«Ich bin nur die Regisseurin»

Mit dem medienkritischen Finanzthriller «Money Monster» hat Jodie Foster ihren vierten Kinofilm als Regisseurin realisiert. Und begründet, warum sie nicht auch selber mitspielt.

André Wesche
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Besprechung unter Stars: Jodie Foster mit George Clooney. (Bild: pd)

Besprechung unter Stars: Jodie Foster mit George Clooney. (Bild: pd)

Frau Foster, in «Money Monster» sind die Frauen die starken Charaktere. Um das zu erreichen, mussten Sie das Originaldrehbuch allerdings umschreiben.

Jodie Foster: Vielleicht wäre «Tiefe verleihen» das passendere Wort. Weibliche Charaktere sind traditionell sehr einfach und unkompliziert geschrieben. Man muss ihnen zusätzliche Facetten geben und ich bin gern dazu bereit. Kein Problem. Ich glaube, ich habe das mit den meisten Frauenfiguren getan, die ich als Schauspielerin dargestellt habe. Und ich mache es regelmässig bei den Stoffen, die ich als Regisseurin inszeniere.

Das Projekt wurde freigegeben, als die Zusagen von Julia Roberts und George Clooney vorlagen. Hat Ihr Name nicht ausgereicht?

Foster: Es ist keine Überraschung, dass Mainstreamfilme mit einem grösseren Budget erst grünes Licht bekommen, wenn Stars mitwirken. Ich bin hier nur die Regisseurin, das zählt nicht. Niemand würde sich einen Film ohne Stars anschauen, nur weil ich ihn inszeniert habe. Es hängt von der Grösse des Projektes ab. Ein Film wie dieser braucht Ressourcen, es gibt Waffen, Bomben und Helikopter, all diese Kameras und Monitore. Das lässt sich ohne Geld nicht verwirklichen. Wenn man mir gesagt hätte, ich müsse diesen Film für einen Apfel und ein Ei drehen, hätte ich auch gewusst, wie es geht. Aber es gäbe weniger Schauwerte.

Haben Sie eine Vorliebe für temporeiche Geschichten?

Foster: Ja, alle meine Filme sollen sehr schnell, wortreich und von einem Ensemble erzählt werden. Das ist wohl meine Sprache und natürlich Geschmackssache. Dieser Film sollte besonders temporeich voranschreiten, genau wie die Technologien, von denen er erzählt. «Money Monster» reflektiert die Entwicklung.

Als Schauspielerin sieht man Sie in erster Linie in Mainstreamfilmen, Ihre eigenen Werke hingegen sind eher im Independent-Sektor angesiedelt. Wie kommt das?

Foster: Es stimmt, ja. Insofern ist «Money Monster» ein Experiment für mich als Regisseurin, denn es ist ein Mainstreamfilm. Vielleicht passe ich als Schauspielerin besser in Mainstreamfilme. Dort bevorzuge ich Geschichten über Einzelpersonen. Ich mag Dramen, die sich mit der Angst auseinandersetzen. Als Regisseurin gefallen mir Ensemblefilme. Aber ich bin offen dafür, verschiedene Dinge auszuprobieren. Meine Regiekarriere ist noch jung, ich habe erst vier Filme inszeniert.

Stimmt es, dass die Schauspielerei für Sie nicht mehr interessant ist?

Foster: Ich fühle mich immer mal wieder ausgebrannt, das passiert mir in regelmässigen Abständen. Ich habe mitunter vier Jahre Pause eingelegt. Ich bin mir sicher, dass ich auch wieder vor der Kamera stehen werde. Ich mache das seit fünf Jahrzehnten und ich kann mir nicht vorstellen, jetzt damit aufzuhören. Aber nun ist es für mich erst einmal an der Zeit, mich auf das Regieführen zu fokussieren.

Hatten Sie nie den Gedanken, Julia Roberts' Rolle selbst zu spielen?

Foster: Nicht wirklich. Julia ist phantastisch, wer könnte sie ersetzen? Als sie zusagte, gab es keinen Grund mehr, weiterzusuchen. Ich wollte auch nicht mehr gleichzeitig Regie führen und mitspielen. Ich habe das zweimal gemacht und das war sehr hart. Ich glaube, ein Film leidet unter dieser Doppelbelastung.

George Clooney hat kein Problem damit, einen Narren aus sich zu machen. Der Film zeigt unter anderem, dass er nicht der beste Tänzer ist. Stimmt es, dass er diese Szenen selbst angeregt hat?

Foster: Ja, das ist wahr. George sagte, dass seine Figur ein paar Tanz-Moves draufhaben sollte. Ich habe dem Choreographen gesagt, dass es nicht wie eine perfekte Las-Vegas-Tanzeinlage aussehen dürfe. Sie haben eine gewisse Zeit miteinander verbracht. Aber was Sie sehen, sind die Dinge, die George sich definitiv selbst ausgedacht hat.

«Money Monster» läuft ab Donnerstag in den Kinos