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«Ich wollte über den Gotthard»

Er schreibt: als Journalist über Lokales und als Autor über die Welt. Derzeit ist Michael Hug mit seinem zweiten Buch auf Lesereise – zehn Bücher sollen es dereinst sein. Denn Reisen und Schreiben sind für ihn eins.
Dieter Langhart
Reisen mit Herz und Hirn: Michael Hug las am 17. Januar im «Rössli» Mogelsberg aus seinen zwei Büchern «Mediterranea» und «Tre Vulcani». (Bild: Michel Canonica)

Reisen mit Herz und Hirn: Michael Hug las am 17. Januar im «Rössli» Mogelsberg aus seinen zwei Büchern «Mediterranea» und «Tre Vulcani». (Bild: Michel Canonica)

DEGERSHEIM. Bei Schindellegi stand der Wegweiser: Links ging es zum Gotthard, rechts nach Zug. «Mein Vater bog stets nach rechts ab, aber ich wollte über den Gotthard, wollte wissen, was hinter dem Gotthard liegt.» Als Bub fuhr Michael Hug oft mit seinem Vater mit; Jahre später, mit dem eigenen Auto, war er endlich über dem Berg. Das Unterwegssein hat ihn nicht mehr losgelassen. Und er schreibt Bücher darüber. Das zweite ist erschienen, Band drei und vier seiner «Grips-Trips» sind fertig, jedes Jahr soll ein weiterer erscheinen. «Zehn Bücher in zehn Jahren, dann bin ich pensioniert.»

Als Monteur in fremden Ländern

Der Degersheimer kann nicht anders als reisen und schreiben. «Das ist eins für mich.» In der Schule hasste er die Aufsätze. Er lernte Elektromonteur und vor der RS wusste er, dass er, wie sein Bruder, als Techniker um die Welt wollte. Doch stets die gleichen Maschinen zu reparieren und in Hotels abzuhängen, fand er eines Tages langweilig. «Wozu soll ich mir eine Stadt anschauen, ich muss eine Maschine wieder zum Laufen bringen.»

Heute findet er sofort, was ihn interessiert, er braucht die Freiheit, selber zu entdecken. «Ich wünsche jedem einen Blick über den Tellerrand, einen offenen Geist ohne Vorurteile, eine gewisse Grundneugierde.» Reisen mit Herz eben, «Grips-Trips». Er schreibt für die vielen, die wenig Ahnung von der Welt hätten, «aber ich bin kein Aufklärer». Sein Weltbild? «Fatalistisch.»

Kaltstart als Journalist

1999, in Moskau, beschloss er, seinen Job an den Nagel zu hängen. Und wurde Journalist. Autodidakt. Als er ab 2003 das Magazin «Zeigerzine» herausgab, das immer mehr Reiseberichte enthielt, kehrte die alte Lust am Reisen zurück. Denn eben, «diese Sucht nach der Ferne hatte ich im Grunde schon als Bub».

Als die Wiler Zeitung für das Ressort Flawil einen Korrespondenten suchte, meldete sich Michael Hug. Er kannte Flawil, war da aufgewachsen. Die Sprache hatte ihn wieder. Stets hatte er Tagebuch geführt auf seinen Reisen, nun hatte er einen neuen Beruf. Und eine Leidenschaft – dahin zu reisen, wohin er wollte.

Auch auf den Berg Athos. Damit beginnt «Mediterranea», Hugs erstes Buch. Warum er die Mönchsrepublik fluchtartig verliess, erzählt Hug an seinen Lesungen, und manchmal auch das, was erst im nächsten Buch steht. Zeigt Bilder dazu. Und verkauft seine Bücher. «Jeder zweite Besucher will sie.» Drei Jahre nach seiner Athos-Reise klapperte Hug die Verlage ab. Rod Hützen von Hützen & Partner in St. Gallen war begeistert. Das Design entwarfen sie gemeinsam; mit Kartondeckel, Leseband, Notizseiten, Einstecktasche erinnert es an die Notizhefte von Moleskine. Alle zehn Bände sollen gleich aussehen.

Bringt Buch auch an die Haustür

Hug bekommt 12 Prozent vom Einstandspreis der Buchhandlungen, das sind Fr. 1.85 pro Buch. Abgerechnet wird halbjährlich. Beim zweiten Buch war Hützens Interesse dann eher wirtschaftlicher Natur: Hug musste sich an den Produktionskosten beteiligen.

Der Autor verkauft seine Bücher auch selber per B(a)uchlädeli, das laufe «huere guet». Und liefert sie gar auf Wunsch signiert an der Haustür ab. «Die Leser schätzen den persönlichen Kontakt.» Ausschliesslich auf Buchhandlungen kann er sich nicht verlassen, die würden primär das verkaufen, was die grossen Verlage und die Medien promoten. Und wie reagieren die Medien? «Ein Artikel allein bringt wenig.» Dann braucht er ein hübsches Bild für die geplanten zehn «Grips-Trips»-Bände: «Eine Lawine braucht Zeit.»

Das Schreiben gibt Sinn

«Erst wenn du darüber schreibst, was du erlebt hast, erhält es einen Sinn», sagt Michael Hug. In wenigen Wochen zieht er sich nach Malta zurück. Wie jeden Februar. Malta ist eine der Konstanten in seinem Leben, wie das Schreiben.

Kann er sich ein Leben ohne Schreiben vorstellen? «Nicht mehr.» Kann er leben davon? «Ich lebe bescheiden und reise preisbewusst.» Wohin reist er heuer? «Eritrea, Manaus, Sarajevo. Der Rest des Jahres ist noch offen.» Was folgt dann? «Irgendwann möchte ich meinen Roman fertig schreiben.»

Grips, Trips, Show & Tell: Fr, 22.1., 20.30 Uhr, Open Ohr Kirchberg; So, 14.2., 10 Uhr, VHS Wil www.michael.hug.huetzen.com

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