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Interview

Der St.Galler Steven Schoch war Finalist beim 9. Performancepreis Schweiz: «Ich verstehe mich nicht als Entertainer»

Obwohl der 32-Jährige den Preis nicht gewonnen hat, hält sich seine Enttäuschung in Grenzen.
Christina Genova
Steven Schoch, Finalist beim Performancepreis Schweiz. (Bilder: Emmanuelle Bayart)

Steven Schoch, Finalist beim Performancepreis Schweiz. (Bilder: Emmanuelle Bayart)

Der St.Galler Steven Schoch zeigte eine Performance in der Endausscheidung des Performancepreis Schweiz in Aarau. Als einer von sieben Kunstschaffenden und einziger männlicher Performer war der 32-Jährige aus 100 Bewerbern ausgewählt worden. Gewonnen hat schliesslich die junge Westschweizerin Davide-Christelle Sanvee.

Sind Sie enttäuscht, dass Sie nicht gewonnen haben?

Steven Schoch: Nicht so sehr. Einerseits, weil das Niveau der anderen Positionen hoch war. Andererseits, weil ich vom Publikum schönes Feedback erhalten habe und meine Auftritte gut gelaufen sind. Es war eine mächtige Stimmung im Raum. Das hat mein Herz erfüllt und das habe ich mit nach Hause genommen.

Ein Fahnenwurf wider den Zwang zum Genuss.

Ein Fahnenwurf wider den Zwang zum Genuss.

Zu Beginn Ihrer 40-minütigen Performance begrüssten Sie jeden Besucher mit einem Händedruck. Warum?

Es ist eine Strategie, um Nähe herzustellen. Als Performer nehme ich die Rolle des Entertainers ein und versuche, eine Beziehung zum Publikum aufzubauen. Ich verstehe mich aber nicht als Entertainer, es ist für mich Mittel zum Zweck.

Worum geht es Ihnen dann?

Mich interessiert, was bei menschlichen Begegnungen passiert. In meinen Performances verbinde ich häufig wissenschaftliche Erkenntnisse mit Esoterik. Ich versuche, chemische Prozesse, die in unserem Körper ablaufen und unsere Gefühle bestimmen, anhand von Metaphern erlebbar zu machen. Es ist zum Beispiel erwiesen, dass es nicht steuerbar ist, ob die «Chemie» zwischen zwei Menschen stimmt. Inwiefern haben wir also einen freien Willen?

Während der Performance werfen Sie eine Fahne mit der Aufschrift «Enjoy» mit einem Aufschrei weit von sich.

Der Philosoph Slavoj Žižek sagt, in unserer Gesellschaft bestehe ein Zwang zum Genuss. Die Geste ist ein Gedankenanstoss: Was wäre, wenn wir uns dem Diktat zum Genuss verweigern würden?

«Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt», flüstert Steven Schoch der Besucherin ins Ohr.

«Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt», flüstert Steven Schoch der Besucherin ins Ohr.

Am Ende flüsterten Sie den Besuchern auf Englisch ins Ohr: «Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt». Was hat es damit auf sich?

Ich spielte «Stille Post» und liess die Leute den Satz einander reihum ins Ohr flüstern. Am Ende war er abgewandelt zu «I love you Livia». Interessant war, dass es die Leute verlegen machte, diese intime Aussage gegenüber einer fremden Person zu machen.

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