Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

«Ich kann nur sein, wie ich bin»

Komiker Peach Weber ist mit seinem 14. Programm «Gäx Bomb» unterwegs. Gespräch über Humor, Vorbilder und das Alter.
Robert Bossart
Peach Weber: «Wenn du nur den ganzen Tag Sprüche machst, nimmt dich niemand mehr ernst.» (Bild: NLZ/Boris Bürgisser)

Peach Weber: «Wenn du nur den ganzen Tag Sprüche machst, nimmt dich niemand mehr ernst.» (Bild: NLZ/Boris Bürgisser)

Wenn ich zu Bekannten sagte, ich würde Sie zum Interview treffen, hiess es meist: Den? Oh, Gott…

Peach Weber: Haben Sie alles Möchtegern-Intellektuelle als Freunde?

Eigentlich nicht.

Weber: Nein, im Ernst: Mindestens die Hälfte der Schweizer Bevölkerung findet das, was ich mache, nicht lustig. Aber das ist bei jedem Komiker so. Wenn du Schwein hast, sind es so viele, die dich gut finden, dass du davon leben kannst. Wenn nicht, musst du bei der Pro Helvetia anklopfen und um Geld bitten.

Eine Nachbarin sagte mir, dass sie nur schon laut lachen müsse, wenn Sie die Bühne betreten.

Weber: Es ist jeweils lustig, wie mich auf der Strasse manchmal Leute mit einem verschmitzten Lächeln anschauen.

Um ehrlich zu sein: Ich finde Ihre Witze manchmal ziemlich doof – muss aber dennoch fast immer lachen. Gibt es ein Mittel gegen Sie?

Weber: Ein Mittel gegen das Lachen gibt es nicht, nur solche, die sich nach dem Lachen genieren. Das sind diese Pseudo-Intellektuellen. Sie lachen zwar über die Art Gags, die ich mache, würden es aber nie zugeben.

Warum?

Weber: Weil man damit ein Risiko eingeht. Wenn einer sagt, dass er die und die Komiker gar nicht lustig findet, will er damit zeigen, dass sein Humor hochstehender ist. Sobald man zugibt, dass man einen Komiker gut findet, können alle sagen: Ist dein Humor auf so tiefem Niveau? Dabei gibt es nichts Gesünderes, als herzhaft zu lachen.

Gibt es auch Witze, die selbst Ihnen zu blöd sind?

Weber: Sicher, 80 Prozent der Witze – also die meisten – sind blöd.

Bei Ihnen im Programm auch?

Weber: Ich mache ja gegen 350 «Gäx» an einem Abend. Wenn das alles «Hammer-Gags» wären, würden die Leute nach 20 Minuten den Saal verlassen, weil sie Bauchweh haben (lacht). Du musst für ein zweistündiges Programm eine Dramaturgie finden, das ist schlussendlich die Kunst.

Sehen Sie sich als Künstler?

Weber: Nein. Es ist sicher etwas dahinter, das auch eine Art Kunst ist, aber nicht im Sinne von: Ach, ich bin ein Künstler! Ich sage ja immer, dass ich weder Gitarre spielen noch singen kann. Das einzige, was ich kann, ist davon leben. Das ist vielleicht meine Kunst: Mit dem wenigen, was ich kann, habe ich mich bisher 38 Jahre am Leben erhalten.

Wenn man Ihnen zuschaut, wie Sie auf die Bühne kommen, sich hinsetzen und einfach losplappern, hat man das Gefühl, dass der Peach Weber einfach aus dem Stegreif Witze erzählt. Stimmt das?

Weber: Du musst sehr viel daran arbeiten, damit es so aussieht, als ob es spontan sei. Ich kenne keinen Comedian, der einfach hinstehen kann und nichts vorbereitet hat. Wenn ich Schwein habe, findet man mich «en glatte Siech», sonst habe ich Pech gehabt. Kommt hinzu, dass ich nicht etwas mache, das andere nicht besser machen können.

Wie bitte? Sie sind DER Peach Weber, das kann keiner besser.

Weber: Viele Leute sind an einer Hochzeit oder an einem Geburtstag viel lustiger als ich. Aber wenn man die auf eine Bühne stellt, geht meist nichts mehr. Es ist ein Unterschied, ob man am Stammtisch die Leute zum Lachen bringt oder auf der Bühne.

