricht», so Balderer. Das Licht hilft beim Inszenieren immer mit.

Längst beschränkt sich Balderers Interesse nicht nur auf die Verschränkung von Fotografie und statischem Objekt. In einer Art Retrokinosaal mit ratterndem Filmprojektor flimmert das Video «Bird Piece» – eine Hommage an «Beach Birds» von Merce Cunninghamist. Eine auf einer drehenden Plattform stehende Tänzerin wird von einer Kamera in einer 360-Grad-Fahrt umkreist. Der Körper zuckt instinktiv wie ein kleiner Vogelkörper, plötzlich machen minimalistische Flügelschläge aus der Allusion eine Illusion. Die Erfahrung hat Balderer beflügelt. Weitere Videoarbeiten sollen folgen.

Kyra Tabea Balderer: «Szenario». Kunstmuseum Luzern. Bis 6.1. 2019. Diesen Sonntag, 14.10., 11 Uhr, Künstlergespräch. www.kunstmuseumluzern.ch

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