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«Ich dachte: Geil, da mache ich mit» - Jugendliche prägen «Cybercity» des Luzerner Theaters

Nicht alle haben durchgehalten. Sie schon: Drei Jugendliche erzählen von einer sehr intensiven Entstehung und der Idee des multimedialen Theaterprojekts «Cybercity» in der Viscosistadt. Am 9. März ist Premiere.
Interview: Céline Graf
Haben viel Zeit investiert: Mahdi Abedi, Oliver Wasem und Iris Grüter spielen in «Cybercity» mit. (Bild: Boris Bürgisser, 27. Februar 2019)

Haben viel Zeit investiert: Mahdi Abedi, Oliver Wasem und Iris Grüter spielen in «Cybercity» mit. (Bild: Boris Bürgisser, 27. Februar 2019)

Iris Grüter (20), Luzern, beginnt demnächst die Lehrerausbildung, Oliver Wasem (17), Udligenswil, absolviert ein Praktikum als Gärtner, Mahdi Abedi (26), Luzern, will Film studieren. Sie sind drei von rund 30 jungen Leuten, die unter der Regie von Mirko Borscht drei Hallen in der Viscosistadt Emmenbrücke in eine futuris­tische Stadt verwandeln. Als Mensch-Roboter-Hybride lotsen sie die Besucher durch ein bizarres Experiment, das aus einem Science-Fiction-Film sein könnte.

Gab es ein Casting?

Grüter: Nein, jeder durfte sich anmelden für das Projekt. Der Start war im Herbst 2018 im Kulturkeller Winkel (Raum für Junges Theater des Luzerner Theaters und der HSLU, Anm. d. Red.). Es war dunkel und überall lagen Zettel mit Textfetzen herum.

Was war Ihre Motivation?

Grüter: Für mich war es eine Chance, ausserhalb der Schule Theater zu spielen. Und die ersten Eindrücke waren interessant.

Abedi: Ich kam durch einen Freund dazu. Ich möchte Film studieren und wollte bei einem Schauspiel mitmachen.

Wasem: Im Rahmen eines Arbeitslosenprogramms fanden drei Workshops zu «Cybercity» statt. Einen habe ich besucht. Das war ein dunkler Raum im Südpol mit krassen Bildern, herumliegenden Prothesen, Blitzlicht ... ich fand es etwas verstörend und dachte: Geil, da mache ich mit.

Was spielen Sie?

Wasem: Eigentlich habe ich mich fürs Bühnenbild eingetragen. Aber irgendwann rief mich der Regisseur an und sagte, er habe eine Rolle für mich. Ich bin ein Nail. Das sind Menschen, die aus unserer Welt in die Cybercity geflüchtet sind. Mit technischer Hilfe können sie in andere Leben und Träume schlüpfen.

Grüter: Ich bin ein Cyborg. Sie sehen sich als Übermenschen, «Menschen der Zukunft». Sie lenken und kontrollieren die Stadt und halten lange, sinnlose Ansprachen. Das System zielt dar­auf ab, alle Bewohner zu Nails und dann zu Cyborgs zu machen.

Abedi: Ich bin auch ein Nail, ein Zimmermann, der sich zu Hause übersehen fühlte. Er ist hergekommen, um Gerechtigkeit zu suchen und in Frieden zu leben. Mit der Zeit ändert er aber seine Haltung zur Cybercity.

Gefallen Ihnen die Rollen?

Wasem: Meine Figur ist rebellisch. Das passt zu mir. Ich hinterfrage gerne Dinge und provoziere auch mal.

Grüter: So, wie die Rolle am Anfang im Drehbuch stand, mochte ich sie nicht. Es hiess zuerst, wir könnten noch andere Rollen ausprobieren. Daraus wurde zwar nichts, aber der Cyborg hat sich weiterentwickelt. Wir konnten für unsere Rollen zudem Hintergrundgeschichten ausdenken und sie so umarbeiten, wie wir sie spielen möchten.

Abedi: Grundsätzlich finde ich es schwierig, zu schauspielern, weil ich es zum ersten Mal mache. Andererseits kann ich mich gut hineinversetzen in die Nails.

Inwiefern?

Abedi: Nach Cybercity kommen Menschen, die an einem Endpunkt angelangt sind. Sie wissen nicht mehr weiter wegen Enttäuschungen, Leiden, Problemen.

Wäre für Sie selber eine Cyber­city eine gute Vorstellung?

Wasem: Ich verstehe den Reiz, den sie hat. Es müsste einfach sein wie beim Gamen: Man kann es an- und abschalten. Im Stück geht das nicht.

Grüter: Finde ich auch. Ich bräuchte eine Sicherheit, dass ich zurückgehen könnte.

Abedi: Der Punkt ist, in der realen Welt Hoffnung zu geben. Zu sagen, es geht trotzdem weiter. Scheitern ist nicht schlimm. Von jung an sollte man das lernen.

Wie intensiv war das Projekt für Sie persönlich?

Wasem: Sehr. Wir hatten seit den ersten Workshops im November jede Woche Proben, meist am Wochenende.

Grüter: Vor allem seit Weihnachten waren es viele und oft auch lange Probetage.

Haben alle durchgehalten?

Grüter: Vom ersten Treffen sind nur noch drei oder vier der Schauspieler dabei. Der Probeplan war für viele zu zeitaufwendig.

Wie ist die Arbeit mit dem Regisseur Mirko Borscht?

Abedi: Er geht sehr geduldig und empathisch mit uns um. Das motiviert mich.

Grüter: Ich finde es gut, dass wir Texte nicht wörtlich auswendig lernen müssen, sondern anpassen und improvisieren können.

Wasem: Man darf sich sogar mal einen Scherz mit dem Kamerateam erlauben oder so. Ich brauche aber eher mehr Vorgaben von der Regie.

Grüter: Wir können Mirko immer fragen, falls wir Hilfe bei der Umsetzung unserer Ideen brauchen.

Abedi: Es ist wie in der Cybercity. Die Chefs geben uns bedingungslose Freiheit. Und wir müssen schauen, was wir damit machen.

Premiere von «Cybercity»: Samstag, 9. März, 19.30 Uhr. Vorstellungen bis 18.4. Öffentliche Proben: 7. und 8. März (Anmeldung nötig). Eingang: Spinnereistrasse 3, Emmenbrücke.

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