Ihrem Vornamen auf der Spur

Die Eltern von Harlis Schweizer haben ihre Tochter nach einer Filmheldin getauft. Die St. Galler Künstlerin hat sich auf Spurensuche begeben und präsentiert in Tusche Szenen aus dem Film «Harlis» von Robert van Ackeren im Frauenpavillon.

Martin Preisser
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Szenen aus dem Film «Harlis»: Die St. Galler Künstlerin Harlis Schweizer stellt ihre Tusche-Arbeiten im Frauenpavillon aus. (Bild: Urs Bucher)

Szenen aus dem Film «Harlis»: Die St. Galler Künstlerin Harlis Schweizer stellt ihre Tusche-Arbeiten im Frauenpavillon aus. (Bild: Urs Bucher)

Gibt man bei Google den Begriff «Harlis» ein, erscheint zuerst «Harlis Schweizer» und an zweiter Stelle «Harlis Film». Der Vorname ist selten. Die Eltern der St. Galler Künstlerin Harlis Schweizer haben 1972 den Film «Harlis» gesehen, 1973 kam ihre Tochter zur Welt und erhielt den Namen der Filmheldin. Harlis Schweizer hat ihre Eltern gefragt, was ihnen an dem Film von Robert van Ackeren gefallen habe, der auch bei «Die flambierte Frau» Regie führte. «Eine wunderbare Liebesgeschichte», sagt die Mutter. «Tolle erotische Szenen», sagt der Vater. «Die typisch unterschiedliche Sichtweise von Mann und Frau», lacht Harlis Schweizer. Als sie zwanzig war, konnte sie über den Film nicht lachen. «Ich fand die Hauptfigur schrecklich», sagt sie heute. Mit vierzig hat sie sich den Film nochmals angeschaut, im Zürcher Xenix-Filmarchiv. Dort habe man sich schon gewundert, was eine Frau heutzutage an «Harlis» interessiere, schmunzelt die St. Galler Künstlerin.

Zwischen Frau und Mann

Im Zentrum des Films steht die Nachtclub-Tänzerin Harlis, gespielt von Mascha Rabben, die den Spagat zwischen einer lesbischen und einer Beziehung zu einem Mann schaffen will, der ihr dann auch gelingt. Robert van Ackeren hat vor über vierzig Jahren eine minimalistisch stilisierte Groteske gedreht, ein Sittenbild auch der 1970er-Jahre in Deutschland. Heute freut sich Harlis Schweizer über ihren Vornamen. «Für eine Künstlerin ist er ideal, man behält ihn, weil er so selten ist.» Dreizehn Szenen aus dem Film hat sie mit Tusche auf Papier gebannt. Jede Szene ist einfarbig. «Die Bilder stehen jetzt quasi zwischen mir und dem Film», beschreibt Harlis Schweizer ihre Vornamen-Spurensuche.

Die Gesichter sind nicht gemalt, sondern schälen sich aus der Farbe heraus, manche Szenen erinnern fast an einen Druck. «Beim Arbeiten konnte ich auf meine frühere Erfahrung als Theatermalerin zurückgreifen», sagt Harlis Schweizer, die im Zürcher Xenix den immensen Vorteil hatte, den Film anzuhalten und an die ihr wichtigen Szenen vor- oder rückwärts zu spulen. Im Kino hat sie die ersten Skizzen entworfen.

Rolle der Frau

Entstanden sind wie von leichter Hand hingeworfen erscheinende und lebendig wirkende Szenen, die die reduzierte Bildsprache des damaligen Films nachzeichnen möchten. Und ein wenig ist die malerische Auseinandersetzung mit der Filmheldin auch eine Auseinandersetzung der Künstlerin mit sich selbst in Zeiten, in denen sich die Rolle der Frau doch erheblich geändert hat.

Der Zyklus, der im Rahmen des Programms des Frauenpavillons gezeigt wird, aber auch männliches Publikum verträgt, zeigt nicht nur Harlis Schweizers spezielle Bildsprache, sondern macht irgendwie auch Appetit auf den Film. Was sich Harlis Schweizer wünschen würde? Dass ihre Bilder vielleicht einmal im Kinok hängen würden. Vielleicht gibt es dort ja den Film einmal zu sehen.

Die Künstlerin ist an folgenden Tagen im Frauenpavillon: So, 25.8., 14–17; So, 1.9., 16–19; Sa, 7. 9., 18–24 (Museumsnacht), und So, 8.9., 14–17 Uhr