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Jungschauspieler am Luzerner Theater: «Ich bin schüchtern»

Julian-Nico Tzschentke bleibt nach einem Jahr Praktikum weiter im Ensemble des Luzerner Theaters. Der deutsche Schauspieler, zu sehen im Stück «Bunkern», spricht über Sicherheit, Schüchternheit und eine entscheidende Sekunde auf der Bühne.
Céline Graf
Schauspieler Julian-Nico Tzschentke erzählt im Stück «Bunkern» auch von sich selber. (Bild: Pius Amrein, Kriens, 25. Mai 2019)

Schauspieler Julian-Nico Tzschentke erzählt im Stück «Bunkern» auch von sich selber. (Bild: Pius Amrein, Kriens, 25. Mai 2019)

Mit seinem schelmischen Blick, von schräg unten, sagt Julian-Nico Tzschentke, während er sich die schon wieder erloschene selbstgedrehte Zigarette anzündet: «Ich habe Schauspiel nie als unsicheren Weg empfunden.» Zwar muss er bescheiden leben. Ohne Unterstützung der Eltern und einen Kredit hätte er sich die Schauspielschule in Zürich nicht leisten können. Doch er gewichtet beim Beruf die emotionale Sicherheit höher als die finanzielle. «Theater mache ich mit ganzem Herzen, es erfüllt mich. Das macht mich viel sicherer, als wenn ich etwa hinter einem Bankschalter stehen würde.»

Am Luzerner Theater hat der 25-jährige Tzschentke aus Frankfurt am Main diese Saison ein Jahr Praktikum gemacht. Diese Möglichkeit haben Studierende im Master Schauspiel und Theater der Zürcher Hochschule der Künste. Der Praktikumslohn entspricht zirka der Miete einer günstigen Dreizimmerwohnung in einer teuren Stadt – plus ECTS-Punkte für zwei Semester.

Die Freiheit, alles auszuprobieren, ist vorbei

«Ich habe mir im Studium angewöhnt, unter meinem Bett immer eine Tasche mit haltbarem Essen zu horten, falls Ende Monat einmal das Geld nicht reichen sollte», sagt Tzschentke. Dies wird er auch in «Bunkern» verraten. Das Recherchestück, das am Mittwoch Premiere hat, handelt vom menschlichen Bedürfnis nach absoluter Sicherheit. Und von der Gewissheit, dass es diese nicht gibt. Die drei Schauspieler Julian-Nico Tzschentke, Sofia Elena Borsani und Adrian Furrer haben es gemeinsam mit der Regisseurin Corinne Maier verfasst und inszeniert.

Tzschentke ist ein ehrgeiziger Schauspieler, der sich nicht schnell zufriedengibt. «Es muss halt geil sein», sagt er einmal in der Serie «Die Schauspielschüler». Das Schweizer Fernsehen begleitete seine Bachelorklasse an der ZHdK zwischen 2014 und 2016 mit der Kamera. Tzschentke sticht in der Sendung heraus als einer, der impulsiv und intensiv an die Arbeit geht. Er hat ein Talent für Komik, mit und ohne Rolle bringt er andere leicht zum Lachen. Doch wenn er nur als «der Lustige» angesehen wird, versetzt ihm das einen Stich. «Da ist viel mehr drin.»

Langsam ist die grosse Freiheit, als Student alles auszuprobieren, vorüber. «Jetzt muss ich es anwenden.» Das Praktikum in Luzern hat ihm gezeigt: Aus der Ausbildung hat er ein Handwerk mitgenommen, auf das er zurückgreifen kann. Am Luzerner Theater konnte er vor allem das Selbstbewusstsein aufbauen, auch als Neuling ein gleichberechtigter Teil der Gruppe zu sein. «Aber mit Lernen ist man nie fertig. Das ist das Tolle.»

Fussball war der andere Plan

Er denkt laut weiter, als philosophiere er am Küchentisch mit Freunden und Dosenbier. «Was mich interessiert, ist das Suchen. Mich interessieren auch nur Leute, die suchen. Jemand, der sagt, er habe die Welt verstanden, lügt eh.» Dazu fällt ihm der Dichter Friedrich Hölderlin ein: «Wir sind nichts; was wir suchen, ist alles.» Und ein Fussballtrainerzitat: «Die Fussballer von heute wollen alle was sein, früher wollten sie was werden.» Tzschentke wollte selber Profifussballer werden. Dann spielte er plötzlich mehr Theater als Fussball, angefangen am Jungen Schauspiel Frankfurt. Kürzlich hat er das Angebot des Luzerner Theaters angenommen, für zwei weitere Saisons im Ensemble zu bleiben.

Trotz all seiner Fortschritte: An den Moment, wenn er die Bühne betritt, gewöhnt sich Julian-Nico Tzschentke nie ganz. «Ich bin schüchtern.» Da ist eine Angst, ausgeliefert zu sein. Eine Angst, für seinen Körper, seine Sprechweise bewertet zu werden. «Ich bewerte ja auch jeden, dem ich zuschaue.» Die Konfrontation und Überwindung fühlt sich umso befreiender an. Die besten Momente sind die, in denen er dem Publikum eine Sekunde voraus ist. «Wenn ich weiss, wie es reagiert auf die nächste Bewegung, den nächsten Satz.» Er blickt auf. «Ich rede so viel. Rede ich nicht zu viel?» Die Zigarette ist noch lange nicht zu Ende.

«Bunkern» läuft ab Mittwoch bis zum 14. Juni total neun Mal in der Box. VV: www.luzernertheater.ch

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