«Ich will Bilder in den Köpfen hinterlassen»

Céline Gaillard, warum interessiert Sie das Kuratieren? Es gefällt mir, Zusammenhänge zwischen einzelnen Kunstwerken aufzuzeigen. Auch die Förderung und die enge Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden ist spannend.

Christina Genova
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Céline Gaillard Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunstmuseum St. Gallen (Bild: pd)

Céline Gaillard Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunstmuseum St. Gallen (Bild: pd)

Céline Gaillard, warum interessiert Sie das Kuratieren?

Es gefällt mir, Zusammenhänge zwischen einzelnen Kunstwerken aufzuzeigen. Auch die Förderung und die enge Zusammenarbeit mit Kunstschaffenden ist spannend. Ausserdem reizt es mich, an verschiedenen Orten etwas zu schaffen und Bilder in den Köpfen der Leute zu hinterlassen.

Im St. Galler Kunstraum Nextex betreuen Sie die Gruppenausstellung «Anthroposphere». Was bedeutet der Titel?

Das ursprünglich griechische Wort bezeichnet den Lebensraum des Menschen. Mich interessiert die Frage, wie wir einen Lebensraum besetzen – nicht nur mit Zeichen, die wir gegen aussen setzen, sondern auch mental.

Wie sind Sie darauf gekommen?

Eine wichtige Inspiration war die prominente Fenstersituation im Nextex. Der Ausstellungsraum wird von zwei Fensterfronten mit Sicht auf den verkehrsreichen Blumenbergplatz dominiert. Die Fenster bilden die Grenze zwischen dem Innen- und Aussenraum.

Wie haben Sie die Künstler ausgewählt?

Die einzige Vorgabe war, Künstler mit Ostschweizer Bezug auszustellen. Ich wollte Künstler zeigen, die in den letzten drei Jahren nicht im Nextex waren.

Was bekommt man im Nextex alles zu sehen?

Die Künstlerzwillinge huber.huber zeigen akribische Zeichnungen von toten Fliegen, die sie auf dem Fenstersims ihres Ateliers fanden. Karin Karinna Bühler führte Recherchen zur früheren und aktuellen Nutzung des Nextex-Gebäudes durch. Bilder und Zitate dazu findet man über im Raum verteilte QR-Codes. Valentina Stieger hat die Fenster im Nextex mit einem zartrosa Vorhang versehen. Doch dessen Länge, Höhe und Verlauf ist nicht ganz genau auf die Fenster abgestimmt. Raphael Egli charakterisiert Räume neu, indem er sie zum Beispiel mit einem Scheinraum überlagert und in ungewöhnliche Farben taucht.

Warum sollte man die Ausstellung im Nextex besuchen?

Um Raphael Egli und sein Schaffen kennenzulernen. Der in Bazenheid geborene Künstler hat noch nie in der Ostschweiz ausgestellt. Ausserdem regt die Ausstellung zur Auseinandersetzung mit unserem Lebensraum und unserem Umgang damit an.

Bis 13.1. Blumenbergplatz 3, St. Gallen. www.nextex.ch Heute um 19 Uhr Lesung des Autors Martin Felder. Anschliessend kurzes Künstlergespräch mit Raphael Egli.