«Ich bin im Orchester die Eins»

Eigentlich hatte sich der erst 23jährige Manuel Becker für eine Schlagzeugerstelle bei der Badischen Staatskapelle Karlsruhe beworben. Und hat sein erstes Probespiel für eine Paukistenstelle im Sinfonieorchester St. Gallen fast wie nebenbei absolviert.

Martin Preisser
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Der Herr der Pauken: Manuel Becker. (Bild: Urs Bucher)

Der Herr der Pauken: Manuel Becker. (Bild: Urs Bucher)

Eigentlich hatte sich der erst 23jährige Manuel Becker für eine Schlagzeugerstelle bei der Badischen Staatskapelle Karlsruhe beworben. Und hat sein erstes Probespiel für eine Paukistenstelle im Sinfonieorchester St. Gallen fast wie nebenbei absolviert. «Ich habe entspannt gespielt, vielleicht habe ich das Probespiel deshalb gewonnen.»

Rund zweihundert Konkurrenten hatte Manuel Becker und setzte sich durch. «Erstmals Paukist in einem Profiorchester, für mich hat sich ein riesiger Traum erfüllt.» Schon als Kind habe er die Männer hinter der Pauke bewundert und sich gefragt, ob diese an den Fellen röchen, wenn sie sich dauernd zur Pauke hinunterbeugten.

Ein exponierter Job

Heute weiss Manuel Becker: Da ging es um die hohe Kunst des ständigen Intonierens. «Als Paukist bin ich im Orchester die Eins. Ich muss direkt da sein, wenn ich gebraucht werde, muss mich aber auch zurücknehmen können.» Ein Orchester spüre sofort, ob die Pauke in den Klang hineinpasse. Mit den vier Pauken nehme er die Musiker mit, baue den Orchesterklang quasi von hinten auf – ein exponierter, verantwortungsvoller Job. Seit August sitzt der junge Saarländer in der Tonhalle und im Orchestergraben des Theaters. «Meine Highlights hier waren bisher Verdis <Macbeth> unter Pietro Rizzo und die siebte Sinfonie von Beethoven unter Otto Tausk. Werke, bei denen ich intensiv gefordert war.» Becker, der als Schlagzeuger an den Theatern in Karlsruhe und Saarbrücken sowie an der Oper Stuttgart erste Erfahrungen gesammelt hat und beim Gustav- Mahler-Jugendorchester an der Pauke sass, ist Vollblutmusiker.

«Ein Werk studiere ich durchs genaue Hören.» Wenn er sagt, er könne eine Oper wie «Macbeth» auch mit ungeöffneten Noten spielen, glaubt man ihm das sofort. «Ich zähle nicht, ich höre die Musik innerlich voraus.» Mit seinen Instrumenten in St. Gallen ist er mehr als zufrieden. «Die Original Berliner Ringer-Pauken stammen noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und klingen wunderbar.» Dass Manuel Becker, der täglich drei bis vier Stunden übt, ein Perfektionist ist, spürt man auch, wenn er von seinen Schlägeln erzählt. Acht verschiedene Sorten sind bei ihm im Einsatz. Alle hat er selbst gebaut. «Heute weiss ich schon beim Bauen, wie ein Schlägel später klingt.»

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