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Interview

«Ich wollte das Dorf nicht retten, es war ein glücklicher Zufall»

Seit zehn Jahren wohnt Grazyna Kul­czyk im Engadin, seit Januar führt sie in Susch ihr Museum. Vom Magazin «Artnews» wird sie seit 2015 jedes Jahr zu den 200 wichtigsten Kunstsammlern gezählt. Die polnische Mäzenin hat das verschlafene Dorf zu einem Hotspot zeitgenössischer Kunst gemacht.
Julia Nehmiz
Kunstsammlerin Grazyna Kulczyk: «Es fühlt sich befriedigender an, die aussergewöhnlichen Werke zu finden.» (Bild: Anoush Abrar)

Kunstsammlerin Grazyna Kulczyk: «Es fühlt sich befriedigender an, die aussergewöhnlichen Werke zu finden.» (Bild: Anoush Abrar)

Grazyna Kulczyk, was löst ein gutes Kunstwerk aus? Was fühlen Sie beim Betrachten?

Mein Interesse ist geweckt, wenn ich sofort sehr stark reagiere – emotional oder intellektuell, positiv oder negativ, es muss unmittelbar wirken.

Gibt es das überhaupt: «gute» und «schlechte» Kunst? Warum kaufen Sie ein Werk, und ein anderes nicht?

Natürlich gibt es qualitative Unterschiede in der Kunst. Charakteristisch für die Art und Weise, wie ich sammle, ist jedoch, dass ich oft kein «typisches» Stück auswähle, das sofort wiedererkennbar ist. Nicht weil ich den Gegensatz suche, sondern weil ich einfach oft mehr von den Ausnahmen angezogen bin. Es fühlt sich befriedigender an, die aussergewöhnlichen Werke zu finden.

Haben Sie ein Lieblingskunstwerk?

Ich fürchte, das ist ein wenig so, als würde man eine Mutter nach ihrem Lieblingskind fragen – auch wenn Sie tief in Ihrem Herzen eine Präferenz spüren, werden Sie versuchen, dies zu verbergen und nicht darüber zu sprechen.

Es klingt schon ein bisschen verrückt: im Engadin ein Museum zu bauen und es selber zu betreiben.

Für mich verwirklicht sich hier ein Traum. Hier in den Schweizer Alpen konzentriere ich mich auf Kunst im weitesten Sinne. Die Arbeit des Museums umfasst fünf Bereiche, Säulen, wie ich sie nenne: zum einen die Ausstellungen, aber auch ein Forschungsinstitut, ein Choreografie-Zentrum, eine Künstlerresidenz und ein jährliches akademisches Symposium. Wie ein roter Faden zieht sich der Wunsch, andere in Kunst zu befähigen und auszubilden, durch meine Aktivitäten, und es bereitet mir Freude, da eng involviert zu sein.

Ab 1157 Kloster, im 19.Jahrhundert Brauerei, heute Heimat für Kunst: das Muzeum Susch im Engadin. (Bild: Andrea Badrutt)

Ab 1157 Kloster, im 19.Jahrhundert Brauerei, heute Heimat für Kunst: das Muzeum Susch im Engadin. (Bild: Andrea Badrutt)

Fürchten Sie manchmal, dass Sie mit dem Museum scheitern?

Zu keinem Moment habe ich gezweifelt! Ich habe mein ganzes Leben lang nie über Misserfolge nachgedacht. Der Weg zum Erfolg ist, wenn Misserfolg keine Option ist.

Ist Ihr Museum auch eine Art Dorfrettung?

Nein, ich wollte das Dorf nicht retten, indem ich hier das Museum eröffnete. Tatsächlich war es mehr ein glücklicher Zufall, dass ich die verlassenen Gebäude entdeckte, als ich vor einigen Jahren auf der Durchfahrt in Susch angehalten habe. Aber ich blicke auf eine Geschichte zurück, in der ich verlassene Gebäude und insbesondere Brauereien gerettet habe. Das deute ich als ein glückliches Vorzeichen.

Wie soll es mit dem Museum weitergehen? Was wünschen Sie sich?

Ich hoffe, dass es die Menschen aufklären und inspirieren wird, nicht nur in Fragen der Kunst, sondern auch in der Herangehensweise an umfassendere Denkansätze. Unser Ausstellungsprogramm ist bis 2022 geplant, die Themen für die Debattenreihe Disputaziuns sind bis 2021 angelegt, während Residenzen und Forschungen zeitnahe Reaktionen zulassen. Ich möchte, dass Muzeum Susch zu einem Bezugspunkt wird – sowohl als kultureller Wallfahrtsort als auch als neues Modell für Kunst und Ideen.

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