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«Ich lache über meine Witze am lautesten»

Die Niederuzwilerin Gülsha Adilji ist das Aushängeschild des Privatsenders Joiz. Mit derbem Humor, Schlagfertigkeit und roten Lippen hat sie viele Fans gewonnen. Wer dieses Interview liest, sollte mit dem Konzept der Ironie vertraut sein.
Odilia Hiller/Michel Canonica

Frau Adilji, Ihre Sendung «Noiz» auf dem Schweizer Privatsender Joiz moderieren Sie, eine gebürtige Niederuzwilerin, mit dem Frauenfelder Julian Thorner. Machen Sie den Ostschweizer Dialekt cool?

Gülsha Adilji: Ja, genau. Wir machen ihn salonfähig.

Gibt es oft Zuschauerreaktionen mit Bezug auf Ihren Dialekt?

Adilji: Nein, eigentlich nicht. Mir selber fällt aber immer wieder auf: Ostschweizer wirken einfach viel sympathischer. Wenn ein Ostschweizer etwas Böses sagt, finden immer alle: Nei, jöö. Man kann ihm nichts übelnehmen. Das ist für uns ein Vorteil.

Sie glauben also, Sie können dank Ihres Dialekts die derberen Witze machen?

Adilji: Ja, das glaube ich wirklich. Ich bin doch das kleine, herzige Mädchen mit dem Ostschweizer Dialekt. Da kann ich alles sagen.

Sie sind nicht nur Ostschweizerin, Sie sind auch lustig. Finden wir zumindest. Wie würden Sie selber Ihren Humor beschreiben?

Adilji: Es ist immer schwierig, sich selber zu beschreiben. Aber ich glaube, mein Humor ist sehr ironisch, sehr zynisch, sehr sarkastisch und sehr grenzwertig. Aber ich glaube, ich weiss, wie weit ich gehen kann.

Sie moderieren im fünften Jahr bei Joiz. Wussten Sie von Anfang an, wo die Grenzen liegen?

Adilji: Oft, wenn ich mit Leuten rede, die mich nicht kennen, sagen meine Freunde zu mir: Hey, Gülsha, pass auf! Die wissen nicht, wie du das meinst. Ich sage dann immer: Doch, doch. Die wissen, wie ich das meine.

Das heisst, Sie trauen den Leuten mehr zu.

Adilji: Ja, ich glaube, dass man das spürt, wie ich die Sachen meine. Und wenn nicht, ist es auch egal. Dann finde ich es immer noch selber lustig – und das ist auch cool. Jemand hat am Ende auf jeden Fall gelacht. Und wenn es jemand wirklich nicht begreift, dann sage ich auch mal: Ich bin im Fall kein Nazi, das war ein Witz. Ich mache mich auch nie über Leute lustig, die einen meiner Witze nicht begreifen.

Ab wann ist es nicht mehr lustig?

Adilji: Es ist nicht lustig, sich lustig zu machen über Leute, die es nicht so easy haben. Ich mache keine Witze über Privatpersonen in schwierigen Situationen. Man kann nach oben schlagen, aber nie nach unten. Wir dissen nur Leute, die wir auf Augenhöhe mit uns sehen. Man darf Witze machen über Geri Müller. Über Justin Bieber sogar unbedingt. Oder Vera Dillier. Und man sollte schon gar nicht haltmachen vor politisch unkorrekten Witzen…

…und Obszönitäten?

Adilji: Also ich jedenfalls nicht. Mein Co-Moderator Julian Thorner bremst mich zwar immer wieder und versucht, die Sendung etwas wertvoller zu machen.

So, so. Er hebt also das Niveau, das Sie runterziehen.

Adilji: Ja. Oder er sagt schon bei der Vorbereitung: Nein, den kannst du nicht bringen.

Ihre Mutter ist Türkin, Ihr Vater Albaner. Sind Sie Muslima?

Adilji: Ich bin Atheistin. Ich finde alle Religionen gleich unsinnig. Jede von ihnen hat es verdient, karikiert zu werden. Meine Eltern sind Moslems, aber so in einer Light-Version. Wie die meisten Christen im Westen. Sie fasten nicht, meine Mutter trägt kein Kopftuch, und sie trinken auch ab und zu Wein.

Das heisst, Sie würden auch einen politisch unkorrekten Witz über den Islam machen.

Adilji: Absolut. Sicher. Aber auch über Judentum, Christentum oder Buddhismus.

Hat Joiz das aktuelle Thema der Pariser Attentate aufgenommen?

Adilji: Ich selber war noch in den Ferien, als es passierte. Aber wir haben das Thema selbstverständlich aufgenommen und geschaut, was im Netz so passiert.

Woher nehmen Sie das Selbstvertrauen, in die Öffentlichkeit zu stehen?

Adilji: Ich glaube, das hat stark damit zu tun, dass ich auch über mich selber lachen kann. Irgendwie finde ich immer, es sei alles gar nicht so schlimm. Ich habe sicher nicht das megakrasseste Selbstvertrauen, aber hinzustehen und solche Jokes zu machen, das ist es mir einfach wert. Ich lache ja über meine eigenen Witze am lautesten und am längsten. Das machen nur komische Menschen, ich weiss.

