Ihr Zürichdeutsch erntet auch Hass

Rebekka Lindauer macht Comedy, auch mit Reizthemen wie Veganer. Mit ihren satirischen Auftritten will die Zürcherin ihre Zuhörer vor den Kopf stossen. Nun tritt sie am Kulturfestival St. Gallen zum Poetry Slam an.

Interview: Urs-Peter Zwingli
Drucken
Teilen
Die Zürcher Slammerin Rebekka Lindauer ist in St. Gallen beliebt. Bild: PD

Die Zürcher Slammerin Rebekka Lindauer ist in St. Gallen beliebt. Bild: PD

Die Slammerin Rebekka Lindauer achtet streng auf ihre Darmflora und outet sich auf der Bühne als Jägerin.

Interview: Urs-Peter Zwingli

Sie tragen ihre Texte in breitestem Zürideutsch vor, andere Schweizer Poetry Slammer wählen Hochdeutsch. Wieso der Entscheid für Mundart?

Rebekka Lindauer: Das war kein bewusster Entscheid. Als ich zum ersten Mal auf einer offenen Bühne vor einem Publikum geredet habe, hat es sich natürlich so ergeben, dass ich auf Zürideutsch erzähle. Wobei ich sagen muss, dass ich als Zürcherin auch Hass ernte. Es sind schon Leute nach Auftritten zu mir gekommen und haben gesagt: Du wärst super, wenn du nur nicht so einen hässlichen Dialekt hättest. Den Hickhack zwischen den verschiedenen Dialekten in der Schweiz werde ich nie verstehen.

Die St. Galler jedenfalls scheinen Sie zu mögen: Diesen Februar haben Sie den Poetry Slam in der Grabenhalle gewonnen.

Das war mein dritter Slam. Ich war extrem nervös. Die Stimmung in der Grabenhalle war grandios. Etwas vom Besten, was ich in den letzten zwei Jahren auf Schweizer Bühnen erlebt habe. Aufs Kulturfestival freue ich mich darum besonders.

Sie treten sowohl als Comedian als auch als Poetry Slammerin auf. Was sind Sie eher?

Ich möchte mich da nicht festlegen. Meine Performance ist praktisch gleich. In der Comedy wechsle ich schneller zwischen einzelnen Themen, während ich im Poetry Slam eher ein Thema ausschlachte und gleichzeitig auf das Zeitlimit achten muss. Beim Poetry Slam hätte es auch Raum für ernste Texte, aber die sind weniger meine Sparte. In der Stand Up Comedy würden die Leute wahrscheinlich Bierdosen auf die Bühne werfen, wenn ich ernste Texte vortrüge.

Wie erleben Sie die Schweizer Slam-Szene?

Als sehr lebendig. Im letzten Jahr haben die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften das Hallenstadion Zürich gefüllt. Das sagt alles. Bei mir persönlich fördert Poetry Slam aber auch den Alkoholismus: Weil es für den Sieger immer eine Flasche Whisky gibt, die dann mit allen Teilnehmern geteilt wird, bin ich nun vom Whisky angefixt. Aber der passt auch gut als Abrundung nach einem grossen Steak.

Essen ist eines Ihrer 
Lieblingsthemen. Warum?

Ich bin eine absolute Geniesserin, bezeichne mich selber als «Viandine» und achte minutiös auf meine Darmflora. Heute wird Essen aber immer öfter zur Religion gemacht. Und sobald mich Selbstoptimierer missionarisch bekehren wollen, was ich nun essen sollte und was lieber nicht, hört bei mir persönlich der Spass auf, und der Bühnenspass beginnt. Ich bin mir bewusst, dass ich in meinen satirischen Nummern mit verbalen Seitenhieben auf Pflanzenesser oder einem Outing als Jägerin auch Leute vor den Kopf stosse. Aber darum geht es mir ja genau: In meiner Rolle auf der Bühne darf ich eben importiertes Himalajasalz in Wunden streuen.

Wie finden Sie Ihre Themen?

Im Schreibprozess: Viele Ideen kommen mir dabei spontan und diese entwickle ich dann weiter. Wenn ich zudem in den Medien oder anderswo auf ein Thema stosse, das mich interessiert, recherchiere ich dazu. Etwa die Verdrängung des Eisbären aus seinem angestammten Lebensraum wegen des Klimawandels: Daraus habe ich eine Nummer gemacht, in der Eisbären in die Schweiz einwandern. Die Bären im Bärengraben beklagen sich dann darüber, dass die Eisbären ihnen die Jobs und ihre Frauen wegnehmen. Da gibt es natürlich Parallelen zu aktuellen, politischen Debatten.

Hinweis

Kulturfestival St. Gallen, Best of Poetry Slam: Mi, 17. 7., 20 Uhr (Bar ab 18.30 Uhr), Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen. 
kulturfestival.ch