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«Ich werde jetzt ein Gummibärli»

Jungschauspielerin Ein Ei fällt vom Himmel, ein Stück Kot wird würdevoll beerdigt, und Messer und Gabel plaudern drauflos: Die 24jährige Suramira Vos hat sich ein phantasievolles Stück übers Essen ausgedacht.
Melissa Müller

Die junge Frau auf der Bühne klappt einen WC-Deckel auf, zieht eine Handvoll Spaghetti aus der Schüssel und knallt diese auf den Tisch. «Hoi, wie gohts, wie stohts?», fragt sie übertrieben fröhlich und wickelt Pasta um die Gabel. «Matschig», sagt ihr Gegenüber und stochert lustlos im Essen herum. Er fühle sich «pfloddrig» wie eine Pfütze. «Was machst du denn so beruflich?», führt die andere den Smalltalk ungerührt fort. «Ich bin Astronaut. Nächste Woche fliege ich auf den Mond», sagt der Depressive. «Nein, Quatsch, ich bin arbeitslos», bemerkt er. Worauf die Frau ziemlich irritiert reagiert – mit einem «Wortdurchfall» zum Thema «geistige Nahrung».

Es sind witzige Dialoge rund ums Essen, die Suramira Vos auf Schweizerdeutsch und Englisch geschrieben hat – und die sie in ihrem Solostück «Ausbauchen» auch alle selber verkörpert. Sekundenschnell schlüpft die 24jährige Schauspielerin in ihre Rollen, wechselt von der exaltierten Spaghetti-Esserin zum «pfloddrigen» Astronauten mit seiner zusammengesackten Körperhaltung. Die Tochter niederländischer Eltern wuchs in Trogen auf; heute lebt sie in Bern. Mit «Ausbauchen» gastierte sie am Wochenende im Theater 111 in St. Gallen. Das kurzweilige Ein-Frau-Stück ist ihre Abschlussarbeit an der Hochschule der Künste in Bern. Zwei Jahre Arbeit stecken hinter der Collage aus Tischgesprächen und Szenen rund um die Nahrungsaufnahme.

Wie die Banane das Schicksal beeinflusst

Eine der Figuren von Suramira Vos denkt darüber nach, was passiert, wenn man eine Banane isst. «Du bist die Banane», stellt sie alsbald mit kindlichem Erstaunen fest. «Sie wird ein Teil von dir. Du kannst ohne diese Banane keinen Atemzug tun.» Folglich könne sie nicht mehr gedankenlos alles essen. «Sonst werde ich ja zum Gummibärli.»

Suramira Vos macht allzu Menschliches zum Thema. Etwa wenn das Tischgespräch stockt, man sich unbeholfen fühlt und nicht weiss, was man sagen soll. Da verzieht sie sich aufs stille Örtchen, sammelt sich innerlich – und plaudert, auf dem Klo sitzend, mit ihrem Über-Ich. Auch Höflichkeitsfloskeln, die ausgetauscht werden, wenn man jemandem auf dem WC den Vortritt lässt, macht sie zum Thema. Daraus entspinnt sich eine wahnwitzige Szene, die damit endet, dass es Eier vom Himmel hagelt.

Die grosse, feingliedrige Darstellerin überzeugt mit ihrer wachen Präsenz. Sie gibt alles – obschon im Publikum an diesem Abend nur etwa 15 Zuschauer sitzen. Darunter eine ehemalige Primarlehrerin von Suramira Vos, die sich ans Schreibtalent ihrer Schülerin erinnert.

Die Trogenerin schöpft mit ihrer sinnlichen Sprache aus dem Vollen. Lustvoll erzählt sie von schmatzenden Lippen und klebrigen Fingern, die sie nach dem Fischessen ableckt. Sogar das Schälen einer Mandarine wird bei ihr zum erotischen Akt.

Man hätte der burschikosen Schauspielerin mehr Publikum gewünscht. Denn es ist vergnüglich, ihr beim Spielen zuzuschauen, ihrem Gesicht mit den weit aufgerissenen Augen oder ihrem verzückten Ausdruck beim Verzehren einer Praline.

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