Interview

«Ich dachte, 2020 wird mein Jahr»: Marius Bear hatte Corona – er trotzt der Isolation mit neuer Musik

Er war früher als Strassenmusiker unterwegs, lebte in London – und wanderte vom WK direkt in die Quarantäne: Wie der Appenzeller Singer/Songwriter und Swiss-Music-Award-Preisträger Marius Bear den Alltag im Zeichen des Virus bestreitet.

Christoph Sulser
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Der Appenzeller Marius Bear (27, bürgerlich Hügli) ist mit seiner Freundin nach St.Gallen umgezogen.

Der Appenzeller Marius Bear (27, bürgerlich Hügli) ist mit seiner Freundin nach St.Gallen umgezogen.

(Bild: Ralph Ribi)

Sie waren selbst vom Corona­virus betroffen und haben eine zweiwöchige Quarantäne hinter sich. Wie geht es Ihnen heute?

Marius Bear: Ich bin wieder gesund, mir geht’s tipptopp. Ich und meine Freundin haben die Zeit nach unserer Selbstquarantäne bis jetzt auch sehr gut genutzt und sind sogar nach St.Gallen umgezogen.

Mit «Now Or Never» haben Sie ausserdem einen neuen Song veröffentlicht.

Dieser Song war ursprünglich dazu gedacht, von meiner Seite aus das Jahr einzuläuten. Ich dachte, 2020 wird mein Jahr, da wir schon für viele Shows und Festivals gebucht wurden, die jetzt halt leider nicht stattfinden. Es war auch der erste Song, den ich im neuen Jahr geschrieben habe – und jetzt passiert so etwas.

Um was geht es im Lied?

In dem Song geht es um den «Spirit». Es geht genau darum jetzt in so schwierigen Zeiten zusammenzuhalten und Menschen zu vereinen. Er soll auch ein wenig die Zeit nach dieser ganzen Isolation einläuten. «Now Or Never» bedeutet ja «Jetzt oder Nie». Deshalb ist er auch ein Appell an mich selbst und an andere, wieder einmal aufzuräumen: Ob Gartenarbeit, Zimmer ausmisten oder eine neue Sprache lernen – jetzt gibt es keine Ausreden mehr, wir haben Zeit!

Zum Song haben Sie ein Video veröffentlicht. Können Sie etwas darüber sagen?

Auch da mussten wir ein wenig umdisponieren. Wir hatten eigentlich geplant, grosse Menschenmassen zu zeigen wie in Fussballstadions, auf Konzerten oder einfach Menschen, die zusammenkommen. Doch als das Coronavirus dann nach Europa kam, sich langsam ausbreitete und die ersten Länder Ausgangssperren verhängten, fand ich es nicht mehr passend, eben jetzt solche Bilder zu zeigen. Uns wurde ja genau das Gegenteil geraten. Deshalb haben wir das Video nochmals neu zusammengeschnitten, um diese Stimmung der Isolation besser herüberzubringen.

Viele machen momentan Homeoffice. Wie erleben Sie diese Zeit als Musiker?

Ich kann natürlich nur begrenzt Homeoffice machen, da ich keine Shows spielen kann. Darum kommt zurzeit auch kein Geld rein. Jedoch habe ich vorläufig noch Erspartes für die nächsten paar Monate. Nach meiner Quarantäne habe ich wieder mit Songwriting-Sessions begonnen, die wir meist via Zoom-Meetings machen. Das klappt ganz gut. Wir Künstler sind ja kreativ, wenn es um Musik geht. Ich habe auch ein paar Live­streams gemacht via Instagram und Facebook. Jedoch bin ich kein Fan davon und habe wieder aufgehört.

Weshalb?

Ich möchte Kontakt zu meinen Mitmenschen haben, wenn ich ihnen mein Herz ausschütte. Deshalb fokussiere ich mich zurzeit mehr auf das Schreiben und Produzieren von neuen Songs und warte wohl oder übel ab, bis das Ganze durch ist.

Sie sagten einmal, dass Sie täglich einen neuen Song schreiben. Was inspiriert Sie?

Zurzeit ist es sehr schwierig für mich, Inspiration zu finden, da ich diese von meinem Umfeld hole. Konzerte, Ausgang und Kontakte mit anderen Menschen sind fast immer meine Inspiration. Da waren die letzten Wochen Isolation nicht sehr hilfreich. Jedoch habe ich mich langsam daran gewöhnt und nun bin ich wieder voll dran.

Wird es in diesem Jahr weitere Veröffentlichungen geben?

Wir werden uns vorläufig auf unsere Single «Now Or Never» fokussieren. Ich bin fast ein wenig froh, dass ich wieder einmal Zeit habe, mich ausschliesslich mit Songs, Produzieren und Songwriting befassen zu können. Vor der Coronakrise war der Kalender doch sehr voll. Ich hatte nicht mehr so viel Zeit, mich mit der Musik selbst zu befassen, da es als selbstständiger Musiker noch tausend andere Dinge zu tun gibt. Ich hoffe, dass ich Ende Jahr genügend neues Material zusammen habe, um ein weiteres Album oder eine EP zu veröffentlichen.

Video

Marius Bear: «Ich bin nicht sonderlich Award-geil»

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Michael Graber