Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ich übe mich noch im Nichtstun»

Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau lädt zum Müssiggang ein. Am Samstag tauschen sich eingeladene Gäste mit Besuchern und Besucherinnen über ihre Aktivitäten aus. Wozu das gut ist, sagt die Beauftragte der Kulturstiftung Gioia Dal Molin.
Interview: Dieter Langhart
Musse bedeutet, sich Zeit zu nehmen – wie etwa für eine chinesische Teezeremonie. (Bild: Getty)

Musse bedeutet, sich Zeit zu nehmen – wie etwa für eine chinesische Teezeremonie. (Bild: Getty)

Anleitungen für die freie Zeit: Die Kulturstiftung des Kantons Thurgau macht gemeinsam mit dem Kulturamt und der Kulturkommission einen Nachmittag lang Vorschläge, wie sich der Dauererreichbarkeit entkommen und Freizeit gestalten lässt. Die Veranstaltung «Musse!» kommenden Samstag schlägt so einen thematischen Bogen zu «Schaffe!» 2015. Und ist bereits ausgebucht.

Gioia Dal Molin, Sie haben den Anlass «Schaffe!» miterlebt, den Ihr Vorgänger Klaus Hersche vor zweieinhalb Jahren organisiert hat. Warum jetzt ein neuer Anlass?

Wir tauschen uns regelmässig mit dem Kulturamt und der Kulturkommission Thurgau über Themen aus und wollten wieder ein Treffen für die Bevölkerung organisieren, aber nicht in einem fixen Rhythmus. «Musse!» entstand als gemeinsame Idee.

Musse ist das Gegenteil von Schaffen.

Ein dringliches Thema in der heutigen Gesellschaft, das uns alle umtreibt, gerade in den ­sogenannt kreativen, freien Berufen. Wir sind ständig online, Arbeit und arbeitsfreie Zeit vermischen sich mehr und mehr.

"Die Balance zwischen Arbeit und Musse ist ein echtes Thema in unserer leistungsorientierten Gesellschaft" - Gioia Dal Molin, Beauftragte der Kulturstiftung Thurgau. (Bild: dl)

"Die Balance zwischen Arbeit und Musse ist ein echtes Thema in unserer leistungsorientierten Gesellschaft" - Gioia Dal Molin, Beauftragte der Kulturstiftung Thurgau. (Bild: dl)

Sie sind nicht nur Stiftungs­beauftragte, sondern auch freie Kuratorin und Mitbetreiberin der Ausstellungs- und Gesprächsplattform Le Foyer in Zürich – geht es Ihnen also auch so?

Ich habe das Gefühl, immer und nie am Arbeiten zu sein. Arbeit und arbeitsfreie Zeit fliessen ineinander, vermengen sich. Wenn ich am Abend zu einer Ausstellungseröffnung gehe, dann tue ich das aus Interesse oder auch aus persönlicher Verbundenheit mit den Künstlerinnen und Künstlern. Zugleich sind solche Anlässe aber auch ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Die Balance zwischen Arbeit und Musse ist ein echtes Thema in unserer zielstrebigen, leistungsorientierten Gesellschaft.

Was ist wichtig am Anlass «Musse! Anleitungen für die freie Zeit»?

Die gesellschaftspolitischen Themen sind da. Wir wollen dafür sensibilisieren und Menschen im Gespräch zusammenbringen.

Wie müssen wir uns diese Gespräche vorstellen?

Wir laden Gäste ein, die den ­Besuchern in Workshops ihre Hobbies und Freizeitaktivitäten vorstellen. Man trifft sich nicht mehr zu zweit wie bei «Schaffe!», sondern in kleinen Gruppen.

Was geschieht in diesen Gruppen?

Es gibt zehn Workshops und zehn Gruppen für die Besucher. Wir losen aus, welche Gruppe welche zwei Workshops besucht.

Verraten Sie uns ein, zwei Beispiele?

Chinesische Teezeremonie, Kochen mit Wildkräutern, Boxen. Also Themen, die den Körper oder den Geist herausfordern.

Wie sind Sie auf die Themen gestossen?

Wir, also die Vertreterinnen von Kulturstiftung, Kulturamt und Kulturkommission, haben zahlreiche Ideen gesammelt und ­Gewährsleute gesucht. Die Reaktionen waren stets positiv, aber manche Themen kamen nicht in Frage, weil sie zu zeitintensiv sind für einen Workshop von ­ 45 Minuten Dauer.

Wie viele Teilnehmer haben sich ­angemeldet?

Knapp neunzig – wir sind längst ausgebucht. Die Workshops finden an verschiedenen Orten in Steckborn statt. Treffpunkt um ­ 14 Uhr ist die Kantine der Bernina, die aus den Sechzigerjahren stammt. Da gibt das Künstler­kollektiv «Hospiz der Faulheit» einen ersten Input – und da endet die Veranstaltung mit einem ­Apéro und einer Intervention der Musikerin und Klangkünstlerin Rahel Kraft, die 2015 einen Förderbeitrag des Kantons Thurgau erhalten hat.

Was sollen die Workshops den Besuchern bringen?

Sie sollen einen guten Tag erleben, den Austausch geniessen. Sollen Wissen heimnehmen, Gestaltungsvorschläge und Anleitungen, wie sie ihre freie Zeit verbringen können. Bei «Schaffe!» zogen wir eine positive Bilanz, wenn Unbekannte aufeinandertreffen und sich austauschen.

Und was tun Sie selber in Ihrer Freizeit?

Bei mir geht alles ineinander, Arbeit und freie Zeit. Ich lese viel, Zeitungen und Bücher, aber mir fällt es schwer, still zu sitzen. Ich fahre sehr gerne Velo, dabei kann ich abschalten. Ich übe mich noch in Musse oder im Nichtstun.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.