Ihr bester Sommer

Fatih Akins grandiose Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs Bestseller «Tschick» lebt von Überschwang und Weltschmerz.

Johannes von der Grathen/dpa
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Maik und Tschick auf grosser Sommerfahrt. Bild: Pathé Films

Maik und Tschick auf grosser Sommerfahrt. Bild: Pathé Films

Zwei 14jährige Schüler erleben den Sommer ihres Lebens. Sechs Jahre nach dem Erscheinen von Herrndorfs fabelhaftem Abenteuerroman «Tschick» kommt die Verfilmung in die Kinos. Der Hamburger Regisseur Fatih Akin hat die Odyssee zweier jugendlicher Aussenseiter durch den wilden Osten kongenial verfilmt. In keiner Sequenz driftet das kurzweilige Roadmovie in seichte Comedy-Gefilde ab. Es ist überzeugend gelungen, den Geist des Romans in das Medium Film zu übertragen, ohne sich sklavisch an die Vorlage zu klammern.

«Schöne Augen, aber Asi»

Fatih Akin erzählt die Geschichte aus der Perspektive des 14jährigen Maik Klingenberg (Tristan Göbel), dessen alkoholkranke Mutter sich mal wieder in die Entzugsklinik verabschiedet hat, während Maiks Vater mit Freundin in die Ferien fährt. Die Ferien beginnen, da kommt der seltsame neue Klassenkamerad Tschick (Anand Batbileg) ganz recht. Der Russlanddeutsche steht mit einem schrottreifen Lada vor der Tür, und bald befinden sich die Jungs aus Berlin auf grosser Fahrt durch den endlosen Sommer.

Ab jetzt tauchen Erwachsene nur noch als Randfiguren auf. Trottelige Dorfpolizisten, schrullige Ökomuttis oder nervige Lehrer. Eigentlich sind Maik und Tschick allein auf einer Welt, die nachts beim entzückten Sternegucken bis ins Weltall reicht. Zwischendurch lernen sie die Rumtreiberin Isa (Mercedes Müller) kennen, und Maik bekommt eine erste Ahnung davon, was es mit Liebe und Sex auf sich haben könnte.

Tschick reagiert cooler auf Isa: «Die hatte schöne Augen, aber leider Asi.» Solche Sprüche tauchen nur dosiert auf. Fatih Akins gutgelauntes Roadmovie feiert unaufdringlich den Nonkonformismus. «Die Moral des Films ist, dass es okay ist, anders zu sein», sagt der Regisseur.

Das schwankende Lebensgefühl der Ausreisser wird feinfühlig und ohne Anbiederung entfaltet. Dabei erweisen sich die Hauptdarsteller als Volltreffer: Tristan Göbel spielt den schüchternen Maik zurückgenommen, während Anand Batbileg als Tschick so richtig den Schalk im Nacken hat. Der Bursche kann kein Wässerchen trüben. Alle Autoritäten dieser Welt scheinen ihm schnuppe zu sein. Ein Huckleberry Finn aus Berlin.

Am Ende trennen sich die Wege der beiden, aber für Maik ist nichts mehr wie früher. Mit dem Polizeiwagen wird er in die Schule chauffiert, er nennt den Polizisten cool «Officer». Seine lange Mähne weht im Wind, als er den Schulhof betritt, und die Mädchen kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Rex St. Gallen, Cinedome Abtwil