Wie lustig ist es, ein Programm auf die Beine zu stellen? Haben Sie einen Regisseur?

Weber: Nein, das macht mich nur nervös, wenn da noch mehr Leute mitmischen.

Sie erarbeiten alles allein und gehen ohne Test vors Publikum?

Weber: Genau. Ich habe das immer so gemacht. Humor ist Geschmackssache. Wenn ich ein paar Gags super finde und zehn Personen frage, was sie davon halten, bekomme ich zehn verschiedene Antworten. Die einen finden es lustig, die andern nicht.

Also verlassen Sie sich vollständig auf Ihren eigenen Geschmack?

Weber: Auf meinen Geschmack und auf den des Publikums. Am ersten Abend mit einem neuem Programm habe ich stets etwa dreieinhalb Stunden vorbereitet, ich spiele aber nur gut zwei Stunden. Am zweiten Abend werfe ich die Nummern raus, die nicht so gut funktionierten und nehme anderes. Das Publikum entscheidet durch seine Reaktion, was bleibt und was nicht.

Sind Sie privat auch humorvoll oder eher ernst?

Weber: Wenn du nur den ganzen Tag Sprüche machst, nimmt dich niemand mehr ernst. Die interessantesten Leute sind Menschen, die Humor haben, aber auch ernsthaft sind. Dieter Hildebrandt war so einer. Er hat zwar knallhart politisches Kabarett gemacht. Aber er wusste, dass er zwischendurch mal einfach einen Kalauer einbauen musste, einfach etwas Lustiges.

Haben Sie Vorbilder?

Weber: Hanns Dieter Hüsch ist für mich einer der Grössten, ich wollte aber nie so werden wie er. Das traue ich mir nicht zu. Ich kann nur so sein, wie ich bin.

Können Sie selber herzhaft lachen?

Weber: Ja, ja. Meist über mich selber, wenn mir ein Missgeschick passiert. Erst fluche ich, dann lache ich.

Sie sind 61 und spielen Ihr 14. Programm. Was darf man erwarten?

Weber: Wem die letzten 13 Programme gefallen haben, der wird auch dieses mögen. Die anderen brauchen wohl gar nicht zu kommen.

Also setzen Sie auf Bewährtes?

Weber: Ich habe keine versteckten Talente, die ich hervorzaubern könnte. Wichtig ist, dass ich immer wieder mal ein Lied habe, das den Leuten in den Ohren haften bleibt. Diesmal habe ich besonders Freude an den Liedern; ich freue mich jeden Abend darauf, sie zu singen.

Wie arbeiten Sie?

Weber: Ich schreibe generell immer alles auf, was mir an Ideen einfällt, und lege die Zettel in eine Kiste. Wenn ich ein neues Programm erarbeite, nehme ich mir drei Monate Zeit. In dieser Phase brauche ich etwa 20 oder 21 gute Arbeitstage. Die kommen aber nicht hintereinander, darum dauert es drei Monate. An diesen Tagen gehe ich um halb acht ins Büro; wenn es gut läuft, arbeite ich manchmal bis Mitternacht. An anderen Tagen kann es sein, dass ich mittags aufhöre.

Sind Sie ein fleissiger Mensch?

Weber: Es gibt stressige Phasen, in denen ich viele Auftritte habe, dann gibt es vielleicht zwei Monate, in denen nichts läuft. Erfahrungsgemäss mache ich dann ziemlich viel. Weil ich nichts muss.

Und an einem freien Abend?

Weber: Fernsehen schauen kann ich schon seit Jahren nicht mehr. Ich klopfe mit der Tochter einen Jass, oder wir machen beide irgendwas nebeneinander her.

Wie gehen Sie mit dem Altern um?

Weber: Es ist nicht unbedingt ein Vorteil, älter zu werden, es tut dir jeden Morgen irgendwas weh. Aber es hat auch Vorteile: Mit dem Älterwerden habe ich gelernt, das, was ich mache, nicht mehr so ernst zu nehmen. Ich nehme es viel lockerer.

Di 21.10., Thurpark Wattwil; Mi 22.10, OZ Mühlizelg, Abtwil; Do 13.11., Casino Frauenfeld; Di 2.12., Widebaumsaal Widnau

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.