«Ich liebe reine Dinge»

Der neunfache Grammy-Gewinner John Legend hält dem Soul die Treue wie kaum ein anderer R&B-Sänger in den Charts – auch mit seiner vierten Solo-CD «Love In The Future» gelingt ihm das.

Reinhold Hönle
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Auch auf seinem vierten Album hat John Legend mit Rapper Kanye West zusammengearbeitet. (Bild: pd)

Auch auf seinem vierten Album hat John Legend mit Rapper Kanye West zusammengearbeitet. (Bild: pd)

Der neunfache Grammy-Gewinner John Legend hält dem Soul die Treue wie kaum ein anderer R&B-Sänger in den Charts – auch mit seiner vierten Solo-CD «Love In The Future» gelingt ihm das.

Wie sind Sie auf den ungewöhnlichen Albumtitel «Love In The Future» gekommen?

John Legend: Als ich den Song zu schreiben begann, dachte ich, dass er sich wie ein guter Titel für ein Album anhört. Obwohl wir das Lied nur also Intro verwenden, macht er Sinn, da die Platte von einem Neuanfang handelt und deswegen hoffnungsvoll klingt, was zur Situation passt, in der ich mich im Moment befinde.

Sie sind 34 Jahre alt und mit dem Model Chrissy Teigen verlobt. Wie hat sich Ihr Privatleben verändert?

Legend: Ich bin noch immer ein Workaholic, der ständig im Studio ist und Musik machen will. In meinem Privatleben haben sich die Prioritäten aber verändert. Als Single habe ich nonstop gearbeitet. Nun ist das nicht mehr so extrem, ich nehme mir hin und wieder ein paar Tage frei.

Sie haben nun zum drittenmal mit Kanye West gearbeitet – wie war die Zusammenarbeit?

Legend: Er ist ein toller Produzent und kreativer Künstler. Wenn man zu einem Genie Zugang hat, sollte man ihn nutzen! Ich bin in dieser glücklichen Position und habe Kanye gebeten, so viel beizutragen, wie er möchte. Und er hatte grossen Einfluss.

Wie ergänzen Sie sich?

Legend: Ich bin mehr der klassische Singer-Songwriter und Pianist. Kanye glänzt bei den Beats, der Produktion und den Arrangements. Ausserdem hat er einen hervorragenden Geschmack und half mir bei der Wahl der Fotografen, Videoregisseure und allen Aspekten des Album-Designs.

Ist die aktuelle Single «Made To Love» ein Gemeinschaftswerk?

Legend: Die erste Version stammte vom zweiten Koproduzenten Dave Tozer. Kanye fand sie toll, wollte jedoch den Beat ändern und hat lange daran getüftelt. Die weibliche Stimme gehört Kimbra, einer befreundeten neuseeländischen Sängerin. Sie war zufällig zu Besuch, als wir im Studio waren. Ich fragte sie, ob sie Lust hätte, etwas beizutragen. Obwohl der Song erst halbfertig war, als sie improvisierte, haben wir an ihrem Gesang nichts mehr geändert.

Was wollten Sie mit der Vorab-Auskoppelung «Who Do We Think We Are» ausdrücken?

Legend: Die Ballade mit schleppendem Groove und einem üppigen Arrangement löst in mir ein Gefühl aus, mutig in die Welt hinauszugehen und seine Träume zu verwirklichen. Der Song sagt mir, man soll sich nicht scheuen, später die Früchte des Erfolgs zu geniessen.

Wie haben Sie sich seit dem Durchbruch mit Ihrem Debüt-Album «Get Lifted» verändert?

Legend: Das ist schwierig zu sagen. Man entwickelt sich weiter, lernt und wächst, aber ich bin noch derselbe Mensch wie vor 10 Jahren. Wenn man lange in einer Beziehung lebt, eröffnet dies jedoch neue Perspektiven. Ich hoffe, dass wir in der Zukunft zusammen eine Familie gründen werden.

Sind Sie als Künstler selbstsicherer geworden?

Legend: Ich war schon immer von meinen Fähigkeiten überzeugt, aber heute denke ich, dass ich ein besserer Sänger geworden bin. Früher habe ich mich diesbezüglich etwas überschätzt. Zudem weiss ich heute besser, wie man Alben macht. Ich verstehe den ganzen Prozess und wie man den richtigen Sound hinkriegt, weil ich nun mehr Erfahrung und Fertigkeit besitze.

Was bedeutet es Ihnen, dass Sie mit dem Song «Who Did That To You» auf dem «Django-Unchained»-Soundtrack vertreten waren?

Legend: Das war eine grosse Ehre, da der Film grossartig ist und die Musik bei Quentin Tarantino immer eine besonders wichtige Rolle spielt.

Tarantino verwendet meistens Oldies, nur selten Originalsongs. Weshalb machte er bei Ihnen eine Ausnahme?

Legend: Der Song entstand, als mir Paul Epworth, der durch seine Arbeit mit Adele berühmt wurde, in seinem Studio einen Track mit einem Sample von Hannibal, einem Künstler aus den 70er-Jahren, vorspielte. Ich sagte: «Wow, der klingt ja wie ein Song aus einem Quentin-Tarantino-Film! Wir sollten daraus ein Lied für seinen neuen Film machen.» Da ich die ungefähre Handlung des Films kannte, entschied ich mich, den Text ohne irgendeine Aufforderung von Quentin zu schreiben. Da ich wusste, dass er Musik am liebsten in analoger Qualität und in seinem alten Auto hört, haben wir die digitale Aufnahme auf eine Kassette überspielt, bevor wir sie ihm schickten. Der Song hat ihm dann so gut gefallen, dass er ihn verwendet hat.

Sie halten auch mit der neuen CD die Fahne des beinahe reinen R&B in die Höhe, während viele andere für den kommerziellen Erfolg alle Stile mischen…

Legend: Ja, ich habe keine Mühe gescheut, ein Soulalbum zu machen, auf dem ich weniger in die Richtung des Pops oder des Dance gehe, als viele andere R&B-Künstler. Ich bin ein grosser Fan von allen Dingen, die sehr rein sind. Ich liebe auch puren Blues, puren Folk und puren Rock.

Und Sie haben auf Ihre Weise schon neun Grammys gewonnen. Haben Sie überhaupt noch Platz für die nächsten Preise, die zu erwarten sind?

Legend: Unsere Wohnung in New York hat ein Empfangszimmer. Viele der dortigen Regale werden für Auszeichnungen genutzt. Es ist toll, ein paar davon zu haben! (lacht). Auf die Grammys bin ich besonders stolz, weil diese von den Berufskollegen verliehen werden. Am wichtigsten ist mir jedoch, wie die Fans meine Musik aufnehmen.

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