Na ja, immerhin stehen Sie dazu.

Adilji: Das mache ich extra. Damit ich nicht noch komischer wirke.

Gibt es jemanden in Ihrer Familie, der Ihnen den Sinn für Humor mitgegeben hat?

Adilji: Ja, meine Mutter. Die ist da matchentscheidend. Sie hat genau diesen schrägen Humor. So dass die Verwandten auf der Seite meines Vaters manchmal nicht sicher sind, wie sie es meint. Während sich die Verwandten meiner Mutter gegenseitig überbieten, wer ironischer sein kann.

Das heisst, Ihre Mutter ist auch so lustig?

Adilji: Extrem. Mein Vater findet sie auch lustig, aber nicht immer, weil die Witze sehr oft auf seine Kosten gehen. Er hatte es sowieso nicht leicht mit vier Frauen im Haushalt – ich habe noch zwei Schwestern.

Sehen Sie sich als Beispiel gelungener Integration?

Adilji: Für mich persönlich war das nie ein Thema. Ich glaube nicht, dass viele Leute mich als Türkin oder als Albanerin wahrnehmen. Ich fühle mich als Ostschweizerin, habe einen tollen Dialekt und bin für die meisten vor allem die Gülsha mit dem grossen Maul.

Sie sind jetzt 29 Jahre alt. Wie lange kann man bei einem Jugendsender wie Joiz arbeiten? Werden Sie irgendwann aus Altersgründen rausfaulen?

Adilji: Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Auch ein Jugendsender braucht Leute wie mich. Ich generiere meinen Output ja nicht für 15-Jährige. Ich mache Beiträge über Dinge, die ich unterhaltsam finde. Das richtet sich nicht an eine bestimmte Altersgruppe.

Sind Sie komplett frei bei der Wahl der Themen Ihrer Sendung?

Adilji: Ja, wir sind total frei. Aber auch wir sind auf Klicks angewiesen, versteht sich. Klicks sind bares Geld für uns. Wenn Justin Bieber einen neuen Clip rausbringt, dann reden wir selbstverständlich darüber. Brüste und Tierbabies helfen auch immer. Titten, Tiere und Gewalt – das ist unser Konzept.

Und, sind es genug Klicks, die kommen? Wie geht es Joiz?

Adilji: Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie viele uns schauen. Ich sehe, wie viele unsere Sachen anklicken. Das sind in der Regel sieben Zuschauer. Fünf davon aus meiner Familie. – Nein, im Ernst. Ich glaube, wir sind zuschauermässig so auf Niveau MTV.

Die Luft für TV-Moderatoren wird nach oben dünn. Werden Sie irgendwann zu SRF wechseln?

Adilji: Ich habe da verschiedene Pläne, um noch berühmter zu werden. Ich könnte beispielsweise auch die neue «Bachelorette» werden. Was SRF angeht, weiss ich nicht recht, was ich sagen soll. Ich weiss ja nicht mal, ob ich zu SRF könnte. Wie soll das laufen? Soll ich dort hinstehen und sagen: Hallo, ich bin Gülsha, da bin ich. Gibt es eine Telefonnummer, wo ich mich da melden kann? Und was würde ich denn dort machen? Nein, ich bin extrem zufrieden bei Joiz. Wir sind ein tolles Team.

Im Jahr 2012 hat Sie der «Schweizer Journalist» zur Newcomerin des Jahres gewählt. Was ist seither passiert?

Adilji: Seither bin ich komplett stehengeblieben und habe nichts mehr geleistet. Keine Awards mehr gewonnen, nichts. Schlimm. Ich glaub, ich muss bald schwanger werden, damit wieder irgendetwas passiert.

Ja. Vom Mundartsänger Marco Kunz, dem «Ryan Gosling der Alpen», wie man hört.

Adilji: (lacht) Das kommentiere ich nicht.

Dieser «Alpen-Gosling» soll ja dem Vernehmen nach auf Frauen mit roten Lippen stehen. Zufälligerweise ist der rote Lippenstift Ihr Markenzeichen.

Adilji: Ja, schon lange. Als ich noch in der Kreuz-Apotheke in Zürich arbeitete, mussten wir uns vor Weihnachten schwarz anziehen mit rotem Foulard und roten Lippen. Irgendwie fand ich, das passte, und blieb dabei.

Ist das Unterhalten manchmal auch anstrengend?

Adilji: Es macht viel Spass. Aber das folgende ist an alle Joiz-Mitarbeiter gerichtet, die das jemals lesen werden: Es ist so mühsam, frei, lustig und spontan zu sein, während rundherum alle weiterreden. Ich wünsche mir jeden Tag, wir hätten ein geschlossenes Studio und niemals die Idee gehabt, von unseren Arbeitsplätzen im Newsroom aus zu moderieren. Wir dachten dummerweise, das sei fancy.

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