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Der aufstrebenden St.Galler Jazzpianist Raphael Loher erholt sich beim Geissenmelken und Heuen

Der Dreissigjährige spielt am Sonntag in der Reihe «kleinaberfein» in St.Gallen.
Rolf App
Er erholt sich beim Heuen und Geissenmelken: der Flawiler Jazzpianist Raphael Loher. Bild: Lisa Jenny (St.Gallen, 11. September 2019)

Er erholt sich beim Heuen und Geissenmelken: der Flawiler Jazzpianist Raphael Loher. Bild: Lisa Jenny (St.Gallen, 11. September 2019)

Im Mai ist der Pianist und Komponist Raphael Loher mit seiner Band Kali fast zwei Wochen lang in Russland unterwegs gewesen. Zehn Konzerte in elf Tagen, ­dazwischen lange Reisen: eine anstrengende, aber auch bereichernde, sehr schöne Erfahrung. «Wir spielten an sehr unterschiedlichen Orten: vom klassischen Konzertsaal bis zu alten Technokellern. Dadurch kamen auch ganz unterschiedliche Menschen zu unseren Auftritten», erzählt er.

«Alle teilten sie diese unglaubliche Begeisterung, die in Gesprächen nach den Konzerten und in manchmal sehr langen Zuschriften auf Facebook zum Ausdruck kam.»

Trotzdem: Er war nachher fix und fertig und musste sich zuerst einmal zurückziehen – auf einen Bauernhof auf den Napf, zum Heuen und zum Geissenmelken. Weit entfernt vom Klavier, ohne Handy und ohne auch nur ein Blatt Notenpapier. Erst in diesen Tagen geht es wieder los mit den Konzerten. Nach einer Woche, die er in Berlin mit seinen Kali-Kollegen, dem Schlagzeuger Nicolas Stocker und dem Gitarristen Urs Müller verbringt, tritt Loher am Sonntag mit dem Gilbert Paeffgen Trio in der Reihe «kleinaberfein» in St.Gallen auf – mit Gilbert Paeffgen an Hackbrett und Schlagzeug und Claude Meier am Kontrabass.

«Dann fängst du wieder bei null an»

Hier in St.Gallen, wo wir uns am Marktplatz treffen, hat Loher nach der Bauzeichner-Lehre und zwei Jahren im Beruf den Vorkurs für die Jazzschule besucht, bevor er zum Weiterstudieren nach Luzern zog. Hier in der Nähe – in Flawil – ist er aufgewachsen. Dort hat er das Klavier seiner Schwester entdeckt, hat gemerkt, wie gern er sich in seine eigene Klangwelt versenkt.

Mittlerweile ist er dreissig geworden und hat einiges erreicht – einen Auftritt am Jazz Festival Willisau zum Beispiel. Doch auch solche Erfolge zählen nur für den Moment. «Wenn du am nächsten Morgen aufstehst, fängst du bei null an», sagt Raphael Loher. Früher hat er geglaubt, eines Tages werde er Klavier spielen können. Heute weiss er: Das wird nicht geschehen.

«Ich werde immer ein Lernender sein.»

Was er hier beschreibt, das ist die Urerfahrung des Künstlers. Er beschreibt das Glück beim Erkunden neuen Terrains. Er beschreibt aber auch die Unsicherheit, die damit einhergeht, und den Druck, unter dem er steht. Seinen kristallinen, oft ausgesprochen langsamen Stücken mit ihrer zuweilen magischen Klanglichkeit merkt man die langen Wege nicht an, die ihr Schöpfer gegangen ist. Denn er muss sich und seine Musik immer wieder von neuem finden. Es gab eine Zeit, da hat er viel improvisiert. Heute notiert er wieder mehr.

Konzentrierte Arbeit an neuen Stücken

Jetzt gerade arbeitet Raphael Loher an Solostücken. Sie sind alle sehr ruhig, sehr konzen­triert, sparsam in ihren Mitteln. Eine oder zwei Ideen pro Stück, das genügt. Drei Wochen lang hat er nach der Zeit auf dem Napf keinen einzigen Termin gehabt, hat sich am Morgen ans Klavier gesetzt, nachdem er Ashtanga Yoga gemacht und meditiert hat. Hat nach einer Vollendung gesucht, die es nicht gibt, und dazu die Biografie von Glenn Gould gelesen, der ein grosser Einzelgänger am Klavier war – und ein ewig Unvollendeter, der niemals aufgehört hat zu experimentieren.

Zum Konzert in St.Gallen werden wohl auch Raphael ­Lohers Eltern kommen, die anfangs ihre Bedenken gehabt ­haben gegen seine Berufswahl. Denn sie haben sich gefragt, ob man denn vom Jazz leben kann. Mittlerweile sehen sie: Ihr Sohn kann es. Und auch mit seiner Musik haben sie sich angefreundet. Raphael Loher sagt:

«Mein Vater versteht mittlerweile auch meine experimentelleren Konzerte und gibt mir heute sehr differenzierte Feedbacks.»

So, 22.9.19, 17 Uhr, Diözesane Kirchenmusikschule, auf dem Damm 17.

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