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Alois Prinz hat ein neues Buch über Dietrich Bonhoeffer verfasst

Der deutsche Biograf Alois Prinz hat über Persönlichkeiten wie Ulrike Meinhof und Franz Kafka geschrieben. Für sein neustes Buch über den Theologen Bonhoeffer forschte er auch in intimen Liebesbriefen.
Gabriela Jordan
Der Schriftsteller Alois Prinz vor dem Hotel Hammer in Eigenthal. (Bild: Boris Bürgisser (9. Juni 2018))

Der Schriftsteller Alois Prinz vor dem Hotel Hammer in Eigenthal. (Bild: Boris Bürgisser (9. Juni 2018))

Hermann Hesse, Joseph Goebbels, Hannah Arendt, Teresa von Avila, Ulrike Meinhof, Franz Kafka. Es sind in der Regel keine leichten Figuren, die sich der deutsche Schriftsteller Alois Prinz (59) aussucht. Basierend auf Akten, historischen Dokumenten und persönlichen Briefen hat er bislang die Lebensgeschichten von über zwanzig Persönlichkeiten erzählt. Das Spektrum reicht dabei vom Heiligen bis zum Verbrecher. Für seine Biografien wurde Prinz, der seine Laufbahn als Journalist begann, bereits mehrfach ausgezeichnet. «Die Person muss mich zugleich interessieren und irritieren. Sie muss bei mir Fragen aufwerfen. Wenn sie mich langweilt, dann ist dies das Ende», so der Schriftsteller.

Vielleicht nicht gerade irritiert, aber sicherlich fasziniert, ist Prinz von der Figur in seinem neuesten Werk. Dieses hat er kürzlich im Hotel Hammer in Eigenthal vorgestellt und sich davor Zeit für ein Gespräch mit unserer Zeitung genommen. In «Bonhoeffer – Wege zur Freiheit» geht es um den aus privilegierten Verhältnissen stammenden Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906–1945), einen Überflieger, der Zeit seines Lebens seinen eigenen Glauben sucht und Nächstenliebe vorlebt wie kein anderer. Als die Nazis die Macht übernehmen, wird er mit der Entscheidung konfrontiert, ob er sich mit dem Unrechtssystem arrangiert, oder aber seine Werte vertritt. Bonhoeffer entscheidet sich für Letzteres – und bezahlt dafür mit dem Leben. Kurz vor Kriegsende wurde er ermordet.

Selbst von Goebbels konnte Alois Prinz etwas lernen

«Bonhoeffer hat mich beeinflusst mit seiner grossartigen Ernsthaftigkeit, wie er sich den Problemen gestellt und sich in den Widerstand eingebracht hat», erzählt Prinz mit ruhiger Stimme. Doch nicht nur Bonhoeffer, auch all seine anderen Figuren hätten ihn nachhaltig beeinflusst. «Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass man aus einem Buch als anderer Mensch rauskommt, als man reingekommen ist.» So habe er etwa auch vom Propagandaminister Goebbels etwas lernen können. «Man beginnt zu begreifen, was einen Menschen in eine solche Richtung treiben kann. Und man ist mehr auf der Hut vor Propaganda, ein Thema, das mit Werbung und Social Media heute gar nicht so weit weg ist, wie es vielleicht scheint.»

«Die Figuren sind ein Teil meines Lebens geworden. Das klingt jetzt etwas pathetisch, aber es ist so.»

Schreibt Alois Prinz an einem neuen Buch, dann «okkupiert es ihn Tag und Nacht». Er versucht, sich dabei ganz in die andere Zeit und ganz in das andere Leben hineinzuversetzen. «Man fühlt mit der Person, und man hat das Gefühl, man kennt sie auch.» Prinz geht sogar so weit, zu sagen, dass er seine Figuren besser kennt als manche seiner eigenen Freunde. Bei Bonhoeffer zum Beispiel hat er durch die Briefe, die dieser im Gefängnis für seine Verlobte Maria verfasst hatte, Einblick in intimste Momente erhalten. Beschrieben wird darin zum Beispiel eine Szene, als sich die beiden – von Wärtern beobachtet – zum ersten Mal küssen. «Da fühlte ich mich ganz stark als Eindringling.» Durch diese Nähe seien diese Figuren ein Teil seines Lebens geworden. «Das klingt jetzt etwas pathetisch, aber es ist so.»

Diese Frage der Nähe ist es auch, die Prinz als entscheidend bezeichnet. Demnach lässt jede Person nur eine bestimmte Nähe zu, Bonhoeffer zum Beispiel liess die Menschen nur bis zu einem gewissen Punkt an sich heran. Dies gelte es beim Schreiben zu respektieren. «Ich würde mich versündigen, wenn ich nur meine eigene Neugier stillen würde. Einem Leben gerecht zu werden, ist eine grosse Verantwortung.»

Aktuelles Projekt: Martin Luther King

Wenn Prinz, wie kürzlich im Eigenthal, Vorträge über seine Figuren hält, dann versucht er wieder, vollkommen in deren Leben einzutauchen. Ganz einfach sei dies nicht. Denn oft habe er diverse Veranstaltungen nacheinander, mal eine über Goebbels, dann wieder eine über Meinhof. Meist recherchiere er zudem schon an einer neuen Geschichte – aktuell arbeitet er an «etwas Grösserem» über Martin Luther King. In Bonhoeffer einzutauchen, schien ihm beim Gespräch im Hotel Hammer jedoch keine Schwierigkeiten zu bereiten. Zumindest blendete er die urchige Atmosphäre samt Ländlermusik von der ersten Minute an mühelos aus und wandte sich sogleich schweren Themen wie Totalitarismus zu.

Dass Prinz Schriftsteller wurde, ist alles andere als selbstverständlich. Er stammt aus einer Handwerkerfamilie aus Niederbayern, in der es keine Bücher gab und Lesen fast verpönt war. «Ich bin quasi das schwarze Schaf der Familie», meint er lachend. «Niemand aus meiner Familie hat meine Bücher gelesen. Ich kann ihnen das nicht mal vorwerfen – es ist einfach nicht ihre Welt.»

Alois Prinz (59) studierte in München Germanistik, Politologie, Kommunikationswissenschaften und Philosophie. Parallel dazu absolvierte er eine journalistische Ausbildung und promovierte 1988 mit einer Arbeit über die 68er Studentenbewegung und ihren Einfluss auf die Literatur. Bis 1994 arbeitete er als freier Journalist. Seither konzentriert er sich auf das Schreiben von Büchern. Sein Schwerpunkt liegt auf Biografien, die sich an Jugendliche und Erwachsene wenden. Alois Prinz lebt er mit seiner Familie in der Nähe von München.

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