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Schauspieler Walter Andreas Müller: «Ich schaue nicht gerne in den Spiegel, auch übe ich nie davor»

Der Schweizer Schauspieler Walter Andreas Müller spielt im Muscial «Hello, Dolly!» die Rolle des Horace Vandergelder. Er spricht über Selbstzweifel, heimliche Träume und Lampenfieber.
Desirée Müller
Walter Andreas Müller spielt bereits zum sechsten Mal am Theater St.Gallen. (Bild: Thomas Harry)

Walter Andreas Müller spielt bereits zum sechsten Mal am Theater St.Gallen.
(Bild: Thomas Harry)

Es klopft an der Tür der nüchtern eingerichteten Künstlergarderobe von Walter Andreas Müller. «Hereinspaziert!», ruft dieser und lässt das «R» theatralisch rollen. Ein Schauspielkollege tritt mit einem glamourösen Auftritt ein und tauscht sich kurz mit WAM, wie Walter Andreas Müller genannt wird, über die bevorstehende Vorstellung des Musicals «Hello, Dolly!» aus. Auf den Gängen des verwinkelten Theaters St. Gallen werden derweil Kostüme von A nach B auf rollenden Kleiderstangen transportiert und Requisiten herumgetragen. Küsschen und Umarmungen werden verteilt, einige begrüssen sich mit «Maestro!» oder einem herzlichen Schulterklopfen. Eine grosse Theaterfamilie.

Wenn das innere Zittern beginnt

Die Nervosität beim Hauptdarsteller hält sich eine Stunde vor Beginn der Vorstellung noch in Grenzen. Das «grosse innere Zittern», wie Müller sein Lampenfieber beschreibt, lässt sich heute Zeit. «Sobald ich die erste Reaktion des Publikums spüre – erst dann kann ich mich vollends entspannen.» Der 73-Jährige sitzt vor einer Reihe Spiegel, sieht sich aber nie darin an.

«Ich schaue nicht gerne in den Spiegel. Auch übe ich nie davor. Zu viele Dinge an meinem Gesicht würden mich nerven.»

In diesem Moment schiebt er seine Unterlippe vor, beugt sich etwas nach vorne und parodiert Christoph Blocher. Die Oberlippe wandert dann nach links oben und die vormals tiefe, dumpfe Stimme bekommt auf einmal etwas Krächziges, Nasales. Man hat nun das Gefühl, als ob Altbundesrat Moriz Leuenberger vor einem sitzt. «Ich brauche mich nicht zu sehen, um in Rollen zu schlüpfen. Wenn ich einen Menschen anschaue, kann ich ziemlich schnell sagen, ob ich ihn parodieren kann oder nicht.» Auch seine Grösse (1,62 m) macht WAM heute noch zu schaffen. Wenn auch weniger als in seinen schauspielerischen Anfängen.

Etwas mit Musik soll es sein

«Mein Wunsch war es immer, Opernsänger zu werden. Aber wer möchte einen Opernsänger mit meiner Statur auf der Bühne sehen?» Dass er irgendetwas mit Musik machen wollte, war ihm aber schon immer klar. So entschied sich Walter Andreas Müller für eine Ausbildung zum Verlagskaufmann bei der Musik Hug AG. Eine Arbeitskollegin aus der Buchhaltung sah mehr im angehenden Kaufmann und motivierte WAM, mehr seiner künstlerischen Ader nachzugehen. «Ich parodierte schon damals gerne Leute. In dem Fall halt die lieben Kollegen», sagt er und schmunzelt.

Vom Radio zum Fernsehen

Nach der Ausbildung besuchte WAM eine kaufmännische Schule in London. Er nahm sich bei seiner Rückkehr in die Schweiz den Rat der Arbeitskollegin zu Herzen und bewarb sich an der heutigen Zürcher Hochschule der Künste. Prompt wurde er in der Schauspielklasse angenommen.

