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Seit 25 Jahren führt Adrian Bleisch seine Galerie in Arbon

Mit seiner ersten Ausstellung schockierte er alle Hobbykünstler – und verkaufte kein einziges Bild.
Christina Genova
Neben seiner Tätigkeit als Galerist ist Adrian Bleisch auch Lehrer. Bild: Lisa Jenny

Neben seiner Tätigkeit als Galerist ist Adrian Bleisch auch Lehrer. Bild: Lisa Jenny

Mit zwei Taschen voller Kunstkataloge kam der 26-jährige Adrian Bleisch im Atelier von Conrad Steiner an: «Wie ein Vertreter», sagt der Galerist. Verkaufen wollte er nichts, aber den Künstler für seine erste ­Ausstellung in Arbon gewinnen. Bleisch hatte Werke des Adolf-Dietrich-Preisträgers in der Zeitung gesehen und wollte ihn unbedingt kennen lernen.

Der zehn Jahre ältere Conrad Steiner liess sich vom jungen Galeristen überzeugen, und ein Jahr später eröffnete die Galerie Adrian Bleisch an der Schmiedgasse 4 in Arbon mit einer ­Einzelausstellung Steiners. Das war am 17. August 1994. Adrian Bleisch verkaufte während der ganzen Ausstellung kein einziges Bild. Trotzdem spricht er von einem gelungenen Einstieg, das Niveau zukünftiger Ausstellungen war gesetzt: «Alle Hobbykünstler, die Katzen zeichnen, waren völlig schockiert.» Bis heute denkt Bleisch langfristig. Wenn die Ausstellung für beide Seiten stimme, spiele der finanzielle Erfolg nicht so eine Rolle.

Schwerpunkt Ostschweizer Kunst

Exakt 25 Jahre später ist bei Adrian Bleisch erneut eine Soloschau von Conrad Steiner zu sehen. Es ist seine Art, sein Jubiläum zu begehen – unaufgeregt und ohne rauschendes Fest. Bleisch vertritt den Künstler noch immer: «Wir sind miteinander einen Weg gegangen.» Mit einem Künstler eine einmalige Ausstellung zu machen, interessierte den 52-Jährigen nie. Wobei Bleisch nicht gerne von «vertreten» spricht. Mit seinen Künstlern schliesst er keinen Vertrag ab und verlangt nicht das Exklusivrecht, sie auszustellen.

Mittlerweile befindet sich die Galerie bereits am dritten Standort, an der Grabenstrasse 2. Ihr Schwerpunkt liegt auf Ostschweizer Kunst:

«Wir haben hier eine vielfältige Szene mit vielen guten Künstlern.»

Wichtig ist Bleisch, immer wieder neue, junge Künstlerinnen und Künstler auszustellen. Er findet sie nicht an Ausstellungseröffnungen – «ich meide Vernissagen» –, sondern unter der ­Woche, wenn es in den Museen ruhiger zu und her geht.

Die erste Ausstellung am Lehrerseminar

Einerseits ist Bleisch die Beziehung zum Künstler sehr wichtig, andererseits müssen ihn die Kunstwerke begeistern: «Sonst wäre ich ein falscher Hund.» Das Schönste an seiner Arbeit sei, mit dem Künstler gemeinsam die Ausstellung zu entwickeln: «Alles andere ist Pflicht.»

Aufgewachsen ist Bleisch in Egnach und Romanshorn. Seine Eltern waren kunstinteressiert. Als er 16 Jahre alt war, starb seine Grossmutter und hinterliess ihm 200 Franken. Er ging damit ins Atelier des St.Galler Künstlers Walter Vogel und kaufte vier Radierungen. Es war sein erster Atelierbesuch und sein erster Kunstkauf. Es sollte nicht sein letzter bleiben. Viele Werke erhielt er auch geschenkt, sein Zuhause ist voller Kunst: «Sie ist mir geistige Nahrung.»

Statt eines Studiums eine Galerie

Am Lehrerseminar in Zug organisierte er seine ersten Ausstellungen, darunter eine mit allen Holzschnitten Ferdinand Gehrs. Später, als Junglehrer in Tägerwilen, legte er Geld für ein Studium in Kunstgeschichte zur Seite. Doch daraus wurde nichts: 1992 kam seine erste Tochter Lea zur Welt, zwei weitere Kinder sollten folgen. Als er ein Jahr später erfuhr, dass es in Arbon geeignete Räumlichkeiten für eine Galerie gebe, wusste er, wofür er seine Ersparnisse einsetzen wollte.

Neben seiner Tätigkeit als Galerist arbeitete Adrian Bleisch immer als Lehrer. Der Lohn deckt seine Lebenskosten und gibt ihm als Galerist die nötige Freiheit. Der Job helfe ihm ausserdem, nicht abzuheben – die Kunstszene sei ein recht exklusiver Club. Die Galerie wirft wenn überhaupt nur einen kleinen Gewinn ab. Doch jammern liegt Adrian Bleisch fern – im Gegenteil, es fällt die Gelassenheit auf, mit welcher er über seine Arbeit spricht. Aber er räumt ein, dass es Leidenschaft brauche und die Bereitschaft zum Verzicht. Wird es die Galerie noch weitere 25 Jahre geben?

«Solange ich noch die Neugierde und Freude habe, mache ich weiter.»

Conrad Steiner: «Gleitsicht», bis 14.9., Galerie Bleisch Arbon.

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