«Es fehlte mir der Mut, voll auf den Gesang zu setzen.»

Doch im Rahmen der Ausbildung wurde Musik als Nebenfach unterrichtet. Dass er heute als Musicaldarsteller schauspielern und singen kann, bedeutet ihm viel. Bis dahin war es aber ein langer Weg, der mit dem Ansagen von Opern im damaligen Schweizer Radio DRS begann. Doch auch dort gab es Menschen, die sein Talent sahen und ihn unterstützten. So ging sein Engagement beim Radio schon bald über die Anmoderation der Opern hinaus. Und dann wurde auch das Schweizer Fernsehen auf den jungen WAM aufmerksam. In 100 Folgen spielte er schliesslich eine der Hauptfiguren in der ersten Schweizer TV-Serie «Fascht e Familie» und später bei «Lüthi und Blanc».

Einsatz im Bundeshaus vorbei

Mit Birgit Steinegger spielte Müller 28 Jahre zusammen in der Satiresendung «Zweierleier» auf Schweizer Radio DRS. In der Sendung «Viktors Spätprogramm» brachten sie das Publikum mit Parodien von Politikern (meist Bundesräte) zum Lachen. «Heute hat es keinen mehr im Bundeshaus, den ich parodieren kann. Es wäre nicht glaubhaft, zum Beispiel in die Rolle des viel jüngeren Berset zu schlüpfen. Diese Ära ist vorbei», sagt WAM. «Dafür öffnen sich wieder neue Türen, und ich habe auch mehr Zeit für die Bühne.» Es ist bereits die sechste Produktion, bei der Walter Andreas Müller im Theater St. Gallen mitwirkt.

«In der Stadt werde ich beim Einkaufen oft angesprochen oder einfach mit ‹Grüezi Herr Müller› gegrüsst. In Zürich oder Basel passiert mir das höchst selten. Mir gefällt diese Freundlichkeit.»

Mit der Hauptrolle des Horace Vandergelder im Musical «Hello, Dolly!» geht für WAM ein Traum in Erfüllung. Es ist eine von zwei Rollen, die auf seiner schauspielerischen Wunschliste stehen. Seinen Traum hatte er niemandem anvertraut. «Daher war es ein Wunder, dass das Theater St. Gallen auf mich zukam.» Er nahm das Angebot ohne zu zögern an und begann mit dem Lernen der Texte. Anfangs alleine im Büro in seinem Haus in Zürich. Später bei Waldspaziergängen, wo er auch gerne lautstark die Lieder probt.

Das Musical «Hello, Dolly!» ist in einer Inszenierung von Josef E. Köpplinger zu sehen, mit Dagmar Hellberg in der Titelrolle und mit WAM in der Rolle des Horace Vandergelder. (Bild: PD)

Das Musical «Hello, Dolly!» ist in einer Inszenierung von Josef E. Köpplinger zu sehen, mit Dagmar Hellberg in der Titelrolle und mit WAM in der Rolle des Horace Vandergelder. (Bild: PD)

Selbstzweifel trotz Erfolg

Parallel zu den «Hello, Dolly!»-Proben liefen die Vorsprechen für das Musical «Ich war noch niemals in New York». Er sah sich immer schon in einer bestimmten Rolle und wollte sie unbedingt. WAM wurde zum Vorsprechen eingeladen und reiste für die zweite Castingrunde sogar nach Berlin. «Als dann die Nachricht kam, dass sie sich für jemand anderen entschieden haben, war ich wirklich sehr enttäuscht.» Walter Andreas Müller neigt trotz seines grossen Erfolges zu Selbstzweifel und kämpft mit Unsicherheiten. Kommt er gut bei einem Stück an, setzt er sich unter Druck, um beim nächsten noch besser zu werden. «Auch wenn man die Rollen oft überhaupt nicht vergleichen kann. Ich möchte einfach, dass das Publikum Freude an dem hat, was ich mache.»

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